Roding in der Zwickmühle: Städtischer Jugendtreff seit über einem Jahr geschlossen

Von Christoph Klöckner · 25. Juni 2025 um 15:00

Seit weit über einem Jahr sind im „Flashing Lights“ der Stadt die Lichter aus. Der Jugendtreff, der eingerichtet wurde, um junge Rodinger, die nicht in die vereinseigene Jugendarbeit eingebunden sind, zu erreichen, ist geschlossen. Der Grund ist an der Türe im Haus der Pfarrgemeinde zu lesen: Der angestellte Sozialarbeiter ist erkrankt. Eine Zweitbesetzung gibt es nicht – damit ist die Stadt in der Zwickmühle, sieht aber wenig Chancen auf Änderung.

„Wir wollen, dass unsere Mitarbeiter wieder gesund werden!“, sagt Bürgermeisterin Alexandra Riedl. Da sei es erst einmal egal, wie lange das dauert. Für ihre Stadt wiegen solche Ausfälle dennoch schwer, denn als kleine Stadt ist die Personaldecke schmal wie auch die Stadtkasse übersichtlich, um möglicherweise solche Ausfälle durch befristete Neuanstellungen zu kompensieren.

Treff mit wichtiger Funktion

Und wo Beschäftigte, die als Experten ein besonderes Gebiet betreuen oder eben wie beim Jugendtreff solo für den Jugendtreff verantwortlich sind, bleibt wenig Spielraum für die Stadt. Die Arbeit bleibt liegen – oder eben der Treff geschlossen.

Alternativen sind da selten vorhanden und Ersatzmöglichkeiten auch nicht. Daher bleibt der Rodinger Jugendtreff im Haus der Pfarrgemeinde St. Gallus am Paradeplatz, der Anlaufpunkt für Jugend außerhalb der Vereine sein soll, weiter zu. Dabei übernimmt der Treffpunkt eine wichtige Funktion in der Stadt: Der Rodinger Jugendtreff hatte sich zuletzt zu einem wichtigen Treffpunkt für junge Leute, vor allem auch mit Migrationshintergrund, entwickelt.

Lösung gesucht

Man wolle abwarten, bis der Angestellte wieder vollkommen gesund werde, so Bürgermeisterin Riedl – auch wenn das aktuell nicht absehbar sei. Möglicherweise einen Ersatz zu suchen, um den Treff wieder zu öffnen, sei für den Mitarbeiter sicher kein gutes Signal, wenn er sehe, dass seinen Job ein anderer machen solle. Zum anderen habe die Stadt nicht die Mittel, eine Doppelbesetzung zu finanzieren.

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Und nur eine befristete Stelle auszuschreiben, mache auch keinen Sinn – zum einen fehle es in dem Bereich sowieso an Fachkräften, zum anderen finde man für solch kurze Zeiträume kaum einen Ersatz, glaubt die Bürgermeisterin. Dennoch arbeite die Stadt an einer Lösung, um den Jugendtreff wieder öffnen zu können, so Riedl im März dieses Jahres auf Nachfrage. Bislang ist aber noch keine Übergangslösung gefunden worden. „Für ein paar Wochen oder Monate wird bei uns niemand anfangen wollen, wenn er danach nicht weiter beschäftigt bleiben kann. Daher laufen gerade Gespräche, wie wir das vorübergehend lösen können“, so die Bürgermeisterin im März. Sie wies die Zielgruppe des Jugendtreff darauf hin, doch bis zur Wiedereröffnung „die großen, ausgewogenen und attraktiven Angebote unserer Vereine zu nutzen.“

Nicht vorhersehbar

Man hoffe natürlich, dass der Jugendpfleger wieder komme. „Als der Jugendpfleger krank wurde, war in keiner Weise absehbar, dass diese Krankheitsphase so lange dauern würde. Wir können ja auch nur auf das reagieren und handeln, was wir planen können“, erläuterte Alexandra Riedl die Lage im Frühjahr. Ähnlich hatte Stadträtin und Jugendreferentin Verena Graßl reagiert. Es sei schlecht, dass der Jugendtreff zu sei, doch eine Lösung sei schwierig, so Graßl achselzuckend auf Nachfrage im Vorfeld der Jugendratsitzung im März.

Die Suche nach eine Lösung habe noch immer kein Ergebnis gebracht, so die Bürgermeister am Dienstag auf Nachfrage.

Außerhalb der Vereine

Der Rodinger Jugendtreff war nach der Coronazeit mit neuem Elan gestartet und hatte für 2023 gute Zahlen vorgelegt, die durchaus seine Existenzberechtigung deutlich machten. Insgesamt hätten 1558 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene das Angebot der Stadt genutzt, sich dort zu treffen, so Rodings Jugendpfleger in seinem Bericht im Frühjahr 2024. Vor allem Jugendlichen, die nicht von der aktiven Vereinsstruktur Rodings erfasst würden und somit keine Freizeitmöglichkeiten hätten, seien die primäre Zielgruppe für den Jugendtreff, erläuterte er. Oft seien dies Jugendliche aus schwächeren Einkommensschichten und/oder mit Migrationshintergrund.

Regeneration und Entspannung seien eine wichtige Zielsetzung des offenen Betriebs, da die Kinder und Jugendlichen durch Schule und Hausaufgaben oft stark belastet seien. Der Jugendtreff solle als Anlaufstelle dienen, die auch sinnvolle Freizeitmöglichkeiten bietet, erklärte der Jugendpfleger. Er arbeite verstärkt mit den Jugendlichen auch daran, deren soziale Kompetenzen auszubauen und sich auf Regeln oder Termine einzulassen – somit ist der Treff auch Präventionsort. Wobei sich dies aber nicht immer einfach gestalte.

Der Sozialarbeiter informierte den Stadtrat damals auch über die Jugendberatung, die Fachberatung und die schulbezogene Jugendarbeit, die er beackert. Dabei werde ein enger Austausch mit den Ganztagsklassen gepflegt, die regelmäßig den Jugendtreff besuchten. Er hatte auch ein Konzept zur Drogenprävention vorgestellt, das ebenso wie die anderen, durchaus wichtigen Dinge unbearbeitet bleiben.

Jugendtreff in Zahlen

■ Jahresbilanz: Insgesamt kamen im Jahr 2023 1558 Besucher in den Treff, das entspricht im Schnitt 23 Jugendlichen pro Öffnungstag. Zu etwa zwei Drittel sind die Gäste männlich (1095). Dienstags kamen durchschnittlich 17 Besucher, Sonntags 23. Am beliebtesten war der Donnerstag (29).

■ Alter: Das Alter der Besucher reicht von neun bis 24 Jahren, die Mehrheit ist zwischen zehn und 18 Jahren alt. 80 bis 90 Prozent der Gäste habe einen Migrationshintergrund, so der Jugendpfleger. Der Großteil der Besucher besuche die Ganztagsklasse der Grund- und Mittelschule, der Jugendtreff werde aber auch von Realschülern und Gymnasiasten genutzt. Nach Corona sei es gelungen, einen festen Stamm von inzwischen 40 bis 50 Jugendlichen aufzubauen, die den Treff regelmäßig besuchen, so der Bericht für 2023.