Für die Sallerner Regenbrücke fallen fast 150 Bäume in Regensburg

Am Regenufer in Regensburg müssen wegen der Sallerner Brücke acht alte Riesen und Biotope weichen. Das meiste Grün verliert die Nordgaustraße, die ausgebaut werden soll, mit 139 Bäumen.
Mit dem Labrador Susi geht Thomas Fischer gerne am Regenufer in Sallern spazieren. An seichten Stellen kann sich der schwarze Vierbeiner abkühlen. Alte Weiden und Pappeln werfen ihre Schatten. Im Schilf quaken Frösche. Zugleich brummen im Hintergrund Planierraupen. Sie ebnen den Untergrund für die neuen Fußballplätze ein. Doch die Idylle ist in Gefahr: Die Sallerner Regenbrücke wird mehr Verkehrslärm mit sich bringen. Für den Bau müssen alte Baumriesen und Uferbiotope weichen.
Das Regenufer ist Freizeitgelände für mehrere tausend Anwohner. Doch die Sallerner Regenbrücke wird zusätzlichen Verkehrslärm mit sich bringen. Wichtige Biotope schrumpfen. Wertvolle Uferbäume werden fallen: sieben auf der Lappersdorfer Seite und einer in Sallern. Für den Ausbau der Nordgaustraße werden laut Stadt Regensburg sogar 139 Bäume abgeholzt.
Biologin ist für den Bürgerentscheid
Am Fluss greifen die Brückenbauherren ein in Biotope mit Gehölzen, Feuchtgebüschen, Nasswiesen und einer Auwaldfläche. Der Brückenbau schränkt den Lebensraum von Eisvogel, Fledermaus, Biber, Bachmuschel und Blauflügelprachtlibelle ein. Das sind einige Beispiele aus dem Planfeststellungsbeschluss.
„Ich halte wegen der CO2-Belastung nichts davon, wenn alte Bäume wegkommen. Die reinigen die Luft“, sagt der Pensionist Thomas Fischer. „Es wird halt wieder ein Naherholungsgebiet zerschnitten.“ Regensburg sei eine hitzegefährdete Stadt. „Wir haben nicht besonders viel Grün.“ Allerdings fühlt er sich beim Thema Sallerner Regenbrücke „gespalten“, weil die Flussquerung die Amberger Straße zum Teil entlastet.
Bäume wichtig für das Klima
Seit sechs Jahren wohnt Juliane Kürzinger mit ihrer Famlie im ehemaligen Wirtshaus Niedermayer. Mit den Kindern badet die 42-Jährige oft im Regen auf Höhe der Sattelbogenerstraße. Täglich ziehen sie mit dem Bollerwagen los. Sie erleben Eisvogel, Graureiher, Frösche und Biber. „Die Bäume sind wichtig für das Klima“, sagt sie. Gerhard Hoffmann arbeitet im Garten. „Die Brücke brauche ich nicht, aber den Hochwasserschutz“, sagt der 59-Jährige. Ihn ärgere, dass für die Donauquerung Geld da sei, für den Flutschutz in diesem Bereich nicht. Eine Biologin inspiziert das Ufer. Die 50-Jährige hat bei der Biotopkartierung durch die Stadt mitgewirkt. Sie deutet auf das Lappersdorfer Ufer: „Die Weidengebüsche sind eine natürliche Auenvegetation.“ Auch wertvolles Großseggenried, eine Feuchtfläche mit Sauergräsern, liegt dort. Die Spezialistin setzt auf den geplanten Bürgerentscheid der BI „Mobilität neu denken“ gegen den Ausbau der Nordgaustraße und den Bau der Sallerner Regenbrücke. „Zeitgemäß wäre es, den Verkehr draußen zu halten.“
Baudirektor Dr. Richard Bosl vom Staatlichen Bauamt Regensburg kennt das Gebiet wegen der vielfältigen Untersuchungen durch Fachleute genau. Neben den gesetzlich geschützten Biotopen stellen demnach auch Gehölze und Einzelbäume bedeutsame Biotoptypen dar. Biotop- oder Höhlenbäume seien in erster Linie entlang des Regenufers betroffen und dort besonders im Bereich des neuen Brückenbauwerks. „Möglicherweise unterliegen einzelne Bäume der Baumschutzverordnung“, teilt Bosl mit. Das Fällen von Bäumen sei bedauerlicherweise notwendig. Ökologen begleiten den Bau.
Behörde: Erhebliche Eingriffe nötig
„Das Fällen von Bäumen wird auf das zwingend notwendige Maß für die Bauausführung beschränkt“, betont er. Zur Planfeststellung sagt Bosl, die Ermittlung des naturschutzrechtlichen Eingriffs und des Ausgleichs sei Gegenstand des Landschaftspflegerischen Begleitplans. Dieser gehört zur Planfeststellung. „Für die Ermittlung des Eingriffs wurden entlang des Regens nicht Einzelbäume kartiert, sondern insgesamt die Gehölzbestände“, sagt Bosl. Eingriff und Ausgleich sind über die Fläche und Biotopwertpunkte ermittelt worden. Der Verlust von Baumhöhlen wird durch Nistkästen kompensiert, der Verlust von Gehölzen durch Neupflanzungen.
Im Planfeststellungsänderungsbeschluss räumt die Regierung der Oberpfalz ein: Es werde nicht verkannt, dass das Vorhaben in anderen Bereichen von Regensburg und Lappersdorf mit einer Zunahme der Verkehrsbelastung verbunden sei und mit erheblichen Eingriffen in das Regental einhergehe. Die Regierung ist jedoch überzeugt, dass die für die Straßenbaumaßnahme sprechenden Gründe überwiegen.