Zwei Sterne funkeln weiter überm Birkenhof: Neunburger gehört erneut zur Koch-Elite

Von David Santl · 25. Juni 2025 um 11:00

Der Eisvogel in Neunburg (Landkreis Schwandorf) bleibt eine Spitzengastronomie. Küchenchef Sebastian Obendorfer (34) hat erneut zwei Michelin-Sterne für das Restaurant des Hotels Birkenhof geholt. Anders als die meisten Gourmets setzt er aber nicht auf klassisch französische Küche, sondern auf japanische Geschmacksrichtungen. Das sind die Gründe.

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Fast hätte Sebastian Obendorfer als Gourmet-Koch aufgehört. Eigentlich wollte er sich nur noch um das Hotel Birkenhof in Hofenstetten kümmern und die Küche im zugehörigen Zwei-Sterne-Restaurant Eisvogel jemand anders überlassen. Zu langweilig war ihm die klassisch französisch geprägte Gourmet-Küche mit der Zeit geworden. Doch dann flog Sebastian Obendorfer nach Bali, besuchte dort einen Freund, entdeckte neue Geschmacksrichtungen – und hat damit jetzt die beiden Michelin-Sterne des Eisvogel verteidigt.

Aber der Reihe nach: Seit wenigen Tagen ist klar, dass der 34-jährige Küchenchef im Hotel Birkenhof seine zwei Sterne behalten darf. Der bekannte Restaurantführer Guide Michelin listet die Küche des Restaurants Eisvogel auch in seiner diesjährigen Ausgabe. Damit ist der Neunburger der einzige Zwei-Sterne-Koch in der Oberpfalz. „Unsere Perfektion und unser Herzblut wurden wertgeschätzt. Das ist eine Bestätigung unserer Arbeit“, sagt Obendorfer. Und zugleich ist es das Ergebnis eines außergewöhnlichen Experiments.

Leicht und bekömmlich

Denn Obendorfers Stil ist vor allem durch japanische Einflüsse geprägt, obwohl Gourmet-Küche eigentlich von französischer Kochkunst dominiert wird. „Aber mir ist die französische Küche zu schwer“, sagt der alte und neue Starkoch. Japanisches Essen dagegen sei leicht und bekömmlich, habe aber trotzdem einen außergewöhnlichen und intensiven Geschmack. „Da wir ein Wellnesshotel sind, spielt natürlich der gesundheitliche Faktor eine Rolle“, sagt er. Da sei leichtere Küche besser.

Diese Erkenntnis zu gewinnen, war gar nicht so einfach. Denn natürlich war Obendorfers Ausbildung, wie üblich, von der ganz klassischen französischen Küche geprägt. Doch der 34-Jährige hatte genug von Lamm mit dunklem Jus und ähnlichem. „Ich habe immer klassisch gekocht und das wurde mir einfach zu langweilig.“ Also hat er mit dem Gedanken gespielt, in der Küche aufzuhören.

Der Starkoch hat schon einige Auszeichnungen erhalten. - Foto: Jan Lange

Zu dieser Zeit flog Obendorfer nach Bali, um einen Freund zu besuchen. Und diese Reise sollte alles verändern. Denn er lernte die asiatische Kochkunst näher kennen. „Das hat meine Sichtweise auf den Kopf gestellt. Von da an war mir klar, dass das genau meine kulinarische Richtung ist“, erzählt der Sternekoch. Besonders beeindruckt war er von Kaffernlimetten und japanischer Petersilie: „Die schmeckt ganz anders als bei uns.“ Japanische Küche sei eben mehr als Sushi, Sojasauce und Wasabi. Und zeitgemäß ist sie auch. Denn laut Sebastian Obendorfer spricht sie gerade auch jüngere Leute an. Außerdem sei die japanische Produktqualität „unvorstellbar gut“.

Denn als Sternekoch legt Obendorfer selbstverständlich Wert auf Hochwertiges. Das ist auch sein Tipp für alle „Hobbyköche“, die ihre Gerichte zuhause aufpeppen wollen. „Nichts geht über Qualität. Und am besten sollte es regional sein. Das kann daheim jeder umsetzen“, sagt er.

Nichts geht über Qualität. Und am besten sollte es regional sein. Das kann daheim jeder umsetzen

Sebastian Obendorfer, Starkoch

Apropos daheim: Wie kocht eigentlich der Sternekoch, wenn er nicht in der Restaurantküche steht? Gibt es dann auch Fisch und Krustentiere? „Nein. Da mache ich dann am Sonntag einen klassischen Schweinebraten, ganz ohne Schnickschnack“, verrät er. Der Starkoch kann also auch bodenständig. Schließlich gehörte seiner Oma in Hofenstetten ein Wirtshaus. Dort ist Obendorfer quasi aufgewachsen, wie er erzählt. „Ich hab ihr in der Küche immer über die Schulter geschaut. Von ihr und meinem Vater habe ich viel gelernt. Da war schon klar, was ich einmal werden will.“

Nun darf er sich also zu den 48 besten Köchen in Deutschland zählen – wieder einmal. Ob sie es wirklich in den begehrten Michelin-Restaurantführer schaffen werden, erfahren die Gastronomen erst bei der offiziellen Präsentation. Davor kommen echte Restaurantprofis inkognito, eventuell auch öfter im Jahr. „Die geben sich nicht zu erkennen. Man weiß also nicht, ob man im Rennen ist“, berichtet Obendorfer.

Spannung war groß

Als die Michelin-Auszeichnungen bekannt gegeben wurden, war die Spannung in der Küche des Eisvogel natürlich groß.

„Wir hatten das Restaurant offen, aber nebenbei den Livestream laufen“, so Obendorfer. Feiern konnte er mit seinem Team also erst später. „Aber dann mit der einen oder anderen Flasche Champagner“, erzählt er und lacht.

Delikatessen aus dem Birkenhof:

• Honig: Zum ersten Mal wird es im Hotel Birkenhof und im Sternerestaurant Eisvogel selbst gemachten Honig geben. Denn im Hotel gibt es einen Bienenstock und nebenan eine Blühwiese. Laut Sebastian Obendorfer wurde in der vergangenen Woche der erste Honig geschleudert. Natürlich will er ihn in sein Menü einbauen.

• Person: Im Jahr 2007 begann Sebastian Obendorfer seine Kochlehre, ein Jahr später erhielt sein Vater Hubert den ersten Michelin-Stern. Den zweiten Stern erkochten sich die beiden gemeinsam vor fünf Jahren. Im Jahr 2021 wurde Sebastian Obendorfer neben seinem Vater Küchenchef, seit 2022 hat er diesen Posten alleine inne.