Sexueller Übergriff: Junge Frau nach OP missbraucht – So wollen Regensburger Kliniken Patienten schützen

Sie kam für eine Routine-Operation in eine Klinik und ging als traumatisiertes Opfer eines sexuellen Übergriffs: Das Schicksal einer jungen Regensburgerin bewegte unlängst viele MZ-Leser. Dabei zeigen Recherchen: Auch Patienten werden übergriffig.
Kurzer Rückblick: Vor wenigen Tagen steht ein Ägypter (47) aus dem Landkreis Schwandorf in Regensburg vor Gericht. Der Angestellte eines Krankenhauses wurde gegenüber der jungen Frau übergriffig. Er gab vor, ihren Körper mobilisieren zu müssen. Dazu massierte er die Frau. Diese gab an, vor Angst erstarrt zu sein. Der Mann massierte weiter. Irgendwann brach es aus der Patientin heraus: „Jetzt reicht's.“
Während Belästigung: Klinik-Kollegin platzte ins Krankenzimmer
Die Frau bestand darauf, sofort einen Arzt zu rufen, um die Situation zu besprechen. So kam der Fall ins Rollen. Wie schwierig sexuelle Übergriffe im Kontext medizinischer Behandlungen zu erkennen sind, zeigt auch, dass eine Kollegin in das Zimmer platzte, während der Täter gerade dabei war, die Frau gegen ihren Willen zu massieren.
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Richter Ehrl sprach in seiner Urteilsbegründung auch vom Vertrauen in die Institution, die durch solche Vorfälle erschüttert werde. Ein Einzelfall ist diese Geschichte allerdings nicht. Wie viele sexuelle Übergriffe es in Kliniken in der Region gab, ist nirgends erfasst. Allerdings gibt es Auswertungen aus dem Jahr 2021, die ergeben haben, dass jeder sechste Arzt in Deutschland bereits sexuelle Übergriffe am Arbeitsplatz erlebt hat. Auch in Regensburg scheint es sich um ein heikles Thema zu handeln. Nicht jede Klinik wollte sich auf MZ-Anfrage offen äußern. Manche gaben Informationen nur als Hintergrund preis.
Sexuelle Übergriffe: So schützen sich Krankenhäuser in Regensburg
Wie also schützen die Regensburger Kliniken ihre Patienten vor ähnlich gelagerten Fällen? Elisabeth Probst vom Krankenhaus St. Josef betont, dass der Schutz aller Menschen an erster Stelle steht. „Wir arbeiten auf Basis eines institutionellen Schutzkonzeptes, das die Prävention sexueller und gewaltsamer Übergriffe ausführlich beleuchtet.“ Dazu gehört es, das Personal zu unterweisen und zu sensibilisieren. Dadurch sollen Risiken erkannt werden. Zudem soll sichergestellt werden, dass potenzielle Vorfälle auch wirklich gemeldet werden.
Dabei, betont Sprecherin Probst, gehe es nicht nur um Übergriffe von Mitarbeitern auf Patienten: „In der Tat kommt es im Klinikalltag auch immer wieder zu übergriffigem Verhalten von Patienten gegenüber unseren Mitarbeitenden.“ Die Auswertung klinikinterner Statistiken habe allerdings ergeben, dass es selten zu sexuellen Übergriffen kommt. „Der Großteil der Meldungen steht vielmehr in Zusammenhang mit aggressivem Verhalten, verbal, nonverbal oder körperlich.“
„Konsequent gegen Belästigung“: Uniklinik ermuntert Mitarbeiter zur Anzeige
Auch das Uniklinikum setzt auf Aufklärung, sagt Sprecher Matthias Dettenhofer. Das Ziel: „Mit klaren Handlungsanweisungen wird weitestgehend vermieden, dass entsprechende Fälle nicht gemeldet werden.“ Betroffene Kollegen ermuntere man, entsprechende Fälle zur Anzeige zu bringen. Dettenhofer betont: „Als Vorstand des Universitätsklinikums Regensburg stehen wir gemeinsam mit unseren Führungskräften für ein respektvolles und sicheres Arbeitsumfeld und werden auch weiterhin konsequent gegen jede Form von Belästigung, nicht nur sexuelle Belästigung, vorgehen.“ Das gelte auch für Fälle, in denen Patienten übergriffig werden.
Klinik-Mitarbeiter nach Vorfall gekündigt
Der ägyptische Mitarbeiter der Klinik wurde fristlos gekündigt, nachdem der Vorfall bekannt wurde. Er wehrte sich nicht gegen die Entlassung. Vor Gericht bestritt der Mann die Tat. Die Kammer glaubte ihm allerdings nicht. Er wurde zu zwei Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt. Der Fall könnte allerdings vor dem Landgericht noch einmal aufgerollt werden. Die junge Frau ist nach wie vor damit beschäftigt, das Geschehen aufzuarbeiten. Sie war schließlich nur für eine kleine Routine-Operation gekommen.