Maurerin und Unternehmerin: Zwei Frauen im Kreis Cham stehen auf dem Bau ihren Mann

„Mehr Frauen für männerdominierte Handwerksberufe begeistern“, so lautet die Devise der Branche seit Jahren. Wie das gelingen kann? Zwei Frauen aus dem Landkreis Cham machen es vor.
Maurerin Laura Attenberger und Bauunternehmerin Sylvia Wagner sind mit ihrem Werdegang leuchtende Vorbilder, wie Frauen in klassischen Handwerksberufen erfolgreich sein können.
Ernüchternde Quote
Genau eine weibliche Auszubildende ist jeweils auf den Fotos der Berufsschulanfänger sowohl bei den Schreinern als auch bei den Zimmerern im Herbst im Landkreis zu finden – bei 22 Schreinern und 29 angehenden Zimmerern eine ziemlich ernüchternde Quote. Doch Cham liegt damit im bayernweiten Schnitt. Wenn Frauen in Handwerksberufen zu finden sind, dann eher in als typisch weiblichen Berufen geltenden wie Friseur oder in eher künstlerischen wie Goldschmied.
Als junge Frau auf der Baustelle Beton mischen, Steine schleppen und Mauern hochziehen? Noch dazu als Einserabiturientin, die dafür sogar von ihrer Heimatgemeinde ausgezeichnet wurde? Für Laura Attenberger aus Zenching waren Baustellen die ideale Vorstellung vom Traumberuf. Der Grund dafür? Ihr Onkel, selbst leidenschaftlicher Maurer, der sie als Kind oft mit auf die Baustelle nahm. „Die Arbeit dort faszinierte mich einfach“, erzählt Laura Attenberger rückblickend. Als die junge Oberpfälzerin nach dem Abitur schließlich nicht so richtig wusste, welchen Weg sie einschlagen sollte, war es wieder ihr Onkel, der sie zur Maurerausbildung ermunterte.
Studium links liegen gelassen
Lange Zeit wäre für Laura Attenberger auch noch ein Studium zur Bauingenieurin in Frage gekommen. Doch nun hat sie sich anders entschieden, im Sommer beginnt die 21-Jährige ihre Weiterbildung zur Maurermeisterin. „Einfach, weil ich den Praxisbezug beibehalten möchte und mir mit dem Meistertitel in der Tasche auch später noch alle Karrierewege offenstehen.“ Schlechte Erfahrungen als Frau am Bau musste sie noch nie machen.
Ganz so positiv wie bei Laura Attenberger sah es vor 40 Jahren nicht aus, als Sylvia Wagner Maurerin werden wollte. Eigentlich hatte die junge Frau, die zuvor bereits eine Ausbildung als Bauzeichnerin absolviert hatte, schon eine Zusage von einem Fachbetrieb für eine Lehrstelle. „Doch dann weigerten sich die Vorarbeiter dort mich mit auf die Baustelle zu nehmen, einfach weil ich ein junges Mädchen war“, erzählt die mittlerweile erfolgreiche Bauunternehmerin aus Traitsching. Davon ließ sich Sylvia Wagner aber nicht aufhalten: Sie machte die Maurerausbildung im elterlichen Betrieb und sattelte anschließend noch ihren Handwerksmeister drauf.

Die Weiterbildung schloss sie als Jahrgangsbeste ab. Gemeinsam mit ihrem Mann, den sie im Meisterkurs kennenlernte, übernahm sie den Betrieb ihres Vaters und führte ihn erfolgreich fort. Zudem erweiterte Wagner das Unternehmen: „Um eine Lizenzpartnerschaft mit der deutschlandweit führenden Massivhausmarke Town & Country-Häuser“, so die Bauunternehmerin. Bis heute realisiere die Hilpl-Wagner Bau GmbH zuverlässig Wohnträume für ihre Kunden, wirbt Wagner.
Harte, anstrengende Arbeit
Laura Attenberger und Sylvia Wagner sind beide sehr glücklich mit ihrem Werdegang. Gerade die Sinnhaftigkeit schätzen beide an ihrem Beruf: „Einfach, weil ich den Umgang mit Menschen sehr mag und unser Bauunternehmen schon vielen zufriedenen Kunden zum sicheren Eigenheim verholfen hat“, sagt Wagner. Allerdings dürfe man nichts schönreden. Die Arbeit könne auch sehr hart und anstrengend, der Umgangston auf der Baustelle noch dazu rau sein. Doch gerade dann kommen Sylvia Wagner neben ihrer fundierten Ausbildung und ihrer jahrelangen praktischen Erfahrung auf der Baustelle vor allem ihre typisch weiblichen Stärken zugute, wie ihre ausgeprägte Kommunikations- und Empathiefähigkeit.
Auch Laura Attenberger hat die Erfahrung gemacht, dass ihr Chef sie oft in der Kommunikation mit den Bauherren einsetzt: „Einfach, weil ich mich gut in andere hineinversetzen kann und eben gleichzeitig den Praxisbezug habe.“ So entsteht eine Win-Win-Situation für beide Seiten.
Nehmt Töchter und Nichten mit auf die Baustelle oder in die Werkstatt.
Laura Attenberger
Genau mit dieser Botschaft möchten Attenberger und Wagner für ihr Handwerk werben und gleichzeitig mehr Frauen ermutigen, sich in vermeintliche Männerdomänen zu wagen. Laura Attenberger sieht gleichzeitig auch die Männer in der Pflicht: „Nehmt eure Töchter und Nichten mit auf die Baustelle oder die Werkstatt. Zeigt ihnen, welche tollen Möglichkeiten sie haben.“ Denn nur gemeinsam lassen sich veraltete Rollenklischees weiter aus dem Weg räumen. Profitieren davon würden letztlich alle, sind Laura Attenberger und Sylvia Wagner überzeugt.
Frauen am Bau
Daten & Fakten: Lediglich 13 Prozent der Beschäftigten im Wirtschaftszweig Baugewerbe sind weiblich, im Wirtschaftszweig Bauhauptgewerbe liegt der Anteil sogar nur bei zehn Prozent. In bauhauptgewerblichen Berufen liegt der Anteil nur bei 1,6 Prozent, bei den gewerblichen Auszubildenden in bauhauptgewerblichen Berufen bei 2,3 Prozent. (Quelle: Die Deutsche Bauindustrie)