Expertengespräch in Roding: Friseurhandwerk im Landkreis Cham sucht Nachwuchs

Mut zum Friseurhandwerk, sowohl von Interessenten als auch von Friseursalons, war das Ergebnis eines Expertengesprächs im Friseur Salon Ring in Roding. Viele große Herausforderungen wie die Flüchtlingswelle in den Jahren 2015 und 2016, die Corona-Pandemie mit ihren massiven Auswirkungen in den Jahren 2020 und 2021, der seit 2022 herrschende Ukraine-Krieg oder zuletzt die Energiekrise beeinflussten den bayerischen Ausbildungs- und Arbeitsmarkt in den letzten zehn Jahren. Gleichzeitig veränderte die sogenannte 3D Transformation (Digitalisierung, Dekarbonisierung und demografsicher Wandel) die Arbeitswelt.
Die Allianz für starke Berufsausbildung in Bayern veranstaltet jährlich die Bayerische Woche der Aus- und Weiterbildung, die Bayerns Wirtschaftsstaatssekretär Tobias Gotthardt und der Amtschef des Arbeits- und Sozialministeriums, Dr. Markus Gruber, am 26. Mai eröffnet haben. In über 300 Veranstaltungen in ganz Bayern können sich Jugendliche und Eltern informieren, welche Möglichkeiten und Chancen die berufliche Aus- und Weiterbildung bietet. Betriebe aus der Wirtschaft öffnen ihre Werkstätten, Berufsschulen und Behörden laden zu Informationsveranstaltungen ein, Schnuppertage und digitale Angebote geben Einblicke in spannende Berufsfelder.
Diese Woche soll inspirieren, Orientierung geben und Lust auf die eigene berufliche Zukunft machen. Bereits 1903 gründete Alois Ring, ein approbierter Bader, den noch heute bestehenden Friseursalon in Roding. Dieser ist mittlerweile in der fünften Generation im Familienbesitz. Die Tochter von Fritz Ring jun., Sonja Prasch, übernahm 1994 die Leitung und betreibt das Haarstudio noch heute gemeinsam mit ihrem Sohn Andreas.
Seit fast 30 Jahren im Salon
Andreas Prasch absolvierte seine Ausbildung zum Friseur zum Teil in Meinighaus in Forchheim erfolgreich und beinahe direkt im Anschluss, im Alter von 21 Jahren, legte er auch seine Meisterprüfung ab. Mittlerweile ist er bereits seit fast 30 Jahren im Salon tätig und seit 2021 auch Inhaber. 2023 konnte das 120. Firmenjubiläum gefeiert werden.
Nach dem erfolgreichen Abschluss der Ausbildung wurden kürzlich zwei Azubis übernommen und zählen zur 17-köpfigen Belegschaft. Mit der Fragestellung „Wie ist die Ausbildungslage im Friseurhandwerk im Landkreis Cham?“ hatte die Agentur für Arbeit Schwandorf zu einem Erfahrungsaustausch nach Roding eingeladen. Am Montagvormittag war Andreas Prasch, Inhaber des Friseur Salon Ring, Gastgeber für Sabine Schneider, Obermeisterin der Friseurinnung Cham, Wolfgang Zwicknagl, Geschäftsführer Operation der Arbeitsagenturen Schwandorf, Susanne Stauber, Teamleiterin Berufsberatung vor dem Erwerbsleben, Konrad Groitl, Berufsberater vor dem Erwerbsleben, Marina Bielmeier, Arbeitsvermittlerin im Arbeitgeber-Service sowie Eva Plößner, Pressesprecherin der Arbeitsagentur Schwandorf. Die Expertenrunde im Bereich Berufsberatung und Arbeitsvermittlung ging in einem lockeren Gespräch auf die Ausbildungssituation allgemein und im speziellen im Friseurhandwerk ein.
Wandel in der Branceh
„Je weniger ausgebildet und die Dienstleistung nicht mehr angeboten wird, desto unattraktiver wird eine Region“, bemerkte Wolfgang Zwicknagl eingangs. Friseure arbeiten am Menschen und wenn nicht mehr ausgebildet würde, könne es ein Problem für die Bevölkerung geben. In der Gesellschaft habe es einen Wandel gegeben, so Sabine Schneider. Der Turnus beim Friseurbesuch war kürzer. Junge Frauen mit langen Jahren kommen nur noch zwei bis dreimal im Jahr. Die „Bader“-Zeit und Herrenfriseure seien wieder im Kommen. Andreas Prasch warf ein, das eine Modeerscheinung zu beobachten sei. „Männer werden bei den Frisuren wieder eitler und der Friseurbesuch mit Kaffee und Sekt als Erlebniszeit genossen.
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„Die allgemeine Ausbildungsbereitschaft im Landkreis Cham ist groß, doch die ausbildenden Friseure werden weniger“, bemerkte Zwicknagl. „Im Landkreis haben nur drei Ausbildungsbetriebe gemeldet“, bemerkten Martina Bielmeier und Konrad Groitl. „Eine bessere Vernetzung mit einem einfachen System wäre sinnvoll“, gab Angelika Prasch mit auf den Weg. Schneider informierte, dass es im Landkreis über 100 Friseure gebe, davon seien 63 Innungsbetriebe und davon wiederum bilden rund zehn Prozent aus. Derzeit seien in den drei Ausbildungsjahren von 44 Schülern 14 aus dem Landkreis Cham an der Berufsschule in Schwandorf.
Ich wünsche mir mehr ausbildende Friseurbetriebe sowie Offenheit und Flexibilität beim Umgang mit den Interessenten.
Susanne Stauber von der Berufsberatung
Susanne Stauber fügte an, dass es mehr Interessenten für das Friseurhandwerk als Ausbildungsstellen gebe. Gründe hierfür nannte Schneider mit dem zeitlichen Aufwand, Fortbildungsmaßnahmen sowie Stress mit der überbordenden Bürokratie. „Wir müssen uns dem Wandel stellen und ich wünsche mir mehr ausbildende Friseurbetriebe sowie Offenheit und Flexibilität beim Umgang mit den Interessenten. Diese wiederum sollen selber aktiv auf die Friseure zugehen. Wenn jemand eine Friseurausbildung machen möchte, bekommt er eine Stelle.“
Allianz für starke Berufsausbildung: Die 2014 geschlossene Allianz für starke Berufsausbildung trug und trägt mit ihren Maßnahmen dazu bei, dass die Ausbildungssituation für junge Menschen in Bayern heute deutlich besser ist als vor zehn Jahren. Diese Allianz wird getragen vom Bayerischen Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales, dem Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie, dem Bayerischen Handwerkstag, dem Bayerischen Industrie- und Handelskammertag, der vbw – Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft und der Regionaldirektion Bayern der Bundesagentur für Arbeit. rsr