Regensburger Velodrom: Altstadtfreunde warnen vor Luxus-Sanierung

Von Juliana Ried · 20. Juni 2025 um 17:00

Das Velodrom am Arnulfsplatz ist so marode, dass das Theater seit 2022 das Antoniushaus im Osten als zweite große Spielstätte nutzt. Seit 2018 plant die Stadt die Generalsanierung des Hauses am Arnulfsplatz mit 594 Plätzen – und legt jetzt einen Plan vor, der aus Sicht der Altstadtfreunde überdimensioniert ist.

Er verursache exorbitant hohe Kosten und gefährde die Denkmaleigenschaft des Velodroms, kritisieren Achim Hubel, Vorsitzender des Vereins und emeritierter Professor für Denkmalpflege, sowie Albert Payer, Mitglied der Altstadtfreunde und der Architekt, der die Sanierung in den 90ern plante.

Für die anstehende Generalsanierung veranschlagt die Stadt 52,8 Millionen Euro, plus 10,3 Millionen Euro Puffer für mögliche Mehrkosten. Zwischen 22,8 und 28 Millionen Euro müsse sie selbst tragen. Das Velodrom wurde Ende des 19. Jahrhunderts als Radsportstätte erbaut und unter anderem als Veranstaltungssaal und Kino genutzt. In den 90ern retteten es engagierte Bürger vor dem Abriss, danach wurde es für eine zeitweise Nutzung als provisorische Theaterspielstätte saniert und 1998 wiedereröffnet. Mittlerweile hat es 22 Jahre Spielbetrieb hinter sich. 2018 stellte das Bauordnungsamt fest, dass es die heutigen Anforderungen für Versammlungsstätten nicht erfülle, etwa in Bezug auf den Brandschutz.

Altstadtfreunde: Sanierung „mit allen Raffinessen“

Auch Hubel und Payer zweifeln nicht an der Notwendigkeit, das Haus zu sanieren – aber das dürfe nicht so passieren, wie jetzt geplant. Vertreter von Stadt und Theater präsentierten den Altstadtfreunden den Vorentwurf am Freitag. Hubel sagt dazu: „Das ist letztlich eine Wiederholung dessen, was das Theater am Bismarckplatz schon hat, mit allen technischen Raffinessen.“ Das von der Stadt beauftragte namhafte Architekturbüro habe wohl alles umgesetzt, was das Theater an Bedarf angemeldet habe: ein Bühnenhaus samt Eisernem Vorgang, eine Drehbühne, ein Untergeschoss für die Technik. „Die umfangreichen Anforderungen sprengen die Möglichkeiten des Bauwerks“, sagt Payer. Zudem werde durch die Innenraumgestaltung und die Aufstockung im hinteren Drittel die Denkmaleigenschaft „schwer beeinträchtigt“. Hubel betont, dass die Stadt sich im Welterbe-Antrag verpflichtet habe, so behutsam mit ihren Denkmälern umzugehen wie möglich. „Das ist hier nicht gegeben.“ Zudem sagen Hubel und Payer: Zwei Spielstätten dieser Art seien für ein Theater unüblich. Payer erklärt: „Eine zweite Großbühne gibt es in ganz Bayern nicht, meines Wissens auch in ganz Deutschland nicht.“

Die Altstadtfreunde Achim Hubel und Albert Payer (von rechts) sehen den Plan für die Generalsanierung kritisch. - Foto: Julia Ried

Was die Stadt dafür ausgeben wolle, sei in Anbetracht der angespannten Haushaltslage „einfach zu viel“. Die Gewerbesteuereinnahmen sprudelten nicht mehr, gleichzeitig müsse die Stadt in viele Maßnahmen investieren. Hubel bekräftigt: „Viele Schulen sind in einem fürchterlichen Zustand. Überall ist Sanierungsbedarf.“ Die Altstadtfreunde sind der Meinung, dass sich mit einer bescheideneren Sanierung die Kosten halbieren ließen: Sie schlagen eine verschiebbare Zentralbühne in der Mitte des Zuschauerraums vor.

Theater: Velo ist „Schlüssel, um Kulturauftrag zu erfüllen“

Theaterintendant Sebastian Ritschel und kaufmännischer Vorstand Matthias Schloderer nennen das Velodrom wegen seiner vielen Plätze einen „Schlüssel, um unseren Kulturauftrag für Ostbayern zu erfüllen“. Zudem könne das Denkmal, das „sensibel und nachhaltig“ umgebaut werde, vielfältiger Nutzung und anderen Akteuren der Stadtgesellschaft offenstehen. Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer (SPD) teilte mit: „Die Sanierung des Velodroms ist eine Investition in die Zukunft unseres Theaters, das in der kommenden Spielzeit Staatstheater wird. Gleichzeitig investieren wir damit in unser baukulturelles Erbe.“

Am Dienstag sollen der Planungs- und der Kulturausschuss des Stadtrats die Weichen für das Vorhaben stellen, so wünscht es sich die Stadt. Die Altstadtfreunde wollen das verhindern. Obwohl auch sie mit dem Bürgerfest schwer beschäftigt sind, wollen sie einige Stadträte anschreiben.

Der Plan der Stadt

Denkmal: Die Denkmalliste führt das Velodrom als Ballhaus, Radrennbahn, Kino, Theater und Konzerthaus. Der langgestreckte Saalbau mit dreiteiliger Schweifgiebelfassade wurde 1897/98 gebaut, 1929 zum Lichtspieltheater umgebaut, 1936/38 und 1952/53 überformt.

Generalsanierung: Die Stadt rechnet für das Projekt mit staatlicher Förderung in Höhe von 75 Prozent der zuwendungsfähigen Kosten, das entspricht 30 Millionen Euro. Sie will 2027 mit der Sanierung beginnen, so dass 2030 der Spielbetrieb wieder aufgenommen werden kann.