Sport machen und Leute kennenlernen: Running Club Regensburg geht durch die Decke

Von Antonia Herzinger · 22. Juni 2025 um 05:00

Gruppen mit um die 100 Läufern schlängeln sich mehrmals die Woche durch die Gassen der Altstadt und am Donauufer entlang. Der Running Club Regensburg hat sich innerhalb eines Jahres zur Anlaufstelle für viele Hobbyläufer entwickelt.

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Um den Gründer Johannes Brunnbauer hat sich mittlerweile ein sechsköpfiges Team gebildet, das neben dem „Social Run“ am Dienstag insgesamt vier bis fünf Läufe pro Woche organisiert. Das Zusammenbringen von Menschen steht dabei im Vordergrund, aber auch sportlich bringt der Club viele Regensburger Läufer auf ein neues Level.

In der Gruppe durch die Domstadt laufen

So müssen sich Zugvögel auf ihren Reisen fühlen: Wie im Schwarm laufen rund 50 Frauen fast im Gleichschritt durch die Altstadt runter ans Donauufer. Einige unterhalten sich gemütlich, andere sind hochkonzentriert und signalisieren mit ihren Kopfhörern im Ohr, dass sie für sich sein wollen. Für den Rest kommt motivierende Musik aus zwei Lautsprecherboxen.

Am Grieser Spitz tummeln sich die Leute, die sich ihren Feierabend anders vorstellen: beim Schwimmen in der Donau, beim Picknick mit Freunden oder einfach mit einem kühlen Getränk. Der Schwarm zieht alle Blicke auf sich. „Da krieg ich direkt ein schlechtes Gewissen“, sagt ein junger Mann zu seinem Kumpel und blickt auf das Bier in seiner Hand.

Nur auf wenigen Abschnitten entlang der Donau verschont die Sonne die Läuferinnen. - Foto: Antonia Herzinger

Zurück in der Altstadt wird es kurz eng in der Brückstraße. „Das hört ja gar nicht mehr auf“, wundert sich eine Fußgängerin, an der sich schon über 30 Läuferinnen vorbeigeschlängelt haben. Auf dem Weg an den Lokalen am Kohlenmarkt vorbei gibt es noch mal einen Motivationsschub. Die Gäste klatschen und jubeln: „Auf geht's!“ Ein Herr fragt seine Begleitung: „Trainieren die etwa für den Marathon?“

Bis zu 150 Hobbyläufer kommen zu einem Treffen

Nicht ganz: Am Mittwochabend hat zum zweiten Mal der „Women Only Run“ des Running Clubs Regensburg stattgefunden. Der Lauftreff bietet jede Woche mehrere Termine an, bei denen Hobbyläufer mit Gleichgesinnten ihrer Leidenschaft nachgehen können. Johannes Brunnbauer hat den Club vor knapp einem Jahr ins Leben gerufen, indem er ein Instagram-Profil erstellt hat. „Ich hab das in anderen Städten gesehen, fand das cool, und wollte das auch nach Regensburg bringen. In kürzester Zeit ist das voll durch die Decke gegangen.“

Mittlerweile kommen bis zu 150 Läufer zu den Treffen. Tim Wolbergs und Samuel Vogl sind fast seit Beginn dabei und gehören zum Orga-Team. „Samuel und ich hatten schnell einen Draht zu Johannes, Gina, Luisa und Fabi.“ Das vielfältige Angebot von vier bis fünf Läufen pro Woche, die Social Media Präsenz und die Zusammenarbeit mit Partnern aus Regensburg sowie großen Sportmarken lassen sich nur noch mit einem guten Team, das zusammenhält, bewerkstelligen.

Das sechsköpfige Team um Running-Club-Gründer Johannes Brunnbauer (vorne mittig): (v.l.) Samuel Vogl, Luisa Lochner, Tim Wolbergs, Gina Grum und Fabian SteiningerPatrick Itter - Foto: Patrick Itter

Menschen zusammenzubringen steht im Vordergrund

In erster Linie geht es beim Running Club darum, Menschen kennenzulernen. „Ich glaube aber, dass es vielen neuen Aufschwung gegeben und sie auf ein neues Level gebracht hat. Es gibt auch einige, die jetzt wieder für Wettkämpfe trainieren, weil es in der Gruppe einfach so viel Spaß macht“, sagt Brunnbauer.

Im Gegensatz zu Sport-Vereinen geht es beim Running Club aber nicht um Leistung oder Verpflichtungen. „Du kannst einfach spontan entscheiden, wann du zu welchem Lauf kommst. Und wenn's dir Spaß macht, fällt dir gar nicht auf, dass du auf einmal jede Woche viermal Laufen gehst“, erzählt Vogl aus eigener Erfahrung.

Motiviert und voller Energie: (v.l.) Samuel Vogl, Johannes Brunnbauer und Tim Wolbergs am Bismarckplatz, dem Treffpunkt für die Läufe des Running Club - Foto: Antonia Herzinger
Man kann komplett anonym bleiben und ist total unabhängig, was vielen heutzutage ja sehr wichtig ist. Man kann aber eben auch wirklich gute Freunde finden.“

Johannes Brunnbauer, Gründer des Running Club Regensburg

Der Club ist kein Verein, es gibt keine Mitglieder, geschweige denn Beiträge. Wer will, kann zu jedem Lauf kommen, ohne dass jemand jemals seinen Namen erfährt. „Man kann komplett anonym bleiben und ist total unabhängig, was vielen heutzutage ja sehr wichtig ist“, sagt Brunnbauer. „Man kann aber eben auch wirklich gute Freunde finden.“

Stolz ist die Gruppe darauf, dass ihr Treff keine „Bubble“ ist, sondern sowohl junge als auch ältere, Studierende und arbeitende Regensburger hier zusammenkommen. „Der älteste Läufer, von dem ich weiß, ist 65 Jahre alt“, sagt Brunnbauer. Sogar Kleinkinder wurden schon im Wagen von ihren Eltern mitgeschoben und waren so Teil der Gruppe.

Club kooperiert mit lokalen Geschäften und großen Marken

Obwohl es keine Verpflichtungen gibt, bietet der Running Club einige Vorteile für Teilnehmende. Nach manchen Läufen wird im Café eingekehrt, wo es Prozente und einen Espresso für einen Euro gibt. In einem Regensburger Sportgeschäft können die Läufer Rabatt auf Sportkleidung bekommen und das hochwertige Club-Shirt mit Aufdruck gibt es zum Einkaufspreis. „Wir hatten auch schon Aktionen mit großen Sportmarken und den bekannten Profiläufern Simon Boch und Philipp Pflieger.“

Geld verdienen die Organisatoren mit ihrem Projekt übrigens nicht. „Wenn dann zahlen wir ab und zu drauf, aber das ist es uns wert“, sagt Tim Wolbergs.

„Women Only Run“ wird extra für Frauen angeboten

Neben dem „Social Run“ jeden Dienstag, regelmäßigem Intervalltraining, langen Läufen und Morgenläufen gibt es seit Mai auch den „Women Only Run“. Den haben Gina Grum und Luisa Lochner ins Leben gerufen: „Wir wollten ein sicheres Umfeld für Frauen schaffen und auch einen Lauf mit etwas weniger Tempo anbieten“, erklärt Grum. „Women Empowerment!“ Der erste Lauf sei schon sehr gut angekommen. „Wir werden versuchen, jetzt einmal im Monat einen Termin dafür zu finden“, sagt Lochner.

Nur für Frauen haben Luisa Lochner (l.) und Gina Grum den "Women Only Run" ins Leben gerufen. - Foto: Antonia Herzinger

Vergangenen Mittwoch fand der „Women Only Run“ zum zweiten Mal statt. Unter den Frauen sind einige, die regelmäßig an Running-Club-Veranstaltungen teilnehmen. Doreen Müller (47) läuft seit einigen Wochen mit und hat auch kein Problem mit den schnelleren Läufen. Den Lauf extra für Frauen mit etwas weniger Tempo findet sie aber auch super. Viktoria Schubeck (21) ist mit drei Freundinnen zum ersten Mal dabei: „Wir haben den Club schon lange auf Instagram beobachtet. Dann haben wir den ,Women Only Run' gesehen und gedacht: ,Komm, da machen wir mit!'“ Die vier nehmen sich fest vor, jetzt öfter zu kommen.

Ambitioniertes Ziel: 100 Läufer für den Landkreislauf anmelden

In nächster Zeit steht einiges an. Ein großes Ziel der Organisatoren, ist es, mindestens zehn Teams für den Landkreislauf am 20. September anmelden zu können. Jeder sei herzlich willkommen, mitzumachen. „Wir brauchen 100 Leute“, sagt Vogl. „Dann hätten wir mehr als Siemens beim letzten Mal. Das wäre schon krass“, fügt Brunnbauer an. Bei regelmäßig um die 100 Läufer ist das Ziel vielleicht ambitioniert, aber nicht unmöglich.