ADFC-Umfrage gibt Neumarkts Radwegen schlechte Noten – Das Rathaus wehrt sich

Von Wolfgang Endlein · 18. Juni 2025 um 19:00

Wie alle zwei Jahre hat der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) 2024 die Neumarkter gefragt, wie sie das Radfahren in der Stadt bewerten. Die Ergebnisse des Fahrradklimatests sind für Neumarkt nicht prickelnd. Dabei ist die Grundstimmung bei den Befragten eigentlich positiv.

Die Unterführung, die unter dem Kurt-Romstöck-Ring hindurch die Altstadt mit der anderen Seite verbindet, und deren Umfeld sind aus Sicht von ADFC-Ortschef Olaf Böttcher ein Beispiel für überholte Radwege. Enge Kurven und teils schmale Wege sind an manchen Stellen nur schwer einsehbar. Im Mai kam es zu einem schweren Unfall, bei dem ein Radler und eine E-Scooter-Fahrerin kollidierten und schwer verletzt wurden. Spiegel könnten aus Sicht von Böttcher helfen, seien aber letztlich nur ein Behelf.

Es ist die Krux: Das Straßennetz ist über Jahrzehnte gewachsen. Die Radwege machen keine Ausnahme. Was einst angemessen erschien, ist es heute teils nicht mehr. Vor allem angesichts von mehr Menschen, die Rad fahren. Letzteres lässt sich auch an der Zahl der Radfahrunfälle ablesen, die seit Jahren steigt. 93 waren es laut Polizei 2024. Wie schnell und wie weitgehend die Radverkehrsinfrastruktur infolge dessen angepasst werden muss bzw. kann, darüber gibt es in Neumarkt jedoch seit Jahren unterschiedliche Ansichten.

Stadt Neumarkt wehrt sich gegen Kritik des ADFC

Die Stadt sieht zwar durchaus Bedarf, verweist aber auch auf umgesetzte Projekte wie die Lammsbräu-Kreuzung und das Radverkehrskonzept, das der Stadtrat nach jahrelanger Planung nach der Sommerpause beschließen soll. Oberbürgermeister Markus Ochsenkühn gibt zudem zu bedenken, dass der begrenzte Raum in einer historisch gewachsenen Stadt einerseits und die vielen Ansprüche anmeldenden Gruppen (Radler, Autofahrer, Fußgänger, Lieferanten etc.) andererseits die Planungen nicht leicht machen. Die Stadt müsse die Interessen aller Verkehrsteilnehmer im Blick haben. Indirekt heißt das: Der ADFC blickt zu einseitig auf die Bedürfnisse der Radfahrer.

Den ADFC ficht das nicht an. Für ihn handeln Politik und Verwaltung zu wenig ambitioniert gemessen an der wachsenden Bedeutung von Radfahrern. Seit Jahren fordert der ADFC „mehr komfortable, durchgängige und vor allem sichere Radverbindungen“, wie Grünen-Stadtrat Böttcher sagt. Bahnbrechende Verbesserungen könne er nicht erkennen. Der Klimatest bestätige das.

Radfahrer finden in Neumarkt auch Positives

Von 2014 an bewerteten die Teilnehmer der jeweiligen Umfragen beispielsweise die Fahrradförderung in Neumarkt zunehmend positiver. 2020 gab es gar die Note 3,4. 2022 verschlechterte sich diese jedoch auf 4,1. 2024 gab es die Note 4,7. Vor allem die Breite der Radwege, Ampelschaltungen und Baustellenführung stehen in der Kritik. Für Böttcher ist jedoch die wichtigste Aussage, dass sich mehr der 114 Umfrageteilnehmer weniger sicher fühlen, wenn sie radeln. Die Note 4,5 bzw. 4,6 gab es für das Fahren auf Radwegen bzw. im gemischten Verkehr.

Trotz alledem zeigt die Umfrage auch Positives, worauf die Stadt verweist. Die Erreichbarkeit des Zentrums, das zügige Radfahren und die Wegweisung bekamen jeweils die Note drei. Zudem zeigt der Klimatest eine positive Grundhaltung zum Radeln. Aus Sicht der Teilnehmer fahren viele Menschen aller Generationen in Neumarkt Rad. Böttcher: „Die Leute sind weiter als die Politik.“