Verkehrsbefragung in Neumarkt: Wie Radfahren im Vergleich zum Auto abschneidet

Mit Auto, Bus, Rad oder zu Fuß: Wie bewegen sich die Neumarkter fort? Für Antworten befragte die Stadt rund 5000 Haushalte zu deren Mobilitätsverhalten. Nun stehen die Ergebnisse fest, die allerdings neue Fragen aufwerfen.
Zuletzt hatte es 2002 eine solche Erhebung gegeben, die unter anderem die Anteile der verschiedenen Verkehrsmittel zeigen soll. Außerdem erlegte die Zertifizierung zur Fahrradfreundlichen Kommune (wir berichteten) Neumarkt auf, darzustellen, wie man den Anteil des Radfahrens am Gesamtverkehr erhöhen will. Dazu musste aber zunächst geklärt werden, wie hoch die Anteile der jeweiligen Verkehrsmittel sind. Letzteres wird auch als Modal Split bezeichnet.
Das Ergebnis, das die Verwaltung am Montag im Bausenat vorstellte, moderierte ein schmunzelnder OB Thomas Thumann so an: „Es muss ziemlich viele Radler in Neumarkt geben“.
17 Prozent der Wege legten befragte Neumarkter zu Fuß zurück
Tatsächlich ergab die Befragung, an der von den 5000 eingeladenen Haushalten 997 Menschen teilnahmen, einen Anteil von 32 Prozent für die mit dem Fahrrad zurückgelegten Wege. Ganz oben rangieren weiterhin motorisierte Fahrzeuge (46 Prozent). Zu Fuß gingen die befragten Menschen 17 Prozent der Wege. Der ÖPNV machte fünf Prozent aus.
„Wo das Rad stark ist, fällt der Wert des ÖPNV in der Regel ab“, erklärte Franke den niedrigen Wert des öffentlichen Nahverkehrs. Im Grunde gebe es eine Zweiteilung des Verkehrs in den motorisierten und die anderen Optionen.
Anteil des Radverkehrs stieg in Neumarkt im Vergleich zu 2002 fast um das Doppelte
Tobias Franke vom ausführenden Verkehrsplanungsbüro R+T stufte den Anteil des Radverkehrs in Neumarkt als einen hohen Wert ein, der aber dem generellen deutschlandweiten Trend folge. Auffällig ist der Anstieg im Vergleich zu den Ergebnissen aus 2002. Damals hatte der Anteil noch 16 Prozent betragen.
Allerdings kommentierte Franke die Ergebnisse etwas einschränkend. Die Befragung habe an drei Tagen in 2022 stattgefunden, um Wetter und andere Einflüsse zu kompensieren. Jedoch habe an allen drei Tagen bestes Rad-Wetter geherrscht, die Spritpreise seien hoch gewesen und man müsse die Effekte von Homeoffice mit bedenken.
Corona-Jahre haben den Verkehr verändert
Wie überhaupt die vergangenen Jahre beim Verkehr und bei jenen, die ihn beobachten und planen, einiges verändert haben. Allerdings ist noch nicht richtig ersichtlich, wie haltbar diese Trends und deren Ausprägung sind. Auch das war in Frankes Vortrag herauszuhören.
Das sich etwas geändert hat, zeigte sich auch bei den Ergebnissen, wofür die Menschen Wege zurücklegen. Im Schnitt machten die Personen 3,5 Wege. Der Anteil der Wege zum Arbeitsplatz ist leicht zurückgegangen. Gemeinsam mit Freizeit und Einkaufen dominiert er aber nach wie vor. Trotzdem sei die wachsende Bedeutung von Homeoffice zu erkennen, sagte Franke.
Die Erreichbarkeit von Zielen mit dem Fahrrad stuften die Befragten zu 67 Prozent als gut ein. Beim Auto lag der Wert bei 70 Prozent. Wie Franke erklärte, solle dies nicht als Urteil über die Qualität der Radwege in Neumarkt gesehen werden. Sondern vielmehr als Potenzial für den Fahrradverkehr in Neumarkt.
Wie geht es weiter mit Zahlen zum Modal Split in Neumarkt?
Was mit den Zahlen anfangen? Diese Frage stellte sich unter anderem Grünen-Stadtrat und Verkehrsreferent Olaf Böttcher. Der sichtbare Eindruck auf den Straßen sei ein anderer. Was darauf zurückzuführen sei, dass nur Neumarkter Haushalte befragt wurden, wie Franke erklärte. Im Straßenbild seien aber auch Verkehrsteilnehmer aus umliegenden Orten unterwegs, und das vor allem mit dem Auto.
Wie die Stadt mit dem Ergebnissen weiter umgeht, blieb vorerst offen. OB Thumann will das Thema in den Verkehrsausschuss geben und dort eingehender beraten. Für Böttcher steht einstweilen fest: „Es muss noch mehr in die Infrastruktur für den Radverkehr investiert werden“.
Hernach stellte sich im Gremium manchem die Frage, was man nun mit den Zahlen anstellen solle und welche Belastbarkeit diese haben. Eine Antwort blieb vorerst aus. OB Thumann erklärte auf Nachfrage von Grünen-Stadtrat und Verkehrsreferent Olaf Böttcher, dass das Thema im Verkehrsausschuss des Stadtrats eingehender beraten werden soll. Am Tag danach war der Experte in der Stadtverwaltung erkrankt