Da geht er hin, der Stadtbaumeister Pamler – aus seinem Cham direkt in die Rente

Von Johannes Schiedermeier · 19. Juni 2025 um 19:00

Ist der Stadtbaumeister Pamler da? – Diese Frage war 32 Jahre lang durchaus berechtigt. Pflegte doch der bauliche Vordenker der Stadt in einem dschungelähnlichen Ambiente zu residieren, in dem er an seinem Schreibtisch oft erst auf den zweiten Blick zu entdecken war. Nun hat sich diese Frage erübrigt: Da geht er hin, der Stadtbaumeister – in den Ruhestand.

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Wenn man einen wie Franz Pamler in einem Wort beschreiben müsste? – Gewöhnungsbedürftig. – Das trifft’s wohl. Er hat jahrelang Krieg gegen Dachgauben geführt, die er als „Fresswarzen“ im Bauausschuss vehement ablehnte. „Geldverbrennung ohne Raumgewinn“, sagt er noch heute.

Das Schießschartenhaus

Er hat sich in Chammünster am Goldberglweg sein erstes Eigenheim gebaut, das als „Schießschartenhaus“ in die Baugeschichte eingegangen ist. Begründung: „Ich wollte den Chamern einmal zeigen, was man innerhalb der Bauvorschriften alles machen kann.“ Das Urteil eines altgedienten Bauausschuss-Stadtrats zum Neubau: „Schee is des net, aber b’sonders!“

Ja, besonders war es oft, was Franz Pamler so alles auf die Tagesordnung brachte. Immerhin war der Schwandorfer einst aus Erlangen als jüngster Stadtbaumeister Bayerns gekommen, um in Cham seinen Dienst anzutreten. Dabei hat er Dinge geschaffen, die die Chamer noch lange beschäftigen werden: Er ist beispielsweise der Schöpfer der 90-Grad-Kurven auf dem Steinmarkt. „Das betont den Platzcharakter“, argumentierte er.

So bleibt man unvergessen

So bleibt man auch unvergessen. Denn diese Kurven werden Generationen von Chamern weiterhin nicht kriegen. Und bis heute haben dort auch viele die Park-Idee nicht verstanden, obwohl sie mit der wohl weltweit aufwendigsten Beschilderung versehen worden ist. Das liegt aber wohl daran, dass es den Chamern beim Einkaufen immer so pressiert und sie deswegen keine Zeit haben, riesige Schilder durchzulesen. Letztlich ging das auch etwas an der ursprünglich wegweisenden Idee vorbei: Parken ausschließlich durch die Verlegungsart der Granitsteine kenntlich zu machen. Farben verboten! Und doch ist der Steinmarkt der belebteste Platz in Cham. Irgendwas hat er wohl doch richtig gemacht, der Stadtbaumeister.

Und da sitzt er nun, der Franz Pamler, in seinem Wohnzimmer auf dem Chamer Marktplatz auf einem Energiestein, und überlegt, warum er eigentlich nach Roding umgezogen ist, wo doch der Täter angeblich immer an den Ort der Tat zurückkehrt. Nein – das hat einen anderen Grund, erzählt er. Es gab tatsächlich in Cham und Umgebung kein altes Haus, das ihn gereizt hätte, daraus etwas zu machen. In Roding ist er fündig geworden. Dafür hat er dort nun 2000 Quadratmeter Garten, für die seine Frau auf dem Chamer Pflanzerlmarkt unermüdlich einkauft. So hat der Stadtbaumeister derzeit eine recht innige Beziehung zu seinem Spaten entwickelt.

„Kümmere Dich nicht um jeden Kanaldeckel“

In den 32 Jahren hat der Stadtbaumeister viel mitgemacht und angeschoben. Begonnen hat alles im Haus des Stadtrates Helmut Wittmann in Chammünster. Dort habe ich das erste Bild von Franz Pamler gemacht, der direkt von seinem Arbeitsplatz Erlangen als jüngster Stadtbaumeister Bayerns nach Cham gekommen war.

Der Wittmann Helmut – ein Minstacher durch und durch – hat dem jungen Pamler dann gleich mal das Wichtigste an Cham gezeigt: Chammünster. „Hernach kannte ich jedes Schlagloch dort“, erinnert sich der scheidende Stadtbaumeister noch 32 Jahre danach. Allerdings erinnert er sich auch an einen wirklich wichtigen Hinweis des erfahrenen Stadtrats Wittmann: „Kümmere Dich nicht um jeden Kanaldeckel, sondern schau, dass in Cham was vorwärtsgeht.“

Manchmal in die falsche Richtung

Die Stadtentwicklung war Pamlers Herzensanliegen. Das war so einfach nicht. Denn es gab zum Beispiel in den Anfangsjahren Baugebiete, aber kaum Bauplätze, die der Stadt gehörten. Und die Privaten saßen eisenhart auf ihrem Grund, um zu warten, bis die Kinder alt genug sein würden. Das hat sich inzwischen grundlegend geändert.

Manchmal entwickelte sich die Stadt auch einfach in die falsche Richtung. In Janahof zum Beispiel, wo explosionsartig ein Gewerbegebiet in die Höhe schoss. „Da wurde Vieles falsch ausgelegt. Da durfte anfangs gemacht werden, was jedem einfiel.“ Heute hat die Stadt die Sortimente dort zum Schutz der Innenstadt beschränkt.

Die besonderen Momente

Es gab auch diese besonderen Momente im Leben eigenes Stadtbaumeisters... Zum Beispiel als Pamler eines Tages mit einem Entwurf der Oper von Sidney im Rücken bei der Bürgerversammlung im Langhaussaal mutterseelenallein auf der Bühne stand. Die hatte die Bürgermeisterin Karin Bucher kurz zuvor wutentbrannt verlassen, weil der Gegenwind der Bürger gegen eine neue Stadthalle über dem Regenfluss auf der Stadellohe so heftig war.

„Ich wusste tatsächlich in dem Moment nicht, wie mir geschieht“, bekennt Pamler rückblickend. Angesichts der bürgerlichen Verärgerung über den Bauversuch im Hochwassergebiet waren ihm nämlich schlagartig auch einige Stadträte abhanden gekommen, die er auf seiner Seite gewähnt hatte... und die Bürgermeisterin.

Die Sache mit der Stadthalle

Die Stadthalle ist bis heute ein Punkt, der Pamler umtreibt. „Ich bin mir sicher, dass der aktuelle Standort der schlechtere ist!“ Pamler hätte gerne über den Regen auf Stelzen gebaut. Dort, auf der Stadellohe. Oder mitten in der Stadt auf dem Grüneißl-Areal beim Floßhafen. Der Stadtbaumeister glaubt heute noch, dass es nicht so richtig gut für ihn gelaufen ist. „Anfangs waren bei der Umfrage alle Standorte gleich gewertet. Dann wurden die beiden Standorte – vorne an der Further Straße und hinten bei der alten Stadthalle – zusammengezählt.“ So seien die beiden anderen Varianten untergegangen, obwohl das auch von Beteiligten des Architekten-Wettbewerbs bedauert worden sei.

Stadtbaumeister kann jeder. Jedenfalls jeder, der schon einmal selber gebaut hat. Auch diese Erfahrung musste Pamler machten. Oft traf er auf beratungsresistente Bauherrn: „Wenn ich kam, da hatten die oft schon feste Vorstellungen. Aus dem Baugebiet, aus dem Urlaub... Und die Planer haben das dann 1:1 umgesetzt. Das war oft harte Überzeugungsarbeit und ganz oft sinnlos.“ Heute freut er sich über die Sanierungsgebiete in der Stadt. „Das ist eine echte Chance. Insbesondere für den Erhalt alter Bausubstanz“,sagt er.

Zu viel Asphalt am Auge?

Dann war da noch das Verkehrskonzept. Das hat ihn über Jahre umgetrieben. Die Idee vom „Auge“ als Verkehrslösung an der Fleischtorbrücke stammt von ihm. Allerdings glaubt er, dass die Entscheidung für die Zuführung auf der Stadellohe später bereut werden könnte. „Die Stadellohe ist städtebaulich viel zu wichtig, um sie in dieser Form zu asphaltieren“, sagt er.

Im Rahmen des Konzeptes habe man sich dann wieder viel intensiver mit dem Einzelhandel der Innenstadt beschäftigt und wieder einen Draht zueinander gefunden, erinnert sich Pamler.

„Das passiert halt...“

Es gab aber auch Zeiten, da fühlte sich der Stadtbaumeister auch mal auf dem Abstellgleis. Auf der einen Seite wollte er seine Zeit nicht mit Großprojekten wie Stadthalle und Seniorenheim verbringen. Andererseits war er dann plötzlich mit Radlständern und einer Sanierung der Friedhofsmauern beschäftigt. „Das passiert halt, wenn die Ressourcen im Rathaus voll ausgeschöpft werden“, sagt Pamler und zuckt die Schultern. „Da gibt es halt dann nicht nur Stadtentwicklung...“

Ich gehe jetzt gerne in Rente. Manchmal wache ich nachts noch auf und überlege dann, was noch alles ansteht. Das wird mir nicht fehlen. Ich hoffe, das vergeht bald

Franz Pamler, Stadtbaumeister a. D.

Jetzt ist er froh, dass er nach ein paar Tagen Urlaub zum 1. Juli in Rente geht. „Manchmal wache ich noch nachts auf und überlege, was alles ansteht. Das wird mir nicht fehlen. Ich hoffe, das vergeht bald“, verrät er.

Und dann endet das Interview auf der Bank am Marktplatz nach Pamler-Art – ungewöhnlich: „Ich muss weg. Mein Parkticket läuft ab!“

Glosse: „Blau hat er gesagt – ohne rot zu werden!

Blau hat er gesagt! Blau! Ohne dabei rot zu werden. Blau! Ich hatte ihn damals gefragt, welche Farben die Stelzen der neuen Stadthalle haben würden. Kurz, bevor ich es geschrieben habe, kamen mir Bedenken. Zum Glück. Der Stadtbaumeister Franz Pamler hätte sich diebisch gefreut, seinen Fake in der Zeitung zu lesen.

Der Mann war zu jeder Zeit für Überraschungen gut. Er hat dem Stadtrat 20.000 Mark (!) – so lange kennen wir uns schon – aus den Rippen geleiert, um die Spitalkirche vom Grundwasser zu befreien. Begründung: Der Kasten im Deckengewölbe werde das „H“ vom „2O“ nach unten in den Boden zurückdrücken. Der Kasten hängt da. Und was soll ich sagen: Gehen Sie selber zur Spitalkirche und sehen sie nach, ob Sie Wasser in den Wänden finden.

Dann hat er mit einem Spezialisten festgestellt, dass durch die Neigung des Marktplatzes die Energie bergab, und damit fast ausnahmslos in den Frey fließt. Daraufhin hat er Ebenen geschaffen und Loungemöbel aufgestellt und riesige Steine neben den Brunnen gelegt, die gute Energie zu speichern, weil der Brunnen ganz viel negative Energie in seinen Figuren hat, Hexe, Marschall, Bilmesschneider...

Gut, oben gibt es trotzdem keine Geschäfte mehr, und der Frey hat zum Glück immer noch viel Energie. Aber irgendwie ist es gut geworden.

Und dann hat er den kleinen Kreisverkehr in der Badstraße gemacht. Den einzigen mit einem roten Punkt in der Mitte. Funktioniert nie, haben alle gesagt. Gut, ohne den weißen Streifen rundum wäre er illegal gewesen, aber man kann rundum fahren. Hab ich selbst getestet.

Kurz und gut: Dieser Stadtbaumeister Franz Pamler hat viel Farbe in die Stadt gebracht, ungewöhnliche Ideen und eine schöne Weihnachtsbeleuchtung. Und er war immer für eine Überraschung gut. Als Chefreporter kann ich seinen Abgang in die Rente nur bedauern.