Im Klassenzimmer und im Hörsaal: 36 Frühstudenten sind an der Uni Regensburg eingeschrieben

Von Martina Groh-Schad · 17. Juni 2025 um 09:00

Wenn Leonie Weiß im nächsten Jahr ihr Abitur in der Tasche hat, dann wird es nicht lange dauern und sie kann auch schon den ersten Universitätsabschluss vorlegen: ihren Bachelor im Fach Physik. Aktuell studiert sie neben der Schule und tauscht zweieinhalb Tage pro Woche die Schulbank im Mariengymnasium mit Hörsälen ein. An der Universität fühlt sie sich pudelwohl. „Für mich ist studieren spannend“, sagt sie.

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Leonie Weiß ist eine von aktuell 36 Frühstudenten, die sich auf verschiedene Fachbereiche verteilen. Möglich sind alle Fächer bis auf Humanmedizin und Psychologie. Insgesamt haben seit Einführung des Frühstudiums im Wintersemester 2007/2008 schon 515 Jugendliche das Angebot genutzt. „Das Interesse stieg in den vergangenen Jahren stetig an“, sagt die Geschäftsführerin für das Projekt, Dr. Catharina Würth. Es sind etwa zur Hälfte Mädchen und Jungen, die sich vor dem Abitur schon an der Universität orientieren und Fachbereiche ausprobieren.

Schulnoten wurden besser

Um im Unterricht am Ball zu bleiben, hat sich Leonie gut eingerichtet und lässt sich von ihren Schulkameraden digital mit Unterlagen versorgen. Einige Lehrer stellen ihr auch eine Mitschrift zur Verfügung. „Insgesamt sind meine Schulnoten sogar besser geworden“, sagt sie. Sie führt das darauf zurück, dass der Stoff an der Uni viel umfangreicher ist und sie sich daher mit dem begrenzten Schulstoff noch leichter tut als früher. In der Regel starten die Frühstudenten ab der zehnten oder elften Klasse, in Ausnahmefällen auch noch früher. An der Universität erhalten sie statt einer Immatrikulation einen Sonderstatus. Die Idee des Frühstudiums beruht darauf, dass die Hochschulen ein Angebot für leistungsstarke Schüler schaffen wollten.

„Es sind nicht immer die Schüler mit sehr guten Noten“, erklärt Würth, und Prof. Nikolaus Korber, Vizepräsident der Uni, ergänzt: „Es gibt Schüler, die fahren im Unterricht mit angezogener Handbremse.“ Nicht selten seien leistungsstarke Schüler sogar Schulversager, weil sie nicht richtig betreut werden. Diese Schüler zu identifizieren und ihnen die Möglichkeit zu verschaffen, im Frühstudium erste Erfahrungen an der Universität zu sammeln, ist gemeinsame Aufgabe von Schule und Universität.

Im Fall von George Löhnig, der 2020 sein Frühstudium in Latein aufgenommen hat, war es die Lehrerin, die ihn auf die Möglichkeit hinwies. Für ihn hat sich schnell gezeigt, dass es eine gute Ergänzung zur Schule ist. Inzwischen hat er sein Abitur gemacht und ist seit mehr als einem halben Jahr regulär als Student für die Fächer Latein und Altgriechisch eingeschrieben. „In Latein bin ich durch das Frühstudium nun schon viel weiter“, sagt er. Er will die gewonnene Zeit nutzen, um Zusatzfächer zu studieren. Generell sollen so auch Freiräume für Auslandsaufenthalte geschaffen werden.

Vom Unterricht befreit

Linh Baldauf vom Albrecht-Altdorfer-Gymnasium ist Frühstudent im Fachbereich Rechtswissenschaft. „Ich habe über Jura vorher nur Horror-Geschichten gehört“, sagt er. Trotzdem war er interessiert und hat deshalb das Frühstudium aufgenommen. Aktuell macht er Abitur und nimmt daher nur an drei Veranstaltungen am Nachmittag an der Universität teil.

Für Veranstaltungen am Vormittag werden Frühstudenten vom Unterricht befreit. Linh Baldauf konnte bereits zwei Scheine machen, die er sich später im regulären Studium anrechnen lassen kann. „Ich bin nun sicher, dass Jura für mich das richtige Fach ist“, sagt er. Kontakt zu seinen Mitstudenten hat er allerdings wenig. „Ich komme und gehe für die Lehrveranstaltungen.“ Ganz anders verhält es ich bei Leonie Weiß. „Ich verbringe viel Zeit im Austausch mit meinen Mitstudenten und habe an der Universität Freunde gefunden.“