So läuft der Schienenersatzverkehr zwischen Regensburg und Schwandorf

Von Antonia Herzinger · 16. Juni 2025 um 15:07

Bis Mitte August ist die Zugstrecke zwischen Regensburg und Schwandorf wegen Sanierungsarbeiten gesperrt. Viele Pendler nutzen die Verbindung täglich und müssen seit Sonntag auf den Schienenersatzverkehr ausweichen. Die Busse brauchen 15 bis 42 Minuten länger als die Züge, je nachdem, ob man eine Direktverbindung wählt oder einen Bus, der in Regenstauf und Maxhütte-Haidhof hält. Für viele heißt das: noch früher aufstehen und noch später heimkommen.

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Die Fahrgäste sind bunt gemischt. Die meisten sind alleine unterwegs, einige tragen Arbeitskleidung, andere sind im Anzug auf dem Weg ins Büro. Auch Familien mit kleinen Kindern und Rentner nutzen den SEV. Viele fragen beim Einsteigen vorsichtshalber nochmal nach: „Fährt der nach Schwandorf?“ Besonders gestresst wirkt am Montagmorgen keiner der Mitfahrenden.

Tarandeep Kaur (28) steigt um 7.45 Uhr in Regensburg ein. Sie lebt in Neutraubling und studiert im Master Digital Production am Campus der Hochschule Deggendorf in Cham. Im Januar ist sie aus Indien hierher gezogen, weil sie einen Master im Ausland machen wollte und den Studiengang in Cham spannend fand. „Es war schwierig, in Cham eine Wohnung und einen Nebenjob zu finden, also bin ich nach Regensburg beziehungsweise Neutraubling gezogen.“

45 Minuten früher aufstehen, 45 Minuten später heimkommen

Normalerweise verlässt Kaur das Haus bis spätestens 7.45 Uhr, nimmt den Bus zum Hauptbahnhof und steigt dort um 8.17 Uhr in den Alex-Zug ein. Dann kommt sie um 9.24 Uhr in Cham und etwa 15 Minuten später am Campus an. Heute ist die Studentin 45 Minuten früher aufgestanden, um den SEV-Bus um 7.50 Uhr zu erwischen.

Von der Streckensperrung hatte sie über eine Whats-App-Gruppe mit Kommilitonen erfahren. „Ich schaue aber auch immer in die App der Deutschen Bahn, bevor ich fahre.“ Dort habe sie dann ohne Probleme den Plan für den Schienenersatzverkehr gefunden.

Kein Chaos am Bahnhof

Auch wer sich im Voraus nicht genauer informiert oder gar nichts von der Sperrung mitbekommen hat, ist vor Ort nicht aufgeschmissen: Die digitale Anzeigentafel am Gleis weist auf die Sperrung hin. Die gekennzeichneten SEV-Busse fahren direkt vor dem Haupteingang des Bahnhofs ab. Dort hängen die Fahrpläne und Mitarbeiter in knallorangenen Warnwesten helfen den Fahrgästen.

Dieses Logo der Deutschen Bahn steht seit 2023 für den Schienenersatzverkehr. - Foto: Antonia Herzinger

Etwas genervt ist Tarandeep Kaur von der längeren Fahrt schon. „Aber die Bahn macht auch nur ihre Arbeit. Die Strecke muss eben erneuert werden.“ Schwierig werde es für sie im Juli, weil sie dann viele Prüfungen haben wird. „Das ist es schon anstrengend, früher aufzustehen und später heimzukommen. Voraussichtlich erst um 20 Uhr.“ Im Bus zu lernen, falle ihr schwer, weil ihr dabei schnell übel wird. „Aber es muss eben sein. Solange alles funktioniert, ist das schon in Ordnung.“

Busfahrer zieht positive Zwischenbilanz

Tatsächlich kommt der SEV-Bus sieben Minuten früher in Schwandorf an als geplant. Auf der Autobahn war kaum Verkehr. Ein Busfahrer zieht eine positiv Bilanz. „Im Schnitt sind die Züge zu drei Vierteln voll.“ Eine Fahrt sei er schon mit nur sieben Gästen gefahren, bei anderen sei er voll gewesen und habe die Menschen an den Kollegen verwiesen, der wenige Minuten später losgefahren ist.

Die meisten Fahrten kommen eher überpünktlich. Aber besser so als anders.

ein Busfahrer des Schienenersatzverkehrs zwischen Regensburg und Schwandorf

„Die meisten Fahrten kommen eher überpünktlich. Aber besser so als anders“, sagt der Busfahrer. Den Autobahnverkehr könne man schlechter einschätzen als den auf der Schiene, also sei ein Puffer von ein paar Minuten schon sinnvoll.

Über Umwege von Weiden nah München

Als Veronika Beierl (21) in Schwandorf in den SEV-Bus einsteigt, traut sie der ganzen Sache noch nicht so ganz. „Wissen Sie, ob wir pünktlich in Regensburg ankommen“, fragt sie den Fahrer. „Ich weiß, dass wir gleich pünktlich losfahren. Alles andere kann ich nicht garantieren“, antwortet der ehrlich, aber freundlich. Beierl kommt aus der Nähe von Weiden und studiert in Rosenheim. Nach einem Wochenendbesuch bei ihren Eltern fährt sie heute wieder in ihre Studienstadt, wie sie es etwa alle zwei Wochen macht.

„Die erste Vorlesung wäre eigentlich um 11.45 Uhr gewesen. Aber dafür hätte ich heute schon vor 6 Uhr aus dem Haus müssen. Also lasse ich die Vorlesung ausfallen und gehe erst in die nächste.“ Weil die Fahrt direkt aus Weiden mit dem außerplanmäßigen Umstieg in Schwandorf deutlich länger dauert und Beierl unsicher war, ob sie den Anschluss bekommt, haben ihre Eltern sie heute mit dem Auto bis nach Schwandorf gefahren. „Da hatte ich natürlich Glück.“ Normalerweise dauert ihre Zugfahrt immer in etwa dreieinhalb Stunden. Dank ihrer Eltern braucht sie heute voraussichtlich nur etwa 30 Minuten länger. „Natürlich nervt es, aber die Infrastruktur muss eben erneuert werden.“

Beierl schaut zwischendurch immer wieder aufs Handy. Laut Plan hat sie in Regensburg zehn Minuten Zeit, um umzusteigen. „Eigentlich genug, aber man weiß ja nie, wie viel in Regensburg los ist.“ Aber sie hat Glück: Der Bus kommt wieder sieben Minuten früher am Bahnhof an und am Gleis wartet schon der Alex-Zug Richtung München auf sie.

Deutlich länger dauern die Verbindungen mit Zwischenstopps

Mit längeren Verzögerungen müssen Fahrgäste rechnen, die nicht direkt zwischen Schwandorf und Regensburg pendeln, sondern normalerweise in Regenstauf oder Maxhütte-Haidhof zu- oder aussteigen. Die SEV-Busse, die diese beiden Stopps anfahren, brauchen insgesamt 70 Minuten für die Strecke, die mit dem Zug nur 28 Minuten dauert.

Der SEV ist also zwar etwas langsamer als die Zugverbindung, aber bisher läuft alles nach Plan. Eine Sprecherin der Deutschen Bahn zeigt sich zufrieden: „Der Ersatzverkehr ist gut angelaufen.“ Die Abläufe müssten sich immer erst einspielen und die Planer seien dankbar für die Rückmeldung von Busfahrern vor Ort. „Bei Bedarf prüfen wir, inwieweit wir nachsteuern können.“

Infos auf einen Blick

• Die SEV-Busse fahren in Regensburg vom Bahnhofsvorplatz, in Schwandorf vom Busbahnhof ab. Stündlich werden vier Verbindungen angeboten.

• Zu den Hauptverkehrszeiten fahren pro Verbindung mehrere Busse. Das Angebot richtet sich nach der durchschnittlichen Anzahl an Fahrgästen auf der Strecke. Laut der Bayerischen Eisenbahngesellschaft wird die Strecke Regensburg – Schwandorf werktags von rund 8500 Fahrgästen genutzt.

• Es gibt Direktverbindungen sowie Busse, die in Regenstauf und Maxhütte-Haidhof halten. Die Direktverbindung dauert in etwa 45 Minuten. Die Verbindung mit Zwischenstopps dauert in etwa 70 Minuten.

• Da die Direktbusse die Autobahn befahren, dürfen nur so viele Personen mitgenommen werden, wie Sitzplätze frei sind. Fahrgäste dürfen nicht stehen und müssen sich anschnallen.