Boderei in Abensberg schließt für immer – Eine Familientradition endet

Von Lucia Pirkl · 16. Juni 2025 um 19:00

Nach einem Jahrhundert macht die Boderei im Abensberger Stadtteil Sandharlanden (Landkreis Kelheim) zu. Damit endet eine Familientradition. Die Antwort auf das „Warum“ ist vielschichtig.

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100 Jahre lang war im Haus Nummer 20 in der Harlandner Straße in Sandharlanden ein Dorfladen. Vor sieben Jahren eröffnete Luisa Brummer ihre Boderei und führte so das Geschäft, das ursprünglich der Uropa gegründet hatte, in eine neue Zeit- mit vielen regional hergestellten Produkten, mit Bio- und Unverpackt-Waren, die man für den täglichen Bedarf braucht (wir berichteten). Doch nun werden sich die Türen für immer schließen. Am 1. August stehen Gründerin Brummer, ihre Mutter Bärbel und ihre Tante Rita Danner das letzte Mal hinter der Ladentheke.

Vor allem Stammkunden hätten die Nachricht mit Bestürzung aufgenommen, erzählt die junge Frau sichtlich emotional. Schließlich war das hier „ihr“ Baby. „Es war eine Vision, ein Experiment“. Jedes Teil, das im Laden steht, habe sie selbst in den Händen gehabt, den Laden mit vielen recycelten Stücken liebevoll eingerichtet.

Die Waage bleibt

Nun muss alles weichen. Brummer will den Laden komplett leer räumen. „Wenn der eine oder andere etwas von der Ladeneinrichtung kaufen möchte, dann wäre das sehr schön.“ Einzig die Waage, mit der die Oma schon die Waren abgewogen hat und die bis heute als Obst- und Gemüsewaage dient, will sie behalten. Deren Wert liegt freilich nicht im Material an sich: „Ich hänge nicht an den Dingen, aber an den Erinnerungen, die ich damit verbinde. Wenn ich die Waage anschaue, sehe ich meine Oma vor meinen Augen.“

Uropa Josef Brunner (re.) hatte den Laden einst gegründet. - Foto: Brunner

Warum sie den Laden schließt, das habe viele Gründe, Brummer nennt zwei. Zum Einen wird ihre Tante, die sie in all den Jahren im Laden unterstützt hatte, in Rente gehen. Zum anderen - und das ist das Los vieler kleiner Läden auf dem Land- wurde es wirtschaftlich zunehmend schwieriger. „Man merkt, dass sich das Konsumverhalten verändert hat“, sagt sie, ganz ohne Groll und ohne den Menschen einen Vorwurf machen zu wollen. „So viele wünschen sich einen Dorfladen. Aber als Dorfladen braucht man auch Wocheneinkäufe, um überleben zu können, von zwei Semmeln schafft man das nicht.“ Sie habe tolle Kunden, auch viele Stammkunden sind darunter, aber es muss sich eben auch wirtschaftlich tragen.

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Und trotzdem sei das nur ein Tropfen gewesen, der schließlich zur Entscheidung führte, den Laden aufzugeben. „Wir haben uns zusammengehockt, meine Mama, meine Tante und ich und beschlossen, so können wir nicht weitermachen.“ Das alles sei schon deshalb auch schade, weil man sehr gerne zusammen gearbeitet habe, „das war ein Fluss mit uns Dreien, das war einfach schee“. Auch, dass sie so manchen Stammkunden, der von weiter her kommt, nicht mehr sehen wird, schmerzt sie. „Wir haben Gespräche geführt, die teilweise sehr tief gingen.“

In den Abschied, so schmerzlich er auch sein mag, mischen sich aber auch versöhnliche Gedanken. „Ich bin dankbar für die Menschen, die sich auf das Experiment eingelassen haben.“ Zudem stünden ihr in ihrem Alter, sie ist 30, ja noch alle Türen offen, so die gelernte Gestalterin für visuelles Marketing.

Die junge Luisa vor dem Laden mit der Oma - Foto: Barbara Brummer

Das größte Geschenk

„Die Erinnerungen an den Laden und all das, was ich hier gelernt habe, die Erfahrung,, das war das größte Geschenk.“

Was sie danach vor hat, das will und kann Brummer im Moment noch nicht sagen. „Ich fokussiere mich jetzt erst mal auf die Auflösung des Ladens.“ Es reife derzeit noch in ihr, was danach kommt. Aber die junge Frau bleibt positiv, denn ein Ende ist zugleich auch immer der Anfang von etwas Neuem.

Laden vom Uropa

Historie: Der Uropa von Luisa Brummer hatte das Geschäft 1925 gegründet. Ihre Oma führte das Geschäft mit 13 Jahren bis sie 83 war, weiter. „Vor drei Jahren ist sie gestorben, aber sie hat das noch miterlebt, dass ich mit der Boderei das Geschäft weiter geführt habe“, erzählt Luisa Brummer. Brummer selbst verbrachte auch schon als Kind viel Zeit im Kramerladen der Oma.

Abverkauf: Ab Juli werden die Waren im Geschäft abverkauft. Die Brummers würden sich wünschen, dass die Kunden sie dabei unterstützen und fleißig einkaufen.