Musik, Müll, Mobilität: Sind Regensburgs Stadtfeste Umweltkiller?

Von Heike Haala · 13. Juni 2025 um 18:30

Wenn Hunderttausende feiern, hinterlässt das Spuren – das dürfte jedem klar sein, der schon einmal eine Party geschmissen hat. Deswegen lässt die Stadt das Bürgerfest und das Jazzweekend in diesem Jahr erstmals in Sachen Nachhaltigkeit unter die Lupe nehmen. Damit nehmen diese Feiern unter den Straßenfesten in ganz Deutschland eine Pionierrolle ein – egal, wie das Ergebnis ausfällt.

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Welche Aspekte Probleme beim ökologischen Fußabdruck von Freiluftfeten wie dem Bürgerfest oder dem Jazzweekend machen können, erklärt Jacob Bilabel von der Green Culture Anlaufstelle in Berlin. Diese Organisation unterstützt die Stadt bei ihrer Untersuchung, betreut laut Bilabel aber auch Festivals wie Rock im Park, Wacken oder Deichbrand sowie Großveranstaltungen wie die Fête de la Musique in Berlin. Kommt der Strom für die Musik aus einem Anschluss vor Ort oder müssen Generatoren gebucht werden? Reichen die Toiletten, die es ohnehin schon gibt, oder müssen weitere mobile Klohäuschen aufgestellt werden? Wie bewegen sich die Besucher fort? Gibt es ein einheitliches Pfandsystem oder muss die Müllabfuhr extra ausrücken? Antworten auf Fragen wie diese zahlen laut Bilabel entscheidend auf die Ökobilanz von Bürgerfest & Co ein.

Inzwischen ist SupervisorJohann Basko in Regensburg angekommen, sagt er. Der Mann soll die Daten erheben, mit Hilfe derer ein Bild von der Nachhaltigkeit der Feiern gezeichnet werden kann. Kulturreferent Wolfgang Dersch kündigt für dieses Jahr eine Mobilitätsbefragung des Publikums per App an. Im Zuge einer Auswertung mit den Platzbetreibenden sollen aber auch nachhaltigkeits-relevante Kennzahlen abgefragt werden. Der nächste Schritt ist laut Dersch ein Auswertungs- und Zukunftsworkshop mit Basko und der Green Culture Anlaufstelle. Der ist für Herbst geplant, sagt Bilabel. Erst dann werden die Aspekte feststehen, bei denen Regensburg in die Gänge kommen muss – und auch diejenigen, bei denen die Stadt ohnehin schon vorbildlich handelt. Im März hatte der Kulturausschuss Dersch sein Okay für diese Untersuchung gegeben. Gerade große Veranstaltungen im öffentlichen Raum weisen einen relevanten ökologischen Fußabdruck auf, hatte der damals argumentiert. Deswegen ist die Stadt eine Kooperation mit der Green Culture Anlaufstelle eingegangen. Kostenpunkt: erst einmal 50000 Euro.

Regensburgs Kulturreferent Wolfgang Dersch - Foto: Heike Haala, Archiv

Was aber tut die Stadt bereits, um den ökologischen Fußabdruck des Bürgerfestes zu verringern? Die Weinlände und die Keplerstraße sollen sich am kommenden Wochenende ein weiteres Mal in eine Nachhaltigkeitsmeile verwandeln. Dersch kündigt biozertifizierte Speisen und Anbieter aus der Region sowie Upcycling- und Repair-Angebote an. Zudem sollen die Standbetreiber dort ihr – gänzlich wiederverwendbares – Material nach Möglichkeit via Lastenrad anliefern. Die Versorgung erfolge mit Ökostrom.

Weiterhin soll es erstmals ein einheitliches Pfandsystem geben – für den Bereich Stadtamhof: Dafür sollen zwei Stände der Spitalbrauerei in Stadtamhof und drei Stände der Alten Mälzerei beim Andreasstadel und am Grieser Spitz die Pfandrücknahme untereinander ermöglichen. „Damit ist es nun initial möglich, sein Getränk in Stadtamhof zu erwerben und auf dem Weg zum Grieser Spitz zu konsumieren, da dort eine Abgabe des Pfands möglich ist“, erklärt der Kulturreferent. Bei allen anderen Standbetreibenden sollen Daten erhoben werden. Damit will die Bietergemeinschaft bei einem potentiell erneuten Zuschlag zum Bürgerfest 2027 das Pfandsystem auf alle Standbetreiber in diesem Areal erweitern.

Raimund Schoberer, Vorsitzender der Kreisgruppe Regensburg im Bund Naturschutz - Foto: Heike Haala, Archiv

Raimund Schoberer, Vorsitzender der Kreisgruppe Regensburg im Bund Naturschutz, findet aus ökologischer Sicht kaum Kritikpunkte am Bürgerfest. Er beteiligt sich mit seiner Organsisation selbst an der Nachhaltigkeitsmeile. Für Schoberer punktet die Veranstaltung durch ihren regionalen Charakter. Der Müll werde eingesammelt und das sei auch gut organisiert. Weiterhin werden keine Grünflächen zerstört, wie es zuletzt etwa bei Veranstaltungen im Stadtpark der Fall gewesen sei. Sicher, es werde Belastung durch Lärm geben, aber nicht in der Natur.

Was auch immer die Untersuchung ergeben wird, Bilabel ist schon einmal voll des Lobes für die Entscheidung der Domstadt, ihre Straßenfeste untersuchen zu lassen. „Es ist eine riesige Veranstaltung und eines der größten Stadtfeste, die wir in Deutschland haben“, erklärt er. Wenn mehr als 100000 Leute eine gute Zeit haben, sei es wichtig, dass sie das auch in Zukunft noch machen können. Die Erhebung sei Teil einer strategischen Herangehensweise. „Das ist kein Green Washing“, verspricht er. Das sei ein Leuchtturmprojekt. „Das hat sich noch niemand getraut. So etwas gab es noch nicht“, sagt er. Deswegen könne Regensburg nun auch zum Vorbild für andere Städte werden. „Auf diese Ergebnisse werden wir bundesweit hinweisen. Zum Beispiel beim Städtetag“, kündigt Bilabel an.