Bürgerfest in Regensburg: 100 Ordner pro Tag und 30 Sperren gegen Autoattacken sorgen für Sicherheit

Der Countdown für die Freiluftfete mit 22 Spielstätten und 450 Programmpunkten läuft: In knapp vier Wochen lautet das Motto in Regensburg für dreieinhalb Tage „miteinander“. Nach etlichen Anschlägen im vergangenen Jahr, bei denen Autos als Waffe eingesetzt wurden, hat die Stadt das Sicherheitskonzept aktualisiert.
Das Bruckmandl hat die Hand an der Matrosenmütze, weil die Abfahrt zu einer sehr ordentlichen Feier bevorsteht, zur Sicherheit einen Rettungsring unter dem anderen Arm und es sitzt auf einer qietschgelben Gummiente in der Farbe der Sonne, die von 19. bis 22. Juni hoffentlich vom Himmel strahlt: Damit zeigt der Sticker für das 25. Bürgerfest viel von dem, was für das Gelingen des Festes in der Altstadt notwendig ist.
Am Donnerstag stellten Regensburgs Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer (SPD) und Kulturreferent Wolfgang Dersch das Programm vor. Nach etlichen Anschlägen im vergangenen Jahr, bei denen Autos als Waffe eingesetzt wurden, hat die Stadt das Sicherheitskonzept aktualisiert. Wie derzeit schon bei der Maidult sollen auch während des Bürgerfestes neuartige Überfahrsperren zum Einsatz kommen. Es handelt sich dabei um ein klappbares System, bei dem sich ein Riegel im durchbrechenden Fahrzeug verhaken würde. Der Vorteil bei diesen Modulen: Der Bremsweg würde nicht mehr 25 bis 30 Meter wie bei den Betonsperren betragen, sondern lediglich noch sechs bis sieben Meter.
Die Kosten für das Fest
• Haushalt: Zunächst waren 271 900 Euro für die Umsetzung des Bürgerfests veranschlagt, inzwischen plant die Stadt mit 310 000 Euro.
• Sperren: Durch die mobilen Anti-Terror-Sperren entstand laut einer Vorlage für den Kulturausschuss aus dem März zusätzlicher Bedarf in Höhe von etwa 15 000 Euro. Die Miete für die Module beträgt laut Kulturamtsleiterin Maria Lang 40 000 Euro. Ob die Stadt die Module kauft, soll 2026 entschieden werden.
• Personal: Steigende Tarifverträge, sinkende Verfügbarkeit von fachkundigem Personal und die Mitarbeiter, die für den Betrieb der Straßensperren zuständig sind, sorgen demnach für Mehrbedarf von 15 000 Euro.
• Gema: Im Vergleich zu 2023 sei hier mit einem Mehrbedarf von 10 000 Euro zu kalkulieren.
Deswegen sollen beim Bürgerfest 30 davon in der Altstadt aufgebaut werden. Beispielsweise beim Museum der Bayerischen Geschichte an der Einfahrt zur Thundorferstraße oder in der Maximilianstraße, sagte Dersch. Auf die Frage, welche Erfahrungen mit dem System bei der Dult gesammelt werden konnten, antwortete Markus Apfelbacher – Dersch hatte das Organisationstalent bei der Pressekonferenz im Spitalgarten als Mr. Bürgerfest vorgestellt –, dass Besucher und Beschicker bisher positives Feedback gaben. „Für die Mitarbeiter hat sich etwas geändert. Statt wie früher eine Absperrung abzuhängen, müssen sie nun einen Schlüssel benutzen“, erklärte Maltz-Schwarzfischer. Alles andere werde die Dultbilanz zeigen. Sie machte deutlich: „Grundsätzlich ist klar, dass ein Fest auf vielen Straßen und Plätzen nie zu einer 100-prozentig sicheren Zone gemacht werden kann.“ Für Sicherheit sorgen weiterhin etwa 100 Securitykräfte am Tag, abgesprochene Durchsagen für Bedrohungslagen wie Gewitter oder Orkan sowie festgelegte Rettungswege.

Die Oberbürgermeisterin versprach den Besuchern eines der größten Straßen- und Kulturfeste Bayerns unter dem Motto „miteinander“. Die Plätze, Höfe und Gassen in der Stadt werden in den dreieinhalb Tagen voller Kultur und Kulinarik sein. Starten soll die Party am 19. Juni auf der Jahninsel mit einem bayerisch-schottischen Abend, um 70 Jahre Städtepartnerschaft mit Aberdeen zu feiern. Diese WarmingUp-Party feierte beim vergangenen Bürgerfest Premiere und ist eine Idee des Kulturreferenten. Im Unterschied zu seinem Vorgänger spart der sich dafür das Schönwetterbitten, eine Fußwallfahrt nach Mariaort. Auf die Frage der Bürgermeisterin, wie er dann für gutes Wetter sorgen wolle, antwortete Dersch: „Ich habe meine eigenen Rituale.“ Auch bei der offiziellen Eröffnung am 20. Juni um 18 Uhr am Domplatz werden viele Besucher darauf achten, ob die funktionieren.
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Dersch sprach von 22 Spielorten, 450 Programmpunkten oder zwölf Platzbetreibern, die das Bürgerfest bespielen. Für alle, die am Montag danach regelmäßig Plastikchips, Marken oder Glasperlen mit erheblichem Pfandwert in ihrem Geldbeutel finden, hat der Kulturreferent eine gute Nachricht: In Stadtamhof wird es in diesem Jahr erstmals ein einheitliches Pfandsystem geben. Weiterhin nannte er die Designpromenade von Dilly Dally in Stadtamhof, das Kinder- und Familienprogramm auf der Jahninsel sowie auf den Spielplätzen im Scheugässchen, am Gutenbergplatz und am Grieser Spitz oder die Nachhaltigkeitsmeile im Bereich der Keplerstraße als Besonderheiten.

Auch erste organisatorische Hinweise gab Dersch bereits: So sollen beim Jahnstadion, an der Donau-Arena und am Dulplatz Park&Ride-Flächen eingerichtet werden. Radfahrer werden Abstellflächen am Schwanenplatz und am Jakobstor finden. Dersch forderte die Besucher zudem dazu auf, die Drahtesel nicht mit auf das Festgelände zu nehmen. Über die Sperrungen für Autos oder von Parkplätzen seien die Anwohner bereits informiert, sagte Maltz-Schwarzfischer. Sie bat die Besucher darum, in Dankbarkeit an den kürzlich verstorbenen Chef der Sozialen Initiativen, Reinhard Kellner, zu denken. „Er hatte immer einen besonderen Blickwinkel auf das Bürgerfest“, sagte sie.