Ein Veteran erzählt: Warum einen das Regensburger Bürgerfest nicht mehr los lässt

Von Rainer Wendl · 25. April 2025 um 11:00

Er hatte die Schnauze voll, jetzt ist er wieder voller Vorfreude: So wie dem Platzbetreiber Viktor von Hugo geht es vielen mit dem Regensburger Bürgerfest. Auch eine Band sorgte für seinen Stimmungsumschwung.

In weniger als zwei Monaten wird das Bürgerfest 2025 schon wieder Geschichte sein. Höchste Zeit also, sich auf diese besonderen drei Tage einzustimmen, die es nur alle zwei Jahre im Juni gibt. Bei Viktor von Hugo hat diese Vorbereitung längst begonnen. Er ist einer der Platzbetreiber, zum zehnten Mal seit 2003 wird er für Programm und Bewirtung auf dem Haidplatz zuständig sein. Das kostet schon im Vorfeld viel Zeit und Nerven – wenn es am Fest-Wochenende selbst dann regnet, kostet es ihn auch noch viel Geld. Trotzdem lässt ihn das Bürgerfest nicht los.

Der Sänger von Sacco & Mancetti war „schuld“

„Eigentlich war ich drauf und dran, dieses Mal nicht mehr mitzumachen“, sagt der 60-Jährige. Im „normalen“ Leben betreibt er die Velo-Station, die Radl-Werkstatt in der ehemaligen Mohren-Apotheke am Alten Kornmarkt. Dort hat er mehr als genug zu tun, wie die scheinbar niemals kleiner werdende Menge an defekten Drahteseln zeigt. Als nebenberuflicher Bürgerfest-Manager versucht sich außer ihm nur noch Gerhard Küffer am Fischmarkt, alle anderen Bereiche werden nicht von Einzelkämpfern, sondern von größeren Teams oder Gastro-Profis bespielt.

Wer ist also „schuld“ daran, dass von Hugo letzten Endes auch dieses Mal nicht „Nein“ sagen konnte? „Jockl Peithner hat mich überredet, das war ausschlaggebend“, lautet die Antwort. Der Kopf der Regensburger Kultband Sacco & Mancetti wollte wie gewohnt am Samstag um 20 Uhr auf der Haidplatz-Bühne spielen und dafür wie gewohnt von Hugo als Ansprechpartner haben. Der Zweiradmechaniker ließ sich breitschlagen: „Also gut, dann machen wir es halt noch einmal.“

Viktor von Hugo, hier vor seiner Velo-Station am Alten Kornmarkt, war seit 2003 nur bei einem Bürgerfest nicht dabei. - Foto: www.florian-hammerich.com

Die Gründe für sein Zögern liegen auf der Hand. „Der Aufwand ist mit den Jahren immer größer geworden. Die Kosten für Logistik, Bühnentechnik und Sicherheit sind immens gestiegen – und damit natürlich auch der Erfolgsdruck für den Platzbetreiber. Insgesamt ist das alles wahnsinnig viel Stress“, erklärt er. Routine helfe da zwar, doch angesichts immer neuer Herausforderungen sei auch ein gehöriges Maß an Mut nötig: „No risk, no fun, muss die Devise sein. Wenn es einfach wäre, würde es ja jeder machen.“

Früher ging man auf Wallfahrt, heute geht es ernst zu

Im Rückblick fällt von Hugo auf, dass es früher tatsächlich einfacher war. Da sei mit einem Händedruck und einem „Des mach ma scho“ alles geregelt gewesen. Wenige Tage vor dem Fest gingen die Akteure dann noch mit dem damaligen Kulturreferenten Klemens Unger auf Wallfahrt, um für schönes Wetter zu bitten. „Das war immer recht nett und hat witzigerweise auch immer funktioniert“, erinnert sich der Haidplatz-Verantwortliche.

Doch für derlei Folklore haben die Fest-Verantwortlichen bei der Stadt heute keinen Sinn mehr. Das Thema Sicherheit hat allerhöchste Priorität, weshalb auch die Vorgaben für die Platzbetreiber immer strenger werden. „Das nervt im Eifer des Gefechts manchmal. Aber wenn man in Ruhe darüber nachdenkt, ist es natürlich verständlich. Die Leute von der Stadt machen auch nur alle ihre Arbeit“, sagt von Hugo und lobt speziell einen Mann vom Kulturamt für die reibungslose Kooperation: „Der Markus Apfelbacher macht das echt super.“

So tragen letztlich auch die städtischen Bediensteten dazu bei, dass der Veteran vor seinem zehnten Bürgerfest wieder die vertrauten familiären Gefühle hat. Sein seit Jahren eingespieltes Team am Haidplatz, das gute Verhältnis zu den Gastronomen am Haidplatz, die Bier-Partner von Bischofshof und die Musiker tun ein Übriges. Da sind neben Sacco & Mancetti mit Luis Trinkers Höhenrausch oder Fares and Friends weitere alte Freunde des Platzbetreibers am Start: „Ja, ich wollte aufhören. Aber jetzt bin ich positiv gestimmt und freue mich drauf“, sagt von Hugo und macht deutlich, was das Bürgerfest immer noch für ihn bedeutet: „Auswärtige schwärmen immer ,Das ist so cool, das gibt es in keiner anderen Stadt.' Das sollte uns bewusst sein.“