Zweite Runde beim Hitze-Check der Umwelthilfe: Gelbe Karte für Regensburg

Ganz so verheerend wie das erste Ergebnis fiel die zweite Runde des Hitzechecks der Deutschen Umwelthilfe (DUH) nicht für Regensburg aus. Trotzdem gehört die Domstadt zu den Orten, denen Bundesgeschäftsführerin Barbara Metz Handlungsbedarf attestiert. „Die Lage ist ernst“, sagte sie während einer Pressekonferenz.
Im vergangenen Jahr hatte die Organisation den Versiegelungsgrad und das Grünvolumen für die Erhebung in den Fokus genommen, was Regensburg bundesweit den drittschlechtesten und bayernweit den schlechtesten Platz einbrachte. Bei dieser Runde ging es um die Fragen, wie stark Menschen in ihrem Wohnumfeld im Sommer extremer Hitze ausgesetzt sind und wie ungleich Hitzebelastung und -schutz in Städten verteilt sind.
Dazu präsentierte die DUH am Donnerstag den Hitzebetroffenheitsindex (HBI). Er soll zeigen, wie viele Menschen in stark belasteten Gebieten leben, wo hohe Temperaturen, dichte Versiegelung und zu wenig Grün zusammentreffen. Dafür unterteilten die Analytiker bewohnte Flächen einer Stadt laut einer Pressemitteilung der DUH in 100 Quadratmeter große Raster, erhoben die vier oben genannten Parameter und berechneten daraus den HBI-Wert. Liegt er bei einer Stadt höher als 16,16, gilt diese laut der Studie als stark betroffen. HBI-Werte um den Mittelwert von 14,94 im Bereich zwischen 13,74 und 16,16 bedeuten durchschnittliche Betroffenheit. Ist der HBI niedriger als 13,74, spricht die DHU von schwacher Betroffenheit.
Das Ranking der Deutschen Umwelthilfe
• Für die Bewertung wurden laut der Deutschen Umwelthilfe (DUH) die 190 Städte mit über 50 000 Einwohnern verglichen. 31 Städte erhalten eine Rote Karte, 131 eine Gelbe und 28 eine Grüne.
• Besonders betroffen sind laut der DUH Städte im Süden Deutschlands. In Mannheim, Ludwigshafen und Worms leiden besonders viele Menschen unter Hitze. Hier leben 88 bis 91 Prozent der Bevölkerung in stark belasteten Gebieten.
• Städte mit Grüner Karte wie Kiel, Wilhelmshaven oder Flensburg liegen vor allem im Norden.
Der HBI von Regensburg liegt mit 16,04 gerade noch so im durchschnittlichen Bereich. Bundesweit landet die Domstadt damit auf Platz 38 von 190. Das Ranking zeigt, dass Regensburg deutlich näher an den negativen Spitzenwerten liegt als an denen der Städte mit vergleichsweise niedriger Hitzebelastung: Platz 1 mit dem schlechtesten Wert von 18,61 hat Mannheim. Am wenigsten von Hitze betroffen sind laut der Erhebung die Menschen in Hattingen in Nordrhein-Westfalen mit einem Wert von 11,99. In Bayern finden sich die Regensburger auf Platz 8 der am meisten von Hitze betroffenen Menschen wieder. Aschaffenburg (16,74), Nürnberg (16,71 und Fürth (16,54) führen dieses Negativranking an. Die besten Werte haben Passau (13,81), Landshut (14,57) und Bayreuth (14,87).
Die DUH macht auch Angaben dazu, wie die Betroffenheit von Hitze unter den Regensburgern verteilt ist: Diese sei bei 44,32 Prozent der Einwohner hoch, bei 54,59 Prozent der Regensburger durchschnittlich und lediglich bei 1,09 Prozent der Regensburger niedrig. Gemessen wurde in diesem Jahr auch die durchschnittliche Oberflächentemperatur: Sie liegt in Regensburg bei 34,26 Grad. Dafür sei von 2019 bis 2014 in den Monaten Juni, Juli und August zwischen 12 und 13 Uhr gemessen worden.

Im Zuge der Veröffentlichung des Hitze-Checks fordert die DUH verbindliche Mindestgrünanteile auf jedem Grundstück, Gebäude und im öffentlichen Raum. Zudem ruft die Organisation auch die Regensburger dazu auf, mehr Hitzeschutz über ein Formular auf der DUH-Homepage zu fordern, indem die Bürger Begrünung für Orte bei der Stadt beantragen, an denen sie in ihren Augen bisher fehlt. Juliane von Roenne-Styra, Pressesprecherin der Stadt, verweist auf das städtische Beteiligungsprojekt „Klimaanpassung in Regensburg – Resilienz erfahrbar machen“. Zudem gebe es in der Stadtverwaltung Zusammenarbeit zwischen den Fachämtern. Weiter verfüge die Stadt über eine sehr gute aktuelle Datenbasis hinsichtlich klimaresilienter Fragestellungen. Auch die Stabsstelle Klimaschutz und Klimaresilienz stehe Bürgern als Ansprechpartnerin zur Seite.
Weiter sprach DUH-Bundesgeschäftsführerin Metz die historischen Stadtkerne an. Bei allem Verständnis, das sie für den Denkmalschutz hege, forderte sie eine Priorisierung hin zu mehr Grün. „Regensburg ist Welterbestadt, daher braucht es immer eine Einzelfallentscheidung mit Rückhalt für die Denkmalpflege“, sagt dazu von Roenne-Styra. Sie verweist auf Neuerungen bei den Regeln für Solaranlagen auf Dächern und für Fassadenbegrünung.
Vor allem ältere Menschen, Schwangere und Kinder sowie Menschen mit Vorerkrankungen seien durch die Sommerhitze besonders gefährdet.
Dr. Felix Rockmann, Chefarzt des Notfallzentrums im Krankenhaus Barmherzige Brüder
Die DUH spricht von 3000 Hitzetoten pro Jahr in Deutschland. „In der Notaufnahme des Krankenhauses Barmherzige Brüder Regensburg müssen während der Sommermonate immer wieder vereinzelt Patienten aufgrund von Folgen der hohen Temperaturen behandelt werden“, sagt dazu Dr. Felix Rockmann, Chefarzt des Notfallzentrums im Krankenhaus Barmherzige Brüder. Hinsichtlich der Patientenzahlen seien dabei keine größeren Unterschiede im Vergleich zu den Vorjahren zu verzeichnen.
Allerdings warnt er auch: Übermäßige Wärmebelastung könne zu Kreislaufproblemen mit typischen Symptomen wie Kopfschmerzen, Erschöpfung und Benommenheit führen. „Im Extremfall ist auch ein Hitzschlag möglich“, erklärt der Chef-Notarzt. Vor allem ältere Menschen, Schwangere und Kinder sowie Menschen mit Vorerkrankungen seien durch die Sommerhitze besonders gefährdet. Ob ein Gang in die Notaufnahme nötig sei, solle nach Möglichkeit zunächst immer mit dem Hausarzt oder dem Bereitschaftsdienst der niedergelassenen Ärzte abgeklärt werden.