Der Sommer nimmt Fahrt auf: Kann Regensburg inzwischen besser abgekühlt werden?

Auch wenn der Start in die Pfingstferien kühl, windig und nass war, gehört Regensburg laut der Deutschen Umwelthilfe (DUH) zu den drei Städten mit dem größten Hitzehölle-Potenzial in ganz Deutschland. In den kommenden Tagen könnte sich zum ersten Mal zeigen, wie gut die Stadt nun – fast ein Jahr nach der Platzierung in diesem Ranking – gegen Hitze gerüstet ist.
Denn laut Dirk Mewes vom Deutschen Wetterdienst (DWD) gelangt Bayern und damit auch die Oberpfalz nun in den Zustrom sehr warmer Luftmassen aus dem Süden. „Die Sonne hat die Oberhand am Himmel“, erklärt Mewes. Am Donnerstag könnte die Temperatur auf 27 Grad klettern, am Freitag auf 29 Grad, am Samstag auf 32 Grad und am Sonntag immerhin noch auf knapp unter 30 Grad. Abgesehen von ein paar Schleierwolken bleibt die Sonne laut Mewes bis Sonntagnachmittag der Primus am Himmel. Erst dann könnten auch kräftige Schauer und Gewitter drohen.
Wie viele Menschen bei diesem Wetter nach Abkühlung lechzen, weiß Martin Gottschalk. Er ist Pressesprecher beim Stadtwerk, das auch zwei Freibäder betreibt. Seiner Auskunft zufolge stachen im vergangenen Jahr zwei Tage in Sachen Besucherzahlen besonders heraus. Am 29. Juni seien 4987 Menschen im Westbad gewesen sowie 3099 im Wöhrdbad. Am 21. Juli seien sogar 5048 Menschen im Westbad gezählt worden und 2708 im Wöhrdbad. Zum Vergleich: Laut Gottschalk war in diesem Jahr bisher der 31. Mai der besucherstärkste Tag mit 1016 Besuchern im Wöhrdbad und 2542 im Westbad. Er rechnet in den kommenden Tagen mit deutlich mehr Badegästen. „Insbesondere der Samstag sollte bei der guten Wetterprognose eine hohe Besucherzahl mit sich bringen“, sagt Gottschalk.

Auf die Schattenseiten der heißen Tage verweist dagegen die DUH. Nach dem ersten Hitze-Check im vergangenen Jahr, bei dem Regensburg auf Platz drei der am meisten versiegelten und am wenigsten grünen Städte in ganz Deutschland landete, soll am Donnerstag eine weiterentwickelte Version dieser Studie veröffentlicht werden. Laut einer Pressemitteilung der DUH steht mit dem Sommer auch eine wachsende Gefahr für die Gesundheit vor der Tür.
„Allein 2023 und 2024 kamen laut Robert-Koch-Institut rund 6000 Menschen infolge extremer Hitze ums Leben. Besonders betroffen: dicht bebaute Städte mit wenig Grün, viel Beton und einem hohen Anteil sozial benachteiligter Bevölkerungsgruppen“, heißt es in dem Schreiben. Die Analyse soll auch zeigen, wie viele Menschen in einer Stadt unter Hitze leiden. In welchen Städten ist die Hitzebelastung am höchsten? Wo ist kühlendes Stadtgrün besonders ungerecht verteilt? Und was müssen Kommunen und Bundesregierung jetzt tun, um Menschenleben zu schützen? Die DUH kündigt Antworten auf diese Fragen an. Wie Regensburg dabei abschneidet, ist aber noch geheim und soll laut der Pressestelle erst bei der Konferenz bekannt gegeben werden.
Was also hat die Stadt im vergangenen Jahr getan, um Regensburg bei Hitze besser runterzukühlen? „Viel mobiles Grün, Citydecks mit Bepflanzung und weniger parkende Autos, die sich im Sonnenlicht aufheizen, sollen beispielsweise im Obermünsterviertel auch gegen die Hitze wirken“, sagt Juliane von Roenne-Styra, Pressesprecherin der Stadt. Zudem nennt sie die Umgestaltung des Bahnhofs mit den Bäumen in Hot-Spot-Pots als Beispiel für Begrünung oder Wasser im Zuge von Umgestaltungen. Auch sei das städtische Förderprogramm „Regensburg resilient“ im Januar gestartet, mit dem private Begrünungs- oder Entsiegelungsmaßnahmen bezuschusst werden.
Weiterhin verweist die Pressesprecherin auf die Neuaufstellung des Flächennutzungsplanes (FNP). Im Moment seien dabei räumliche und thematische Entwicklungsperspektiven in Bearbeitung. Denn die Hitzeentwicklung spiele bei der Ausweisung von neuen Flächen oder auch bei der Rücknahme von derzeit im FNP dargestellten Flächen eine Rolle. Zudem bereite die Stadt den Hitzeaktionsplan für die Bevölkerung vor.
Hier finden Regensburger Abkühlung:
• Grünanlagen; etwa im Stadtpark mit dem „Himmelsspiegel“
• Spielplätze mit Wasserspiel
• Trinkbrunnen im öffentlichen Raum (Schwanenplatz, St.-Kassians-Platz, Bismarckplatz, Alter Kornmarkt, Kumpfmühler Markt) – es sollen noch weitere Trinkbrunnen folgen
• ab August wieder PlayFountain auf dem Neupfarrplatz
Das ist Raimund Schoberer, Vorsitzender der Kreisgruppe Regensburg im Bund Naturschutz, deutlich zu wenig. Als Beispiele für Bebauungspläne, die sofort aufgehoben oder gestoppt werden müssen, nennt er die Schlammteiche oder die Lilienthalstraße. „Nach wie vor ist die Stadt nicht in die richtige Richtung unterwegs. Es gibt viele Plattformen und viel Papier zum Thema Klimaschutz, es wird zu gesagt ,wir wollen ja', aber zu wenig ,wir machen ja'", moniert Schoberer. Auch die geplante Sallerner Regenbrücke, die Stadt und auch politische Vertreter für notwendig halten, beiße sich mit den Klimazielen.