Regensburgs Altstadt braucht mehr Grün: Inititative warnt vor Hitze wie in Rom

Von Heike Haala · 4. September 2024 um 19:00

Wie verdient die Deutsche Umwelthilfe (DHU) Regensburg zur drittheißesten Stadt Deutschlands kürte, zeigt gerade ein Spaziergang durch die Altstadt. Heiße Tage wie diese erträglich zu machen, wird den Städtebau die nächsten 20 Jahre beschäftigen, sagt Jan Paul.

Er ist Sprecher der Initiative Grün in die Stadt. Die setzt sich dafür ein, passende Finanzierungen für Maßnahmen und Projekte zum Thema Stadtbegrünung zu finden. Nach der Veröffentlichung der DHU-Studie mit dem für Regensburg so verheerenden Ergebnis machen die Mitarbeiter der vom Bundesverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau (BGL) getragenen Initiative auf die immense Rolle aufmerksam, die Grün in der Stadt in ihren Augen zukünftig spielen wird.

Hitze wie in Italien

„So wie jetzt, können wir nicht weitermachen. Im Jahr 2040 oder 2045 könnten die Sommer bei uns so heiß sein wie in Rom“, sagt Paul, der auch als BGL-Vizepräsident fungiert. Deswegen werde der hiesige Städtebau nicht mehr weiter funktionieren. Zudem warnt er davor, dass die Hitze auch bei uns viel mehr Menschenleben als im Moment einfordern könnte.

Mehr Begrünung in Städten – ob nun in Form von Bäumen oder an der Fassade – hat laut Paul das Potenzial, die Temperatur um fünf bis acht Grad zu senken. Mit Pflanzen auf den Dächern ergebe sich die Möglichkeit, Starkregenereignisse abzufedern. „In Speichern könnte das Wasser zurückgehalten und erst später abgegeben werden, was die Kanalisation in so einer Situation entlastet“, erklärt er. Zudem könne ein grünes Dach zum Lebensraum für viele Tiere werden und die Lebensdauer dieser Bedeckung erhöhen.

Paul nennt auch zwei Musterbeispiele für in seinen Augen besonders gelungenen Städtebau, bei dem Pflanzen eine große Rolle spielen: den grünen Bunker in Hamburg und den Kö-Bogen in Düsseldorf. Der Bunker St. Pauli ist laut Projekthomepage 1942 von Zwangsarbeitern errichtet worden. Am 5. Juli wurde der ehemalige Betonklotz nach seinem Umbau als grüner Bunker wiedereröffnet: Markenzeichen der seit 2019 errichteten fünf Etagen mit einem Hotel, einem Restaurant, einem Café oder Flächen für Kultur und Freizeit ist ein gigantischer Dachgarten mit 23000 Bäumen, Gehölzen und Stauden. Der Kö-Bogen in Düsseldorf ist ein Gebäudekomplex mit der größten Heckenfassade Europas und riesigen Grünflächen in seinem direkten Umfeld.

Auf die Frage, wie Regensburg sein Hitzeproblem lösen könnte, sagt Paul, dass ihm bei seinem letzten Besuch in der Domstadt die engen Gassen mit wenig Grün aufgefallen sind. „Wenn die Hitze da erst einmal drin ist, sieht es schlecht aus. Das ist ein Nachteil“, sagt er.

Natürlich verstehe er die Rolle des Denkmalschutzes in einer Stadt, die immerhin den Welterbetitel trägt. Paul betont aber auch unmissverständlich: „Die Stadt muss noch lebenswert sein. Wenn es hier einmal so heiß wird wie in Rom, kommt da keiner mehr“, warnt der Experte. Deswegen müssen sich die Verantwortlichen das Thema in der Altstadt genau ansehen. „Aber um mehr Grün wird man nicht herumkommen“, macht er deutlich. Es bringe nichts, wenn eine Stadt lediglich schön sei. Für Bewusstsein und Akzeptanz in der Bevölkerung könne bei diesem Thema vor allem mit Anreizen gesorgt werden.

Förderprogramm startet bald

Was also plant Regensburg in Sachen Begrünung? Kürzlich beschloss der Umweltausschuss das Förderprogramm „Regensburg resilient“ mit den Programmteilen Dachbegrünung, Fassadenbegrünung und Entsiegelung. Damit werden ab dem Jahr 2025 Entsiegelungsmaßnahmen bezuschusst und Informationsangebote für Bürger sowie Unternehmen aufgebaut. 60000 Euro pro Jahr sollen zur Verfügung stehen.

Noch bis Ende des Monats sind die Regensburger dazu aufgerufen, für eine Broschüre zu diesem Förderprogramm gelungene Begrünungen von Fassade oder Dach in der Stadt zu fotografieren. Auch Paul empfindet es als wichtig, dass die Bürger die Bandbreite an Möglichkeiten kennen, Grün an die Fassade zu bringen. „Die meisten kennen nur wilden Wein, aber da gibt es Alternativen“, sagt er.

Jan Paul, Vizepräsident beim Bundesverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau
Der grüne Bunker in Hamburg gilt als Musterbeispiel.