Hitze, Hochwasser, Starkregen: Katharina Schätz stärkt Regensburg im Klimawandel

Von Marion Koller · 25. August 2024 um 11:14

Die Zahl der extremen Hitzetage, der Hochwasser und Starkregen nimmt zu. Regensburg passt die Stadtentwicklung an, damit auch künftige Generationen gut hier leben können. Klimaresilienzmanagerin Katharina Schätz hilft dabei.

Mit dem Platz in der Kapellenstraße/Ecke Schwarze-Bären-Straße vor dem Teehaus Bachfischer ist Katharina Schätz zufrieden. Ein kleiner Brunnen plätschert, junge Bäume strecken sich in die Höhe. Bunte Blumenbottiche und eine Bank laden zum Verweilen ein. „Das ist ein Beispiel für eine gute Gestaltung“, sagt die Klimaresilienzmanagerin der Stadt. Es geht weiter in die Maximilianstraße, wo Buchen das Klima verbessern. Auf dem Schwanenplatz sorgen Wasserbänke, Bäume und ein Hopfengarten für Abkühlung. Auch damit ist die 36-Jährige zufrieden. Sie entwickelt eine Strategie, die Regensburg robuster gegen den Klimawandel macht. Deshalb betrachtet sie die Plätze und Straßen mit anderen Augen als die Passanten.

Die Zahl der extremen Hitzetage, der Hochwasser und Starkregen nimmt zu. Die Stadt Regensburg setzt sich mit dem Klimawandel auseinander und passt die Stadtentwicklung an, damit auch künftige Generationen gut hier leben können. Als Klimaresilienzmanagerin führt Schätz die Fäden zusammen. „Ich überlege mir, wohin die Reise gehen soll“, sagt sie. Zusammen mit den Fachämtern sollen dann Maßnahmen umgesetzt werden. Seit 15 Jahren beschäftigt sich Katharina Schätz mit der Klimaanpassung. „Das Thema hat etwas mit der Lebensqualität zu tun.“

Schatten-Oasen und Wasser

Eigentlich genießt Katharina Schätz den Sommer und die Wärme. „Weil alles blüht und lebendig ist, weil man sich draußen frei bewegen kann.“ Die 36-Jährige schwimmt gerne im Guggenberger See. „Auch die Donau ist wunderschön.“ Im Sommer könne sie Landschaften entdecken. In Regensburg selbst streift sie häufig durch den Dörnbergpark, schätzt die Cafés und die lebendige Altstadt. „Die ist einzigartig.“ Damit der Sommer in der Stadt den Menschen weiterhin Freude macht, wird Schätz für Abkühlung sorgen.

Die Stadt möchte wissen, wie sie ihre Plätze am Besten gegen Hitze rüsten kann. Dabei hilft das dreijährige Förderprojekt „Klimaanpassung in Regensburg – KlaR“des Bundesumweltministeriums, das noch bis Juli 2026 läuft. Für den Alten Kornmarkt und den Augustinerplatz werden Maßnahmen zur Klimaanpassung entwickelt. Der Kornmarkt mit der Alten Kapelle ist touristisch interessant, doch parkende Autos versperren den Blick auf die Schönheit. Auch erhitzt sich die steinerne Fläche stark. Der Augustinerplatz zwischen Wohnhäusern dient bisher ausschließlich dem Parken.

Im Projekt KlaR ist analysiert worden, wie heiß es auf den beiden Plätzen wird. Eine Mikroklimasimulation am Alten Kornmarkt hat bei einer Lufttemperatur von 31 Grad Celsius eine Physiologisch Äquivalente Temperatur (PET) von 39 Grad ergeben. Der Begriff PET beschreibt die vom Menschen empfundene Temperatur zum Zeitpunkt 14 Uhr.

Die Fassaden werden unter die Lupe genommen. „Welche sind besonders wertvoll und welche können begrünt werden?“ – Antworten auf Fragen wie diese erhofft sich Katharina Schätz. Das Projekt möchte zeigen, wie eine klimaresiliente Stadtplanung gelingt, wie Schatten-Oasen, Brunnen und Wasserstellen die historischen Plätze im Hochsommer neu beleben. Eine Viertelmillion kostet das Projekt. Den Löwenanteil übernimmt das Umweltministerium, 90000 Euro stemmt die Stadt.

Viele Regensburger haben ihre Wünsche und Vorstellungen dazu in einer Onlinebefragung auf der Stadt-Website geäußert. Mitreden können die Bürger auch bei Platzwerkstätten: unter anderem am 17. September auf dem Augustinerplatz (jeweils 17.30 bis 20.30 Uhr, Anmeldung bei klimaresilienz@regensburg.de).

Trinkbrunnen kommen gut an

Katharina Schätz und Fachabteilungen haben ein Hitzemanagement erarbeitet. Zehn Schlüsselmaßnahmen zählen dazu, von Wasserspendern auf den Plätzen bis zu Fassadenbegrünungen. Untersucht wird die Durchlüftung der Stadt. Schätz geht davon aus, dass diese wegen der steinernen Plätze, der dichten Bebauung und starken Versiegelung, mit bisher zu wenig Grün und Wasser schlecht ist. „Die Berechnungen zum Ist-Zustand laufen gerade“, sagt sie. Ergebnisse werden sich auf den Flächennutzungsplan auswirken. Wo die Durchlüftung fehlt, müssen größere Grünachsen eingeplant werden. Zahlreiche junge Buchen sind in der Altstadt aufgestellt worden. Kühlt das ausreichend? „Alles, was grün und gesund ist, transpiriert und kühlt die Umgebung ab“, betont Schätz. Die fünf neuen Trinkbrunnen am Schwanenplatz, Alten Kornmarkt, Bismarckplatz, Kassiansplatz und in Kumpfmühl nutzen die Passanten gerne. Noch bis 4. September können sich Kinder auf dem interaktiven Wasserspielplatz Playfountain am Neupfarrplatz abfrischen. Das Wasserspiel und Pflanzen, die neu gruppiert werden, sollen die stark hitzebelastete Fläche abkühlen. Den Effekt überprüft die Stadt mit Messungen.

Beim Hitzecheck der Deutschen Umwelthilfe im Juli ist Regensburg bekanntlich durchgefallen. Doch zahlreiche Maßnahmen sind in Arbeit.

Grün und Schatten

Serie: In unserer Serie „Sommermenschen“ porträtieren wir Menschen aus Stadt und Landkreis Regensburg, für die der Sommer auf ganz verschiedene Art eine außergewöhnliche Bedeutung hat.

Widerstandsfähigkeit: Wenn Menschen resilient sind, überstehen sie Krisen, ohne daran zu zerbrechen oder zu erkranken. Bei Städten gibt es eine Klimaresilienz: Es geht darum, mit den Auswirkungen des Klimawandels umzugehen, indem man die Stadtplanung anpasst, eine Kommune etwa grüner macht und Schatten schafft, um sie abzukühlen.

Klimaresilienzmanagerin: Seit 2018 ist Katharina Schätz in der Regensburger Verwaltung tätig, berät und zeigt Maßnahmen auf.

Laufbahn: Sie hat Umweltplanung und Ingenieurökologie mit den Schwerpunkten nachhaltige Stadtentwicklung und Klimaanpassung an der TU München studiert. Ihre Masterarbeit beschäftigte sich mit den stadtklimatischen Konsequenzen von Nachverdichtung. Seit 2015 war sie im Münchner Umweltreferat zuständig für Klimaanpassung in der Bauleitplanung.

Hier stößt Schätz mit Wasser aus einem der neuen Trinkbrunnen an. Passanten können sich etwa am Kassiansplatz nicht nur bei Hitze Trinkflaschen füllen. Foto: Wendl