Sterben der Bildungshäuser trifft auch Landkreis Cham: Kofferpacken in Hofstetten

Von Christoph Klöckner · 12. Juni 2025 um 11:00

Eigentlich ist Hofstetten nur einer von 53 Gemeindeteilen des Marktes Falkenstein. Eines macht ihn jedoch zum Unikat: Statt Einöde, Weiler oder Dorf steht hier ein Kloster. Gemeint ist das Apostolatshaus der Pallottiner. Doch bald muss der Zusatz gestrichen werden: Die Pallottiner packen ihre Koffer.

Wie bereits viele andere Ordensgemeinschaften im Landkreis, etwa die Gerhardinger Schulschwestern oder auch die Maristen in Cham, werden sich die Pallottiner von ihrer Filiale zurückziehen und sich auf weniger Standorte konzentrieren. Nicht der finanzielle Aspekt sei ausschlaggebend für die nun angekündigte Schließung des Apostolatshauses in Hofstetten, sondern allein die Tatsache, dass den Pallottinern der Nachwuchs fehle, sagt der der Provinzial der Glaubensgemeinschaft, Pater Markus Hau.

Zu wenig Pater

Die Zahl der Ordensmänner sinke kontinuierlich, die dazu im Durchschnitt immer älter würden. Die wenigsten der 150 in Deutschland ansässigen Pallottiner sind jünger als 60. Die Konsequenz sei die Schließung solcher Häuser wie in Hofstetten – am Ende des Konzentrationsprozesses wollen sich die Pallottiner auf vier Niederlassungen konzentrieren.

Eine große Anlage umfasst das Apostolatshaus der Pallottiner in Hofstetten, dazu gehören auch ein Wald und ein Park mit Teichen. - Foto: Josef Kerscher

Dass es vor Ort in Hofstetten von den dort Beschäftigten noch immer heiße, man wisse nicht, wie es weitergehe, sei Unsinn, so Markus Hau, der in Freising im Bildungs- und Gästehaus der Pallottiner sitzt. „Am 27. Juli ist dort Ende. Schon vor Monaten haben wir mit allen gesprochen“, so Pater Hau. Es gehe auch darum, etwa Kündigungsfristen für die zivilen Beschäftigten einzuhalten, von denen es einige gebe, etwa im Reinigungs- und Servicedienst oder in der Hausbewirtschaftung. Daher informiere man seit eineinhalb Jahren etwa auch den Freundeskreis vor Ort über die Planungen.

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Zuletzt sei er im März dort gewesen, um die Mitarbeiter und die Ordensmitglieder weiter zu unterrichten. Die Schließung sei auch eine Konsequenz auf einen gesellschaftlichen Wandel: „Die Landschaft hat sich auch kirchlich verändert.“ Schon einige andere Orden hätten ähnliche Schritte wie jetzt die Pallottiner gemacht. Die Gespräche mit dem Freundeskreis des Apostolatshauses gehe letztlich auch um die möglich Neunutzung der großen Gebäude, etwa um die Frage, ob der Kreis bei der Immobilie weiter involviert sein wird, und wie es weitergeht. Sicher sei, dass die Pallottiner am Ende nicht mehr dort an der Immobilie beteiligt sein werden. „Natürlich ist das nicht einfach, so ein Haus aufzugeben. Jeder Abschied tut weh!“, sagt Pater Hau. Doch habe man die Schließung von Anfang an klar formuliert.

Interessenten sind da

„Wir wollten da keine Lügen auftischen oder falsche Hoffnung machen“, so Hau. Die Häuser allein würden nichts retten – nur die Immobilie zu erhalten, bringe keine Lebendigkeit in den Ort. „Am Haus liegt’s nicht!“, sagt Hau. Auch das Umfeld müsse stimmen. Zur möglichen Nachnutzung wollte der Provinzial nichts preisgeben. Es gebe mehrere „gute Gespräche“ mit „mehreren Interessenten“, sagt er. Ob die Immobilie weiter als öffentlicher Veranstaltungsort, etwa mit einem kirchlichen Träger, genutzt werden kann oder an private Interessenten abgegeben werden soll, ließ er offen.

Denkbar ist an dem idyllisch gelegenen, ruhigen Ort vieles – vom Seniorenheim bis zum Hotel. Dass sich etwa das Bistum Regensburg hier engagiert, um die Immobilie weiter für eine kirchliche Nutzung zu sichern, hat Jakob Schötz, stellvertretender Leiter der Bischöfliche Presse- und Medienabteilung, auf Nachfrage gleich ausgeschlossen: „Die Diözese Regensburg wird die Gebäude nicht übernehmen.“

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Im Haus finden neben Exerzitien auch noch Veranstaltungen der Katholischen Erwachsenenbildung (KEB) statt, die hier eine Kooperation mit den Pallottinern und dem Freundeskreis eingegangen ist. Michael Neuberger, Geschäftsführer der KEB in Cham, bedauert das Ende des Hauses. Rein wirtschaftlich gehe damit ein wichtiger Partner verloren – 2024 hätten dort 18 KEB-Veranstaltungen stattgefunden. Er sei nun auf der Suche nach neuen externen Kooperationspartnern. 20 Jahre lang habe er damit geprahlt, dass es hier noch drei kirchliche Bildungshäuser gebe, so Neuberger: „Das gab es nirgends!“ Daher tue die Schließung tue weh – auch weil dort Menschen den Job verlieren würden, aber auch, weil mancher damit seine zweite Heimat verliere.

Deutschlandweit sei ein Bildungshaussterben zu beobachten. Auch wenn aktuell die Menschen wenig mit Religion anfangen könnten, werde eine Lücke durch den Wegfall eines solchen Hauses mittelfristig sichtbar werden, ist sich Michael Neuberger sicher: „Es braucht ein Obdach für die Seele!“

Seit über 100 jahren vor Ort

• Pallottiner: Der Ort Hofstetten bei Falkenstein wurde bisher von den Pallottinern als Exerzitien- und Bildungshaus genutzt. Seit 1920 ist der Orden hier tätig. Aktuell sind nach zwei Pater hier zu Hause.

• Kreis: Darüber hinaus ist Hofstetten das Zentrum des Apostolatskreises Hofstetten, einer Gruppe engagierter Christen mit 14 Mitgliedern, es gibt ebenso viele Freunde und Freundinnen, die noch dazugehören. In Kooperation mit Hofstetten plante auch die Katholische Erwachsenenbildung Veranstaltungen.

• Haus: Die Häuser in Hofstetten bieten 22 Einzel- und acht Doppelzimmer, dazu eine Ferienwohnung. Geeignet ist der Ort für Seminare und Tagungen, Einzel- und Gruppenexerzitien oder auch Weiterbildungen.

• Umfeld: Der Ort hat viel zu bieten: eine Hauskapelle, eine Kapelle im Park, einen Fernseh- /Leseraum. Bierstüberl und Meditationsräume sind vorhanden, dazu der Meditationsweg, eine Gartenlaube, ein eigener Park mit einer Teichanlage sowie Parkplätze am Haus und ein eigener Wald.