Pater Norbert nimmt sich eine Auszeit

Von Mittelbayerische Zeitung · 11. April 2025 um 21:30

Falkenstein/Hofstetten. „Der Lotse verlässt das Schiff“, so hat vor Kurzem ein Zeitgenosse, den Auszug von Pater Norbert Lauinger aus Hofstetten, kommentiert.

Pater Lauinger belebte 34 Jahre das Apostolatshaus Hofstetten und war davon 32 Jahre Leiter dieser pallottinischen Niederlassung in Falkenstein. Als er im Herbst 1990 seinen Dienst antrat, war Hofstetten im wahrsten Sinne des Wortes ein Missionshaus, von dem aus, die Pallottiner neben dem landwirtschaftlichen Betrieb, hauptsächlich ihre missionarischen Tätigkeiten in Indien und Südamerika unterstützten. In seiner zehnjährigen Tätigkeit als Noviziatsleiter in Untermerzbach trug P. Lauinger schon immer den Traum in seinem Herzen, Hofstetten umzugestalten in ein Apostolatshaus, in dem Laien durch Intensivkurse geistlichen Lebens tiefer in den Glauben eingeführt werden, ihn über mehrere Tage dort praktizieren und ihn dann aus Überzeugung an andere weitergeben können.

Das Miteinander ist wichtig

Dies alles vor dem Hintergrund der Vereinigung des Katholischen Apostolates, die Vinzenz Pallotti 1834 ins Leben gerufen hatte. Wie viele Heilige so sah auch Pallotti im „Miteinander“ die Zukunft der Kirche. Die ersten Schritte zur Verwirklichung dieses Traumes bestanden darin, dass der Pater über die Presse Menschen zu erreichen suchte, denen ihr Glaube ein Geschenk bedeutete, dass sie pflegen, entfalten und für andere zugänglich machen wollten. Daraus entstand der „Apostolatskreis“, der bis heute besteht und in Hofstetten seine geistliche Heimat hat.

Dann ging „P. Norbert“, wie er sich gerne nennen ließ, einige Umbaumaßnahmen an, die dem Ziel des Hauses förderlich sein sollten. Er renovierte das „Meindl-Kapellchen“ von Grund auf, denn es war nichts anderes als eine Ruine, von der der damalige Provinzial Pater Danko meinte, man müsse diesen sakralen Raum so bald wie möglich abreißen, denn er wird nach der in den Hauptbau des Hauses integrierten Hauskapelle nicht mehr gebraucht und verursacht nur unnötige Unkosten. Pater Lauinger sah hingegen in diesem Wahrzeichen von Hofstetten so etwas wie ein geistliches Zentrum für zukünftige Mitglieder der Vereinigung des katholischen Apostolates und als Teil davon des Apostolatskreises von Hofstetten sowie ein unverzichtbares Wahrzeichen dieses Ortes.

Nach der Renovierung folgte die Anschaffung einer Orgel für die Hauskapelle und die völlige Neugestaltung der Gartenanlagen um das Anwesen herum mit vielen selbstentworfenen Brunnen. Diese Idee brachte Pater Norbert mit aus seiner Zeit in Rom, wo er zwei Jahre gelebt und katholische Spiritualität studiert hatte. „Wasser bedeutet Leben und ist ein wichtiges Symbol des katholischen Glaubens“, so beschrieb er die Brunnenanlagen den Hausgästen.

In dem nahegelegenen, eigenen Wald wurde der „Pallottiweg“ angelegt mit den Vater Unser-Tafeln und geistlichen Aussprüchen Pallottis zur Schöpfung. Die Spaziergänger sollten beim meditativen Begehen dieses Weges durch diese äußeren Zeichen und Worte stets an Gott, den Schöpfer aller Dinge, erinnert werden, ganz im Sinne Pallottis.

Das alles war nur möglich durch die enge Zusammenarbeit von Ordenschristen und Laien, die für Pater Norbert Lauinger, erste Priorität in seinem pallottinischem Leben hatten. Diese begann bereits im Jahr 1990 mit Dominikanerinnen von Strahlfeld. Dann wurde es weitergeführt durch die Mallersdorfer Schwestern und immer wieder durch Laien, die ehrenamtlich mitgearbeitet haben. Besonders hervorzuheben ist in dem Zusammenhang der Apostolatskreis und das Ehepaar Hauk aus dem Odenwald.

Ein Höhepunkt in der Amtszeit von P. Norbert war das 100-jährige Jubiläum von Hofstetten im Mai 2022. Es war der Moment, an dem etwas von der Vision Vinzenz Pallottis Gestalt anzunehmen schien. Die Früchte des „Miteinanders“ das Zauberwort für die Zukunft der Kirche und der Menschheit überhaupt waren spürbar und für die Zukunft von Hofstetten verheißungsvoll.

Im Anschluss an das Jubiläum, kam alles jedoch ganz anders als erhofft. Die Provinzleitung der Pallottiner hat in Folge des Personalmangels beschlossen, sich auf wenige Niederlassungen der Gemeinschaft in der deutschen Provinz zu konzentrieren. Hofstetten war leider nicht dabei. Dies war für P. Norbert Lauinger eine große Ernüchterung in seinen Träumen von der Verwirklichung der Pallottischen Vision. Er erbat sich daraufhin, von seinen Obern eine Auszeit, die er jetzt vorerst in Regensburg verbringt, wo er sich in der Stadt noch in kleineren pastoralen Diensten einbringen wird.

Dank an Wegbegleiter

P. Norbert dankte allen, die ihn in seinem Bemühen um das Haus Hofstetten in geschwisterlich liebender Weise über 30 Jahre begleitet haben, ihm mit Rat und Tat zur Seite standen und ihm Freunde waren. „Ohne Sie wäre alles, was in Hofstetten in den letzten 35 Jahren entstanden ist, nicht möglich gewesen.“, so der Pater. „Alles hat seine Zeit“, sagte einmal der biblische Schriftsteller Kohelet. Das ist auch das Wort, mit dem P. Norbert nun in eine neue Zukunft geht im Vertrauen, dass Gott alle Wege mit uns geht. Die Leitung des Hauses, das Pater Norbert zu einem Haus der Unio gemacht hat, gab er im letzten Jahr an seinen Mitbruder Pater Markus Reck ab. Wie es künftig mit dem Haus in Hofstetten weitergehen wird, ist offen.

rgk