Revolution am Frühlingsfest: Chamer Mass lässt jetzt bundesweit Presse und Sender jubeln

Nachdem am Chamer Frühlingsfest am Montag der letzte Tropfen aus der Mass Bier geschlürft wurde, hat es sich also auch zu vielen anderen bayerischen Medien herumgesprochen: Der Bierpreis am Frühlingsfest Cham war niedrig – niedriger als im vergangenen Jahr, und viel niedriger als am Münchner Oktoberfest. Das ist zum Ende des „kleinen“ Chamer Volksfestes Zeitungen und Magazinen in München und anderen Städten eine umfassende Berichterstattung wert.
„Werbung pur“, sagt Volksfestvereins-Präsident Christian Plötz, der sich am Rande der Stadtratssitzung vom Mittwoch über die kostenlose Werbekampagne für die Kreisstadt freute. Denn nach dem Frühlingsfest ist bekanntlich vor dem Volksfest – und das war im vergangenen Jahr das Sorgenkind der Organisatoren (wir berichteten). Der eher zwiezache Besucherstrom und eine eher schöngetrunkene Volksfest-Bilanz war es auch zu einem Gutteil, was die Bierpreissenkung wohl erst durch früher undenkbar erschienene Gedankenspiele möglich machte.
Artikel, Kommentare und Fernsehberichte über den Chamer Bierpreis
Nach der Berichterstattung der „Bild“ gleich nach Verkündigung des Bierpreises adeln nun weitere Medien die Stadt Cham mit Artikeln, Kommentaren und ironischen Glossen über das kleine Städtchen, das sich gegen den Trend zum Teuer-Bier und Teuer-Hendl auflehnt. Am Donnerstag war das auch dem Redaktionsteam der Kult-Sendung „quer“ im Bayerischen Fernsehen einen Beitrag wert.
Zum Thema:Preis-Senkung macht bundesweit Schlagzeilen: Bild berichtet über billige Mass Bier in Cham
9,80 Euro für die Mass Bier – mehr als einen Euro billiger als 2024 in Cham und bis zu sechs Euro billiger als die kostbare Münchner Oktoberfestbiermass – das ließen sich auch die Chamer vergangene Woche am Frühlingsfest schmecken und ehrten das Fest mit zahlreichem Besuch. Da ging es fast schon in der Freude über den süffigen Trank unter, dass auch das typischste Festgericht günstiger war als zuvor und ebenfalls die Zehn-Euro-Marke sprengte – von oben nach unten. 9,80 Euro für das Fest-Gockerl, mit Petersilie gefüllt – das ging den Chamern runter wie – Bier. Neidisch beäugt von Münchnern, die in ihren Heimatzeitungen lesen müssen, dass in der kleinen Stadt in der Oberpfalz an der Grenze zu Tschechien das Hendl sieben bis 13 Euro billiger ist als am heiß geliebten Oktoberfest. Am Ende lässt sich angesichts der günstigen Preise die kultivierte „quer“-Redaktion in ihrem Bericht sogar zu einem Treppenkalauer herab: „Der schlimmste Preiß ist nicht der Saupreiß, sondern der Bierpreis.“
Cham als Vorbild für andere Feste
Als Vorbild hingestellt wird Musterschüler Cham, wo viele Leute zusammengearbeitet hatten, um die niedrigeren Preise möglich zu machen – von reduzierten Standgebühren über die Hilfe des städtischen Bauhofs beim Zeltaufbau und dem Legen der Wasserleitungen bis hin zum Sicherheitsdienst, der nicht vom Festwirt bezahlt werden musste. So ließ sich Festwirt Jürgen Schützenmeier auch entsprechend zitieren: „Ein Volksfest soll ein Fest für die Leute sein“, und: „Nur gemeinsam kann man sowas durchziehen.“ Bürgermeister Martin Stoiber sieht’s pragmatisch: „Jede positive Berichterstattung ist natürlich auch Werbung für Cham. Und es stimmt ja: Es muss nicht immer alles teurer werden.“
Von wegen: Da ist ja Hopfen und Malz verloren. Hopfen und Malz, Gott erhalt’s, trifft es schon eher. Auch wenn die von einigen Medien propagierte Bierpreisrevolution, die von Cham ausgehe, wohl keinen Einfluss auf die Preise auf „großen“ Volksfesten wie in München oder Franken haben wird. Präsident Christian Plötz Christian Plötz lässt sich fürs Fernsehen trotzdem beim Boxautofahren filmen und zeigt sich glücklich über den Festverlauf.
Das Chamer Volksfest dauert heuer nur sechs Tage
Fürs Volksfest hat Festwirt Schützenmeier ebenfalls einige Neuerungen versprochen. Eine davon, die im Freudentaumel um den Bierpreis beinahe unterging: Das Fest dauert erstmals nur sechs Tage – statt früher elf oder letzes Jahr zehn Tage. Vom 30. Juli bis 4. August soll das Fest in kompakter Form trotzdem alles bieten, was bisher stets geboten war.
Vom Tag der Betriebe bis zum Tag der Kinder, Familien und des Sports, bei dem diesmal sogar der SSV Jahn Regensburg mit ins Zelt geholt wurde. Und auch hier wird die Mass Bier für 9,80 auf die Biertische gestellt werden. Und das Gockerl, das Gockerl nicht zu vergessen.
(K)eine Glaubensfrage: Mass oder Maß?
Apropos Mass: Weil viele Freunde des bayerischen Nationalgetränks, die aus nördlicheren Gefilden stammen, die Mass Bier wie das Maß aller Dinge aussprechen, hat sich inzwischen ein allgemeiner Streit über die korrekte Schreibweise der Mass etabliert. Während nach alter Rechtschreibung das Doppel-S am Wortende immer zu einem ß wurde, entscheidet nach neuer Rechtschreibung laut Duden der Vokal vor dem Doppel-s über die Schreibung. Kurzer Vokal: Doppel-s, wie jede Grundschulkind heute lernt, aber spätestens im trinkfähigen Alter dann beim Bierbestellen nach Getränkekarte verwirrt in Frage stellen muss. Sogar die Duden-Redaktion räumt ein: bairisch und österreichisch schreibe man die Mass wohl eher mit ss.
In der Wissensdatenbank Wikipedia klingt es ausführlicher: „Ein Maßkrug ist ein Bierkrug, der das Volumen einer Maß fasst. Auf Bairisch und Schwäbisch heißt sie die Mass ([mas], mit kurzem geschlossenen a wie in Fass), in anderen Gegenden die Maß ([ma?s], mit langem a wie in Maßband).[1] „Eine Maß“ bedeutete ursprünglich einfach eine genormte Volumeneinheit und wurde als Wein- und Biermaß verwendet.“
Der Streit um die Glaubensfrage? Die Autorin entscheidet sich für Bayern. Im Übrigen kommt es am Ende ja doch eher auf den Mass-Preis als auf die Mass-Schreibweise an – oder? Prost!