Zwei Bademeister und fast ein halbes Jahrhundert Dienst am Beckenrand

Andreas Salzl lenkte in den 1980ern bis in die 2000er-Jahre die Geschicke im Freibad Abensberg (Landkreis Kelheim). Ohne ihn wäre Josef Meier heute nicht sein Nachfolger. Zusammen kommen sie auf fast 50 „Dienstjahre“.
Die hölzerne Rutsche war legendär. Nach Feierabend packte er ein Fahrrad und sauste damit die Rutsche runter. Was für ein Spaß! Geschichten wie diese sprudeln zuhauf aus dem früheren Bademeister Andreas Salzl heraus. In diesen Tagen wird das Freibad Abensberg 60 Jahre alt. Im Plausch über alte Zeiten mit dem aktuellen Bademeister Josef Meier und mit Franz Piendl, der neben dem Freibad wohnte und Salzl auch schon lange kennt, muss der 83-Jährige nicht lange überlegen. Die Freibad-Open-Airs waren legendär, die Jubiläen, zu denen Salzl eben besagte hölzerne Rutsche bauen ließ, sowieso.
Salzl ist einer, der anschob. „Geht nicht, gibt‘s nicht“ war quasi die Schmiere, das Leitbild für seine tägliche Arbeit. Dabei spülte ihn eher der Zufall ins Bad. „Bäder, das waren für mich böhmische Dörfer“, sagt der gelernte Maurer, der über Umwege in Abensberg und schließlich im Bad landete. Am 1. Oktober 1979 fing er an. Nachdem ihm der damalige Bauamtsleiter die Filteranlage gezeigt hatte, drückte der ihm einen Schlüsselbund in die Hand und meinte: „Jetzt mach’ was Gescheites draus.“

Selbst angepackt
Salzl ließ sich das nicht zweimal sagen und packte in den folgenden Jahren auch selbst ständig mit an. Das bäderspezifische Wissen eignete er sich in Kursen an. 1980 begann seine erste Badesaison, 1981 folgte seine Frau als Kassiererin, „das war das Ideale“. Von 7 bis 22.30 Uhr schob Salzl damals Dienst, auch die Wochenenden verbrachte man im Bad. Selbstredend, dass der jüngere Sohn nach der Schule aus Offenstetten ebenfalls ins Bad geradelt kam, neben der Garderobe seine Hausaufgaben machte und dann die Tage im Freibad verbrachte.
Das Bad, das war damals freilich noch ein ganz anderes als heute: „Da war ja nix geboten. Die Toiletten waren eine Pissrinne mit Ölfarbe“, so Salzl. Telefon gab‘s lange Zeit auch nicht. Mit den Jahren wurde ein Grillplatz installiert, kamen Tischtennisplatten oder das Beachvolleyballfeld dazu. 1996 wurde ein neues Planschbecken gebaut, auch Wasserleitungen wurden neu verlegt, Filteranlagen eingebaut oder erneuert. Zudem wurden immer wieder Grundstücke dazu gekauft. Fertig ist man irgendwie nie.
Salzl zeichnete auch so manchen Plan, zog so manche Mauer selbst hoch. Er holte Angebote ein und war für Vieles selbst verantwortlich. Er lernte Dinge, die er vorhin noch nie gemacht hatte und war plötzlich Personalleiter, Bauleiter, Badeaufsicht in Einem. Das Bad war das Zentrum, um das sich alles drehte, war sein Baby.

Anstregendes „Baby“
So ein Baby ist bisweilen auch ganz schön anstrengend. „Vor allem am Nichtschwimmerbecken am Nachmittag, wenn die Sonne runterbrennt“, sei es bisweilen brutal gewesen, erinnert sich Salzl, und Meier nickt. Wenn das Bad an guten Tagen bis zu 4500 Besucher schluckte, es überall wuselte, wenn heiße Sommer wochenlang ohne eine Regenpause auskamen – dann wussten sie oft nicht mehr, „obst Mannerl oder Weiberl bist“, formuliert es Salzl.
Der Lärmpegel, vor allem von den hochfrequenten Stimmen der Kinder, der sei enorm. Die Anspannung, damit man ja nichts übersieht, die sei unbeschreiblich. Die ständige Hab-Acht-Stellung, die Bereitschaft zur schnellen Reaktion, die verlange Einiges ab – auch wenn das nach außen alles super entspannt aussehen mag.
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Ertrunken ist in all der Zeit niemand. Ein Mal, so erinnert sich Salzl, musste ein Kind, das zu klein war für die Rutsche,, aus dem Wasser gezogen werden, bevor Schlimmeres passierte. Salzl sah den Knirps noch aus den Augenwinkeln und schon ging er unter –gottlob nicht für lange. Ein Badegast zog ihn beherzt wieder hoch.
Dafür trieb so manch abgeschlagener Zahn, weil das Kind mit dem Kopf voraus rutschte, bisweilen den Adrenalinspiegel des Bademeisters hoch. Ruhig hingegen blieb Salzl auch dann, wenn etwa nächtliche Besucher im Winter meinten, sie könnten auf dem noch vorhandenen zugefrorenem Beckenwasser Schlittschuhe laufen. Salzl schüttete Split drauf und mit der nächtlichen Gaudi war es schnell vorbei.
Scherzbolden begegnete er mit Langmut
Und im Sommer, da hatten einmal ein paar Scherzbolde in der Nacht sämtliche Kleiderbügel aus der Garderobe ins Schwimmerbecken geschmissen. Auch, wenn es einen Haufen Arbeit machte, Salzl nahm‘s mit Langmut. Genauso wie bei dem Gast, der die damals noch übliche Badehaubenpflicht nicht akzeptieren wollte, ihn zu provozieren suchte. Salzl tat so, als würde er die Polizei rufen. Der Gast spurte. „Der muss wissen, wer das Sagen hat“, sagt Salzl rückblickend.
Ganz so einfach sei das heute nicht mehr, meint sein Nachfolger Meier im Gespräch: „Heute scheißt sich keiner mehr was.“ Früher war der Bademeister eine Autoritätsperson, davon kann Meier heute nur träumen. „Das ist Vergangenheit“, sagt er.
„Das alles ist ja auch eine psychische Belastung, immer präsent zu sein“, weiß Franz Piendl, der damals bei der Stadt arbeitete, unter anderem auch für Personalangelegenheiten zuständig war. Piendl kennt nicht nur die Beiden, er kennt auch das Bad selbst wie seine Westentasche. „Wir haben am Seeweg gewohnt. Als Kinder sind wir hier quasi aufgewachsen, haben unsere Sommer im Bad verbracht, sind teilweise mehrmals täglich hergekommen.“

Schönstes Kompliment
Auch Meier hat während seiner Jugend viel Zeit im Bad verbracht, war auch, wie alle Bademeister, beim DLRG und wurde schließlich von Salzl bearbeitet, doch selbst Bademeister zu werden. „Der Anderl hat mich lange überredet“, sagt Meier. Der willigte ein. Und dann, einige Zeit später, mitten in der Badesaison 2002, sagte Salzl: „Sepp, morgen bin ich nicht mehr da.“ Der meinte nur: „Das kannst doch nicht machen.“ Aber Salzl hielt Wort, ging in Altersteilzeit und Meier war fortan alleine verantwortlich, musste von heute auf morgen selbst Entscheidungen treffen, die ihm bisher Salzl abgenommen hatte.
Mittlerweile steht Meier schon länger als einst Salzl am Beckenrand, nämlich 25 Jahre. Längst ist auch für Meier das Bad wie sein eigenes Baby, das ihm Salzl vertrauensvoll weiterreichte.
Wenn er dann an ruhigen Tagen über die gepflegte Anlage blickt, wenn das Schwimmerbecken azurblau schimmert, dann ist das auch für Meier ein schöner Moment. Wenn dann noch ein Gast sagt: „So ein Wasser, wie ihr habt, das hat man selten“, dann ist das ein schönes Kompliment, das Meier ein Lächeln auf die Lippen zaubert.
Ohne DLRG gäbe es kein Bad
Einweihung: Am 3. Juni 1965 wurde das Freibad Abensberg eingeweiht. Vorher wurde in der Abens gebadet.
DLRG: Beschäftigte der Stadt Abensberg und die DLRG-Ortsgruppe Abensberg übernehmen seitdem in zuverlässiger Weise die Betreuung und den Aufsichtsdienst. Die Bademeister kamen auch immer aus den Reihen der DLRG
Fest: Am 21. Juni feiern die Delphine zusammen mit der DLRG das Jubiläum mit vielen Aktionen, Musik und bei freiem Eintritt (Bericht folgt).