Freibad Abensberg ist offen – die ersten Stammgäste sind schon da

Seit 13. Mai ist das Freibad Abensberg geöffnet – Hartgesottene drehen schon ihre Runden.
Nebenan im Kindergarten rutschen und schaukeln die Kleinen mit Mützen auf dem Kopf, während Winfried Liedtke im Freibad gemütlich seine Runden im Wasser dreht. Täglich schwimmt er zwischen 300 und 500 Meter. „Bei Regen ist es am Schönsten“, meint der Stammgast.
Nun, Regen hat er an diesem grauen Tag, der so gar nicht nach Mai aussehen will, zwar nicht. Dafür aber 15 Grad Außen - und 16 Grad Wassertemperatur – kein Problem für Liedke: „Es geht eigentlich, ich fühle mich jetzt gar nicht so ausgekühlt“, sagt er, wendet dann, elegant wie ein Seehund, und schwimmt noch ein paar Runden.
Am Beckenrand steht derweil Josef Meier, Bademeister, oder, ganz offiziell: Fachangestellter für Bäderbetriebe und Leiter des Freibads. Im Sommer gleicht das Bad mit rund 3500 Gästen täglich einem Wimmelbild, davon ist heute nichts zu sehen, „aber die Harten kommen selbstverständlich“, lacht er.
Seit 13. Mai, also seit etwas mehr als eine Woche ist das Freibad geöffnet. Der Termin ist fix, das Freibad Abensberg macht immer am Samstag Mitte Mai auf und schließt immer nach dem Sonntag Mitte September. „Vor allem an warmen Tagen klingelt sonst die ganze Zeit das Telefon, weil die Leute wissen wollen, wann wir aufsperren.“ Durchaus habe es schon Überlegungen gegeben, einen Woche später aufzumachen, „aber man kann das Wetter nicht voraussagen“.
Zwei Millionen Maß Wasser
Bevor die Gäste so unbeschwert eine Auszeit im Bad genießen können, wird freilich fleißig gewerkelt. „Wir starten etwa sechs bis sieben Wochen vor der Eröffnung“, sagt Meier. Dazu gehöre nicht nur das Saubermachen sondern auch Reparaturarbeiten. So wurden heuer beispielsweise die Rasensprinkleranlage erneuert, am Nichtschwimmerbecken wurde der Beckenrand neu bepflanzt.
Zum Schluss kommt das Wasser: Drei bis vier Tage lang dauert es, um die Becken zu füllen, „wir können ja dem Wasserwerk nicht das ganze Wasser auf einmal abnehmen“, sagt Meier schmunzelnd. Immerhin 2000 Kubikmeter, „so viel wie zwei Millionen Maßkrüge“, passen in die Becken rein. Unterirdisch wird das Wasser dann immer wieder umgewälzt und neu aufbereitet. Meier und seine beiden Teamkollegen sorgen dafür, dass die Qualität jederzeit passt.
Vor allem morgens sind sie im Untergrund mit der Technik beschäftigt, aber an den Monitoren im Häuschen neben dem Becken flimmern die Wasserwerte immerzu über den Bildschirm, „wenn da was nicht in Ordnung ist, dann würde ich das sofort sehen, dann können wir ganz schnell reagieren“, sagt Meier. Das wiederum ist nicht zuletzt seiner Erfahrung geschuldet. Meier ist seit 1.Mai 2000 Bademeister im Freibad Abensberg, „ich bin in das Bad hineingewachsen“, sagt er. Schon als 15-Jähriger verbrachte er seine Freizeit hier, lernte zunächst Radio- und Fernsehtechniker, bevor er dann in seinen 30ern noch einmal umschulte.
Bademeister sind Ersthelfer und Problemlöser
Technisches Verständnis gehört also dazu zu seinem Job. Aber Meier und seine zwei Kollegen sind auch Ersthelfer, Problemlöser, Streitschlichter. Sie müssen eine gewisse Autorität haben, Grenzen setzen, wo es sein muss, auch mal einen Badegast heimschicken. An heißen Tagen gleicht das Freibad einem Mikrokosmos: Da sind kleine Kinder, die noch nicht schwimmen können und eventuell in eine Wespe treten, da sind die Jugendlichen, die nicht hören wollen, Eltern, die ihre Ruhe haben möchten oder Rentner, die gemächlich ihre Runden drehen.
Ihnen allen gilt es, gerecht zu werden, „auf den Bademeister wälzt sich alles ab“, sagt Meier, „da bist den ganzen Tag gefordert“. Alles zu sehen – unmöglich. Deshalb ist es ihm auch ein ganz besonderes Anliegen, dass Eltern ihre Kinder selbst im Auge haben. Unterstützt werden Meier und sein Team am Wochenende zwar durch die DLRG, aber selbst die Rettungsschwimmer können nicht alles im Blick haben.
Irgendwann hat dann auch Meier Feierabend. Den verbringt er aber nicht am Beckenrand, meist nicht einmal in Freibadnähe, „so sehr wie mir das Bad auch am Herzen liegt“. Entspannen könnte er aber weder in „seinem“ noch in einem anderen Freibad.
Auch Stammgast Liedke ist fertig für heute und steigt aus dem Becken: „Kommst heut noch mal wieder?“ , ruft ihm Meier scherzend hinterher. „Nein, aber morgen“, antwortet der lachend.
