Trotz Sattelzug-Unfall: Bemühungen um Verkehrsberuhigung in Pottenstetten drohen zu scheitern

Den 25. Februar haben die Pottenstettener bestimmt noch in Erinnerung: Am Vormittag dieses Tages war mitten im Ort ein mit 26 Tonnen Zement beladener Sattelzug umgekippt. Wie durch ein Wunder gab es außer dem Fahrer, der leichte Blessuren davontrug, keine Verletzten. Doch die Reaktionen waren deutlich: Bürger und Kommunalpolitiker forderten Maßnahmen zur Verbesserung der Verkehrssicherheit. Ein Vierteljahr nach dem Unglück stellt sich die Frage: Wurden oder werden tatsächlich Konsequenzen gezogen – oder bleibt alles, wie es ist?

Rückblende: Kurz nach dem spektakulären Unfall im Kern der nördlichen Umlandgemeinde hatten mehrere Anwohner ihre Erfahrungen geschildert. Demnach habe nicht nur die Verkehrsdichte auf der Kreisstraße SAD10 zugenommen, sondern auch die Rücksichtslosigkeit. Viele Kraftfahrer passierten den Ort trotz Warnhinweisen deutlich zu schnell. So sei ein schwerer Unfall nur eine Frage der Zeit gewesen. Versuche. Lastwagenfahrer durch am Straßenrand geparkte Autos zu bremsen, sei mit nächtlichem Hupen und sogar Drohungen quittiert worden. Ein Anwohner fing sich eine Ohrfeige ein.
Klare Forderungen von Anwohnern und Politikern
Verantwortliche der Stadt und der Polizei nahmen die Aussagen sehr ernst. Kommunalpolitiker, allen voran Bürgermeister Thomas Gesche (CSU) sowie die Stadträte Thomas Hofmann (ebenfalls CSU) und Josef Schießl (FWL), machten sich zu Fürsprechern der Pottenstettener.
Gesche schlug zum Beispiel vor, in einem „besonders sensiblen Teilbereich“ der Ortsdurchfahrt, nämlich zwischen der Kirche und dem Neubaugebiet, Tempo 30 zu beantragen – obwohl so ein Tempolimit für Kreisstraßen eigentlich ausgeschlossen ist. Der Bürgermeister glaubt trotzdem an eine Chance, weil es sehr gute Gründe gäbe, eine Ausnahme von der Regel zuzulassen.
Über zwei Wochen wurden Daten erfasst
Die Polizeiinspektion Burglengenfeld sah sich indes veranlasst, nicht nur Meinungen zu hören, sondern Fakten zu sammeln. Kurz nach dem Unfall ließ sie nahe der Unfallstelle ein Gerät installieren, das über einen Zeitraum von mindestens zwei Wochen rund um die Uhr das Verkehrsgeschehen erfasste. Die sogenannte verdeckte Messung lieferte laut Oberkommissar Stefan Hannig interessante Erkenntnisse, allerdings mit viel Interpretationsspielraum und ohne die Erfassung von Kennzeichen.
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So seien zwar tatsächlich mehrere teils gravierende Geschwindigkeitsübertretungen dokumentiert worden. Die Verstöße hätten sich aber auf die unterschiedlichsten Tageszeiten verteilt, berichtet der Beamte. Auch wisse man nicht, um wen es sich bei den Sündern gehandelt habe. Der Verdacht gegen eine bestimmte Gruppe, wie etwa Lkw-Fahrer, ließe sich nicht erhärten. Es sei nicht auszuschließen, dass zum Beispiel ein Notarzt aus nachvollziehbaren Gründen Gas gegeben habe.
Verkehrsschau blieb noch ohne Ergebnis
Insgesamt, so Hannig weiter, liege nun ein Bild vor, dass sich nicht mit den subjektiven Eindrücken der direkten Kreisstraßen-Anlieger decke. Die fehlenden strukturelle Auffälligkeiten machten es schwer, gezielt Maßnahmen zu ergreifen.
Das gewonnene Zahlenmaterial war kürzlich Gegenstand einer Verkehrsschau, an der neben Hannig auch ein Vertreter des Landratsamts und der Geschäftsleiter der Stadt Burglengenfeld, Ordnungsamtschef Wolfgang Weiß, teilnahmen. Sie diskutierten über den Ist-Zustand und die gewonnenen Fakten, mehr nicht.
Wir wollen nur etwas anordnen, was auch rechtmäßig ist.
Polizeioberkommissar Stefan Hannig
Ein wesentlicher Punkt: Grundvoraussetzung für eine verkehrsrechtliche Anordnung, welcher Art auch immer, ist laut Hannig eine Begründung mit Hand und Fuß. Nur dann sei sie rechtmäßig und nur dann halte sie einer richterlichen Prüfung stand. Dass jemand, dem eine Anordnung missfällt, dagegen klage, sei nicht unwahrscheinlich, meint Hannig, im Gegenteil. Die Bereitschaft dazu, sei mittlerweile ausgeprägt, „allem wird widersprochen“. Die Institution, die eine Entscheidung getroffen habe, sei dann in der Pflicht, Argumente zu liefern.
Pottenstettener Bürger hadert mit Behörden
Noch ist nicht aller Tage Abend. Laut Hannig wird es in der Sache Pottenstetten einen Folgetermin geben, und Wolfgang Weiß versichert auf Anfrage der MZ, dass der derzeit urlaubende Bürgermeister an seiner Tempo-30-Forderung festhalte.

Mit der Sachlage konfrontiert, schüttelte ein Pottenstettener nur den Kopf. Es sei nicht zu fassen, wie langsam die Behörden arbeiteten und welch hohe Hürden selbst für sinnvolle Maßnahmen errichtet würden. Dabei sei der Fall in Pottenstetten doch klar: Das Risiko, dass Kraftfahrer zu schnell durch den Ort rauschten, sei schon wegen des leichten Gefälles an beiden Einfahrten groß. „Aber in Deutschland macht man sich alles immer schwer. Für alles braucht es erst Beweise“, hadert der Mann.
Die Unfall-Akte liegt übrigens längst bei der Staatsanwaltschaft Amberg. Ob sich der Fahrer des umgekippten Lastwagens wegen Gefährdung des Straßenverkehrs zu verantworten hat oder nicht und welche Strafe ihm gegebenenfalls droht, ließ sich am Donnerstag nicht mehr klären.