Trotz Zunahme der Gewaltkriminalität: Städtedreieck bleibt eine der sichersten Regionen der Oberpfalz

Trotz eines Mordes und einer deutlichen Zunahme bei der Gewaltkriminalität im Allgemeinen war die Sicherheitslage im Städtedreieck auch 2024 überdurchschnittlich gut. Dies ist die klare Botschaft der Polizei, die am Dienstag die Kriminalitätsstatistik für das vergangene Jahr präsentiert hat.
Das sogenannte Sicherheitsgespräch, das im Kalender einen festen Platz hat, fand heuer im Rathaus von Maxhütte-Haidhof statt. Erster Polizeihauptkommissar Franz Wenig, Leiter der Inspektion Burglengenfeld, betonte den Wert des Treffens mit den Rathauschefs. Der Gedankenaustausch verleihe Auftrieb. Mit den Stadtverwaltungen sei die Polizei gut vernetzt, die Zusammenarbeit sei prima, lobte Wenig.
Aufklärungsquote ist erneut sehr hoch
Seinen Angaben zufolge ist die Gesamtzahl der Straftaten im Städtedreieck im vergangenen Jahr deutlich gesunken, nämlich um 16,2 Prozent von 1117 auf 937. Gleichzeitig ist es gelungen, die Aufklärungsquote auf einem hohen Level zu halten: Mit 73,2 Prozent liegt sie noch etwas über dem schon beachtlichen Ergebnis von 2023 (72,2 Prozent).
Die Zusammenarbeit mit den Ordnungsämtern ist sehr gut. Wir sind in alle Büroeinheiten gut vernetzt.
Franz Wenig, Leiter der PI Burglengenfeld
Das Risiko, Opfer einer Straftat zu werden, war laut Wenig im Städtedreieck wie schon in den zurückliegenden Jahren etwas geringer als im Kreis Schwandorf, im Landesvergleich sogar deutlich. Dabei ist der Freistaat ohnehin das sicherste Bundesland.
Vier Wohnungseinbrüche, aber nur „einen klassischen“
Zu den einzelnen Deliktgruppen: Laut Polizeichef Wenig ist die Zahl der einfachen Diebstähle in 2024 um über 35 Prozent auf 71 Fälle gesunken. Bei den Ladendiebstählen lag das Minus bei 32,9 Prozent. Andererseits nahm die Zahl der schweren Diebstähle weiter zu, und zwar um rund 35 Prozent auf 65 Delikte.
Wenig versuchte, das heftige Plus zu relativieren. Seinen Worten zufolge umfasst die Zahl 19 versuchte Diebstähle, die aber gleichwohl als „schwere Fälle“ einzustufen gewesen seien. Wohnungseinbrüche wurden vier bearbeitet, drei mehr als 2023. Trotzdem bestehe „kein Grund zur Sorge“, betonte Wenig. Nur in einem Fall habe es sich um einen „klassischer Einbruch“ gehandelt.
Häusliche Gewalt: Kommt es schneller zur Anzeige als früher?
Zur Gewaltkriminalität: Der Mord an einer jungen Frau in Maxhütte-Haidhof, begangen Anfang Mai 2024, konnte rasch geklärt werden. Zu einer Verurteilung des Tatverdächtigen kam es dennoch nicht. Der Ex-Freund des Opfers nahm sich heuer, kurz vor Prozessbeginn, im Gefängnis das Leben. Die Statistik 2024 weist 48 weitere Gewaltdelikte auf – 17 mehr als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum, was einem Plus von rund 55 Prozent entspricht.

In rund 90 Prozent aller Fälle wurden die Täter ermittelt, berichtete Wenig. Die Quote sei deshalb so hoch, weil es sich bei den allermeisten Fällen um häusliche Gewalt gehandelt habe. Die Polizei habe also nicht lange suchen müssen, weil sich Opfer und Aggressor kannten. Die Zunahme von handfesten Konflikten zwischen Personen, die in enger persönlicher Beziehung leben, sei ein bayernweit erkennbares Phänomen.
Weshalb dies so ist? Wenig erklärte, mit einer wissenschaftlichen Studie dazu könne er nicht dienen. Aus seiner Sicht sei es aber zum Beispiel denkbar, dass Frauen Misshandlungen, verübt vom Lebenspartner, heute eher zur Anzeige bringen würden als früher. Das Selbstbewusstsein habe in der jüngeren Generation eventuell zugenommen, „so dass sie sich nicht mehr so viel gefallen lässt“.
Straßenkriminalität war deutlich rückläufig
Auch die Straßenkriminalität verfolgt die Polizei mit Argusaugen. Sie auf niedrigem Niveau zu halten, sei wichtig, weil sie sich im öffentlichen Raum abspiele, also sichtbar sei und so das Sicherheitsgefühl der Bürger beeinflusse, erklärte Wenig.
Insofern konnte der Polizeichef heuer besonders zufrieden sein: Die Fallzahl ist von von 213 auf 109 eingebrochen, hat sich also nahezu halbiert. Sogar die Partyzone zwischen dem Marktplatz und der Kirchenstraße in Burglengenfeld, die der Polizei in Vorjahren öfter Kummer bereitete, sei 2024 „gering belastet“ gewesen.
Auch hier tat sich der Dienststellenleiter bei der Ursachenforschung eher schwer. Vielleicht habe das Wetter eine Rolle gespielt, vielleicht habe sich das Freizeitverhalten der Menschen geändert, mutmaßte er. Die Schließung der Ankerzentrum-Außenstelle im ehemaligen Toom-Baumarkt sei jedenfalls nicht der Grund, denn die Menschen, die dort untergebracht waren, seien durch Gewalt im öffentlichen Raum nie besonders auffällig geworden – eher durch Ladendiebstähle.
Rauschgiftkriminalität: Statistik bietet trügerisches Bild
Im Bereich der Rauschgiftkriminalität bietet die Statistik ein trügerisches Bild: Die Zahl der Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz ist von 140 auf 51 gesunken, beim illegalen Handel und Schmuggel ist ein Rückgang von 25 auf fünf Fälle dokumentiert.
50 Gramm Gras - das ist ein Riesenberg,
Franz Wenig, Erster Polizeihauptkommissar
„Das bedeutet aber nicht, dass weniger illegale Drogen konsumiert werden oder dass es weniger Abhängige gibt“, betonte Polizeichef Wenig. Der starke Rückgang der Delikte sei eine Folge des Cannabisgesetzes, das es seit April 2024 erlaubt, 25 Gramm „Gras“ mit sich zu führen und die doppelte Menge zuhause aufzubewahren. Laut Wenig ist das „ein Riesenberg“. Diese Großzügigkeit der Legislative sei aus polizeilicher Sicht nicht nachvollziehbar, sagte Wenig, aber „wir müssen uns danach richten“. Der Kontrolldruck werde weiter hoch gehalten.
Wir wollen nur das Beste für die Bürger, und da gehört das Sicherheitsempfinden dazu.
Rudolf Seidl, Bürgermeister von maxhütte-Haidhof
„Wir sind stolz auf unsere Polizei“, resümierte Gastgeber Rudolf Seidl (UWM). Schon bei der Begrüßung hatte der Maxhütter Bürgermeister, der bis zu seiner Wahl 2020 selbst als uniformierter Gesetzeshüter sein Brot verdiente, von einer „hervorragenden Leistung“ gesprochen. Diese wolle man mit Fakten belegen, um so auch dem „subjektiven Empfinden“ des einen oder anderen Bürgers etwas entgegenzusetzen.