Bavarian Caps: Vom Versand aus dem Kinderzimmer zum bekannten bayerischen Mode-Label

Aus einer Bierzelt-Idee wurde ein junges, mittelständisches Unternehmen. Seit zehn Jahren verbindet Bavarian Caps bayerische Tradition mit jungem Stil. Bald eröffnen die Kelheimer einen Laden am Münchener Flughafen und bringen KI ins Spiel.
Gute Freunde, die miteinander eine Firma gründen. Das kann gründlich schiefgehen. Bei „Bavarian Caps“ in Kelheim können sie über betriebliche Fragen streiten und „nach wie vor privat miteinander abhängen“, sagen Johannes Sänger, Peter Schels und André Lang. Ihre Firma gibt es seit zehn Jahren. Nach wie vor sind die jungen Mode-Unternehmer auf der Erfolgsspur. 2025 bauen sie die Firmenzentrale aus und feilen an einem neuen Projekt.
Erst vor zwei Jahren hat Bavarian Caps das neue Holzgebäude im Kelheimer Donaupark bezogen. Nun wird angebaut. Büros wie Logistikhalle mit den Hochregallagern sollen um das gut Doppelte wachsen.

2015 fing in Johannes’ Kinderzimmer in der Bauersiedlung alles an. Peter hatte am Oktoberfest im Jahr zuvor die Idee geboren, ein modernes Käppi auf den Markt zu bringen, das man auch zur Lederhose tragen kann. Herauskam eine dunkelgraue Filzkappe mit Edelweiß im Hip-Hop-Style.
300 Stück ließen sie produzieren. Im Handumdrehen waren sie weg. Verkauft wurde „zu 100 Prozent“ online. Auch weil das Käppi Sportläden „zu trachtig“ und Trachtengeschäften „zu sportlich“ war. Für die Gründer war das Cap die perfekte Verbindung von Tradition und Moderne.
Schweini trug ihr Cap
Dass im ersten Sommer die Fußball- und Skistars Bastian Schweinsteiger und Felix Neureuther das Edelweiß-Käppi trugen, brachte Aufmerksamkeit und viele neue Kunden. Auch die Kooperation mit dem bayerischen Hip-Hop-Duo „Dicht & ergreifend“ zahlte sich aus. Beide Seiten steigerten ihren Bekanntheitsgrad.

Inzwischen gibt es unzählige Käppi-Varianten – mit Logos von Brauereien oder Sportvereinen wie dem FC Bayern oder SSV Jahn oder mit Kindheitsidolen wie Pumuckl, Pippi Langstrumpf, dem Münchner im Himmel oder den Peanuts. Zudem ist Bavarian Caps „offizieller Ausstatter“ des Oktoberfests. 2024 gab es erstmals ein Käppi vom Gillamoos.
Zu den Kappen kamen T-Shirts, Hemden, Mützen, Socken, Lederhosen und vieles mehr. Diesen Herbst sollen Taschen und Rucksäcke folgen.
Das Business betrieben sie zunächst nebenher. André heuerte nach dem Jura-Studium im Veranstaltungsmanagement an, Peter arbeitete als Realschullehrer, Johannes promovierte in Wirtschaftsinformatik. Sein Vater Heribert verschickte die Käppis.

Doch bald reichte das nicht mehr. Zudem brauchte es Mitarbeiter. In den fünf Geschäften, die sie in Süd- und Ostbayern eröffneten, wie in der Kelheimer Zentrale sind heute 80 Frauen und Männer beschäftigt. Gut ein Viertel davon in der Kreisstadt. Hier sind Design, Buchhaltung, Marketing, Logistikhalle und Vertrieb angesiedelt.
„Ein großer Erfolgsfaktor war, dass wir vieles selbst machen“, sagt Johannes. Er programmierte alles vom Warenwirtschaftssystem bis zum Webshop. Das sparte viel Geld. Und auch wenn sie bei anderen großen Online-Händlern angedockt sind, „wird nach wie vor alles von Kelheim aus verschickt“.

Wie viele Käppis sie bereits verkauft haben, bleibt Firmengeheimnis. Über genaue Zahlen wollen die drei Männer nicht reden. Bavarian Caps sei nach wie vor ihre gemeinsame Leidenschaft, sagen sie. Doch mit immer mehr Mitarbeitern „steigt die Verantwortung und verfliegt die Romantik“, sagt André.
Er ist zuständig für Marketing, Vertrieb und Personal. Johannes teilt sich mit seinem Vater die Geschäftsführung und entwickelt die Produkte. Peter rückt diese ins rechte Licht, koordiniert Foto-Shootings, kümmert sich um Marketing und Social Media. Der fünfte Gründer, Sebastian Kolbinger, lebt in München. „Zum Feiern kommt er aber“, sagen die Freunde und grinsen.
Ob es auch mal Fehlentscheidungen gab? „Ich weiß nicht, ob zu kleine Räume ein Fehler waren. Aber es zeigte sich, dass immer kurz nach unserem Einzug das Lager zu klein war“, sagt André. Mancher unkt, dass die regionalen Käppis gar nicht aus Bayern kommen. „Die hochwertigsten Caps, die man derzeit kriegen kann, kommen aus China“, kontert Johannes. Weitere Produkte wie Hemden, T-Shirts und Hosen kommen aus anderen Ländern mit großer Textil-Tradition. Aus der Türkei oder Portugal. Mützen und Stirnbänder werden in der Oberpfalz gestrickt. Eine „faire Sportmütze“ enthält Fasern aus der Kreisstadt, von Kelheim Fibres. „Wir versuchen einen Mittelweg zwischen regional verwurzeltem Hersteller und Qualität“, sagt André.

Verkauft wird mittlerweile nicht nur online und in eigenen Geschäften. Auch 150 Einzelhändler in Bayern und Österreich vertreiben ihre Produkte. Bavarian Caps sei hier gut bekannt. „Aber da geht noch mehr“, sagen die Kelheimer.
Ein Store am Flughafen
Ein weiterer Baustein dafür soll der neue Shop am Münchener Flughafen sein. Ab August öffnen sie diesen erst einmal testweise für sechs Monate.
Bis August soll auch das neue Lager in Kelheim bezugsfertig sein. Der Rest des Anbaus bis Anfang 2026. Ein zweiter Briefkasten an der Kelheimer Zentrale zeugt von ihrem neuen Projekt. Mit „Snap United“ sollen sich Kunden künftig in kleiner Stückzahl ihre Käppis selbst entwickeln können. KI hilft mit.

Bavarian Caps: Open Air in Kelheim
• Termin: Am Samstag, 7. Juni, ab 11 Uhr lädt Bavarian Caps an der Schiffsanlegestelle Altmühl in Kelheim zum Jubiläums-Open Air ein.
• Programm: Los geht es mit einem Frühschoppen mit Blasmusik und Goaßlschnalzern. Auch für Kinder ist etwas geboten.
• Musik: Zu Gast sind DJs und Livebands, zum Beispiel BBou und DisM. Auch die Kelheimer Band Mindless tritt auf. Der Eintritt ist frei.
• Jubiläum: Zum Zehnjährigen gibt es eine Jubiläums-Kollektion sowie ein Trikot. Gefeiert wird bei jedem Wetter unter dem Zeltdach.