Donikkl bitter enttäuscht von Helene Fischer: Sie singt sein Fliegerlied – und sagt keinen Ton

Von Martin Rutrecht · 2. Juni 2025 um 19:00

Helene Fischer wird von Millionen Fans gefeiert. Der Schlagerstar setzt seit kurzem auch auf Kinderlieder. Auf einem Album singt sie auch das Fliegerlied des Liedermachers Donikkl aus Ihrlerstein (Landkreis Kelheim). Aber ein Verweis auf ihn als Künstler findet sich nirgends. „Da fehlt jede Wertschätzung“, klagt der Kinderinterpret. Auf Anfrage der MZ sagt die 40-Jährige – nichts.

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Sie zählte schon zu den Top Ten der bestbezahlten Musikerinnen der Welt. Das Ranking des Magazins Forbes sah Helene Fischer in 2018 auf Rang acht, mit geschätzten 28 Millionen Euro Einnahmen. Wenn auf Sozialen Kanälen das Fliegerlied – eigentlicher Titel: „So a schöner Tag“ – aus ihrem Munde läuft, erhält Andreas Donauer alias Donikkl exakt 0,06 Cent pro Stream.

„10.000 Streams bringen mir also sechs Euro“, rechnet der 49-jährige Kinderliedermacher vor. Das sind die Gebühren über die Gema (Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte).

„Mir geht es nicht ums Geld. Mir fehlt der Respekt.“

Aber, so schickt der Pädagoge nach, „mir geht es nicht ums Geld. Mir fehlt der Respekt, dass sie hier mein geistiges Eigentum verwendet.“ Zumindest einen Hinweis auf Fischers Album „Die schönsten Kinderlieder“ (erschienen im November 2024) oder in den Internetstreams auf ihn als Originalinterpreten hätte er sich gewünscht. „Nur im Kleingedruckten steht im Booklet hinten Andreas Donauer.“ Schon im Vorfeld hätte sich die Schlagersängerin oder ihr Management melden können. „Da rührte sich niemand.“

Zwei CDs als Dankeschön

Dennoch erfuhr der Ihrlersteiner vorab von einer geplanten Veröffentlichung. „Die Rede war von einem Soundbook. Ein Musikverlag rief mich dazu an.“ In diesem Hörbuch sind die Kinderlieder auf einen Ausschnitt von 20 Sekunden begrenzt. „Dem habe ich zugestimmt und erhalte dafür eine kleine Vergütung.“

Doch dann erschien neben dem Soundbook ein komplettes Album. „Ich bekam zwei CDs mit der Post zugeschickt“, lächelt Donikkl gequält über die sparsame Geste des Dankes.

Seit 2008 geht „So a schöner Tag“ voll ab

Verärgert ist Donauer nicht. „Ich finde es toll, dass sie auf mein Lied setzt. Ich schätze sie auch als Künstlerin. Aber ihre Songs höre ich mir nicht an.“ Für den 49-Jährigen steckt hinter Fischers Verwendung seiner Nummer ein Kalkül. „Das Fliegerlied ging ab dem Jahr 2008 voll ab. Feste, Partys, Kinderfeiern – überall wurde es gespielt.“ Donikkl erhielt Handyvideos, auf denen Besucher von Hardrock-Festivals zu seinem Hit abtanzen. „Wie oft es bisher gespielt wurde, kann ich nicht sagen.“

Vor zehn Jahren bekam er eine Auszeichnung für zehn Millionen Aufrufe in Streams, im Verkauf und auf der Bühne. „Aber die Zahl ist nicht wirklich verbrieft.“ Fischer konnte auf einen erprobten Kinderschlager bauen. „Sie hätte doch auch selbst ein paar Kinderlieder schreiben können“, sagt Donauer.

Tim Toupet und „Die jungen Zillertaler“ coverten sich zu Platin

Gecovert wurde „So a schöner Tag“, das Donikkl 2001 komponierte, immer wieder. Was keine Verletzung des Urheberrechts darstellt. „Bleiben Text und Melodie unverändert, bedarf es keiner Zustimmung des Songwriters“, erläutert Donauer. Nur die Gema-Abgabe fällt an. Sänger Tim Toupet und die „Die jungen Zillertaler“ bekamen für die verkaufte Auflage (20.000 Stück) des Fliegerlieds jeweils Platin-Schallplatten.

„Auch sie haben meinen Künstlernamen Donikkl nie erwähnt.“ Bezeichnendes Bonmot: Tim Toupet wollte Donikkl später über eine Agentur eine Kopie der Platin-Platte zukommen lassen – „wegen einer falschen Adresse landete sie aber im Müll“.

Eisernes Schweigen von Helene Fischer

Vergeblich wandte sich der Ihrlersteiner nach Veröffentlichung des Albums an die Sängerin. „Nenn’ mich doch bitte!“, lautete sein Appell. „Keine Reaktion, keine Flasche Wein“, sagt Donikkl lakonisch. Auch das „Netzwerk Kindermusik“ schrieb an sie und ihr Management. „Unsere Vorsitzende regte an, doch gemeinsam etwas zu machen. Wir Kinderliedermacher schweben in der Musikszene unter dem Radar.“ Erneut keine Reaktion.

Eine Anfrage unserer Zeitung beim Schlagerstar zeitigte den selben Erfolg – keine Antwort. Laut mehreren Medienberichten und nach Donikkls Aussage hält Fischer es nicht für nötig, Kindermusik-Kollegen an angemessener Stelle als Urheber zu nennen. „Das ist enttäuschend und respektlos. Wir reden nicht von traditionellem Liedgut wie ,Alle meine Entchen’ oder ,Hoppe hoppe Reiter’.“ Diese Lieder finden sich auch auf dem Album.

Ein Duett mit ihr? „Da müsste ich Giovanni Zarrella sein“

Donikkl rechnet nicht mehr mit einer Reaktion des deutschen Stars. Er könnte sich vorstellen, mit ihr gemeinsam bei einem Auftritt das Fliegerlied zu singen. „Aber das bringt ihr nichts. Etwas anderes wäre es, wenn ich Giovanni Zarrella heißen würde.“ Für den Ihrlersteiner ist „die Sache durch. Rechtlich hat sie korrekt gehandelt, das war’s.“

Und blickt mit Genugtuung auf seinen Song und seinen Werdegang. Mit 15, 16 Jahren klampfte Donauer zusammen mit Robert Gratzl an der Donau-Schiffsanlegestelle bei Kloster Weltenburg Hits von STS oder John Denver. Die Abschlussarbeit in seinem Studium brachte ihn erstmals in Hörweite zu Kinderliedern, er analysierte 4000 Stücke. Und schrieb den „Reggae Opa“, mit dem er unter Gewinnern eines deutschlandweiten Musikwettbewerb war. „Das war der Start von Null auf Hundert.“

Es folgt ein Bewegungslieder-Album – erneut mit Donikkl-Hits?

Helene Fischer, Mama der dreijährigen Nala, will laut Donikkl dem Kinderlieder-Album ein weiteres mit Bewegungsliedern folgen lassen. „Da hätte ich auch einige im Repertoire“, schmunzelt Andreas Donauer.

Helene Fischer ist seit 2021 auch Mutter – da bieten sich Kinderlieder wohl an. Foto: Marcus Brandt, dpa