Hit-Potenzial: Donikkl geht mit Inklusionsband #eigenArt viral

Die Sonne scheint, ein Golfcart rollt über den Parkplatz, fröhliche Gesichter lächeln in die Kamera. Musik erklingt. Die Golfcart-Fahrer beginnen zu rappen: „Wir heben heut die Tassen, wir jubeln vor Freude, es wird Zeit für ein Lied für alle guten Freunde.“
Die Kamera schwenkt zu einer großen Gruppe: Rollstuhlfahrer, tanzende Menschen und ein zweites Golfcart. „Was für ein Glück, bei dir kann ich sein, du bist Familie, mein zweites daheim“, heißt es weiter im Song.
Es ist Gute-Laune-Rap mit Hit-Potenzial. Das Lied „Freunde für immer und immer“ der inklusiven Band #eigenArt aus Schönbrunn (Lkr. Dachau) wurde fast zehntausend Mal auf Youtube angeklickt. 23 Menschen mit geistiger Behinderung haben gemeinsam mit dem Kelheimer Musiker Donikkl einen Song geschaffen, der seit kurzem als Stream und Musikvideo im Internet zu finden ist. Es soll ein Statement für Inklusion, Vielfalt und Freundschaft sein, wie es in der Pressemitteilung des Franziskuswerks Schönbrunn heißt.
Projekt ist eine Herzenssache
Das Franziskuswerk ist eine der größten Einrichtungen für Menschen mit geistiger Behinderung in Bayern. 1600 Mitarbeiter kümmern sich um rund 850 Menschen, die dort leben, arbeiten und lernen. #eigenArt entstand als musikpädagogisches Projekt im Jahr 2017. Thomas Mayr, Heilerziehungspfleger im Franziskuswerk und Projektleiter beschreibt den neuen Song als „Hymne auf die Freundschaft“. Gefördert wurde das Projekt auch von der Aktion Mensch. „Wir sind dafür sehr dankbar“, sagt Mayr. Der Leiter half auch beim Text des Liedes mit: Ausgehend von Einzelinterviews mit den Künstlern, in denen es um Freundschaft und Gemeinschaft ging, formulierte er den Songtext gemeinsam ihnen.
„Was für ein Glück, bei dir kann ich sein, du bist Familie, mein zweites Daheim (...) denn wir sind Freunde für immer und immer.“ Das Musikvideo geht in einem Schwimmbad weiter. Die Hip-Hopper schwingen Handtücher. Sie tanzen zusammen im Garten. Sie umarmen sich mit Donikkl, der eine gelbe Hose und Kappe trägt. Der Kelheimer Musiker, mit bürgerlichem Namen Andreas Donauer, erlangte überregionale Bekanntheit mit dem Song „So a schöner Tag (Fliegerlied)“. Donauer wurde unteranderem 2013 mit dem Bayerischen Staatspreis für Musik ausgezeichnet.
Das Projekt sei eine Herzensangelegenheit gewesen, sagt Donikkl zur Mediengruppe. Kennengelernt hat der Kelheimer die Schönbrunner Musikgruppe im vergangenen Jahr beim Sommerfest des Franziskuswerks. „Da hab ich mich sofort schockverliebt“, sagt Donauer und lacht. „Wir haben zusammen getanzt, gesungen und uns einfach gut verstanden.“ Die Leichtigkeit und Lebensfreude habe ihn total umgehauen. „Krass, wie, die Gruppe aus sich rausging, was für eine Energie drin ist, einfach 100 Prozent Lebensbejahung.“ Er habe anschließend den ganzen Abend mit der Band gefeiert.
Danach sei laut Donikkl die Idee gereift ein gemeinsames Lied zu komponieren. Nach fünf Wochen harter Teamarbeit, 135 Tonspuren und einem ganz Tag Videodreh konnte sich das Ergebnis sehen lassen. „Hey, das ist ein richtiger Hit“, meinte ein Bekannter zu Donauer. Der Produzent betonte immer wieder, dass die Aufmerksamkeit den Hip-Hop-Musikern von #eigenArt gebührt. Die Konzentration der Inklusionsband bei der Arbeit im Studio sei unglaublich beeindruckend gewesen.
Die besten Momente
Denn: Selbst Behinderungen wie das Down-Syndrom hielten die Sprechgesang-Artisten nicht von ihrem Können ab. Das Lied habe deshalb etwas „Heiliges“, sagt Donauer − auch wenn er das Wort normal nie benutzen würde. Während der Produktion im Studio hatte jedes Bandmitglied die Möglichkeit, sich mit seinem ganz persönlichen Talent einzubringen. „Niemand muss alles können. Wenn jemand nicht sprechen, sondern nur Geräusche machen konnte, dann haben wir das wie ein DJ als Rhythmus eingescratcht.“
Das Video sei deshalb so geschnitten, dass bei jeder Tonsequenz auch der Künstler zu sehen ist, von dem diese stamme. Eine Collage aus den besten Momenten jedes Einzelnen. Gemeinsam habe man etwas Großes geschaffen. „Genau diese Art der Gemeinschaft braucht die Welt da draußen“, so Donikkl.

