Der singende Wirt: Stefan Dietl begrüßt prominente Gäste – und ist selbst mit seiner Musik erfolgreich

Von Melanie Bäumel-Schachtner · 27. Oktober 2024 um 19:00

Im Hotel Mariandl-Singender Wirt in Elisabethszell (Lkr. Straubing-Bogen) waren schon Rallye-Legende Walter Röhrl, Top-Fußballer Michael Ballack oder Schlager-Stern Andy Borg zu Gast. Wirt Stefan Dietl ist aber selbst eine Größe im Musikgeschäft und braucht sich hinter den prominenten Namen nicht zu verstecken.

Der Gastronom und Sänger bringt in halb Europa eigene Hits mit seiner Band, den „Aufdrehern“, auf die Bühne und ist seit Wochen mit seinem neuen Song „Des hab i net verdient“ in den deutschen Airplay-Charts vertreten.

Alles, was der 56-Jährige macht, macht er aus Leidenschaft. Er gibt in seinem Vier-Sterne-Hotel jeden Tag alles. „Kein Problem, man muss seinen Beruf leben“, winkt der Hotelier bescheiden ab. Trotz des Fulltime-Jobs in der Gastronomie findet er noch Raum für weitere Projekte. Vor vielen Jahren öffnete Karl Moik Stefan Dietls Vater die Türen zur Volksmusik- und Schlagerszene. Stefan trat aber nicht in seine Fußstapfen, er sorgte für eigene. Eine klassische Gesangsausbildung gab ihm das Rüstzeug als Sänger.

Dietl schreibt Songs mit Tiefgang

„Ich will Liedermacher sein und kein Schlagerfuzzi“, gibt er die Marschrichtung vor. Leicht könnte er ähnlich berühmt werden wie Maria und Margot Hellwig, wenn er auch etwas wie „Servus, Gruezi und Hallo“ singen würde. Das ist ihm bewusst. Er will es aber nicht. Auch, wenn er als Entertainer auf der Bühne von halb Europa den Menschen ein paar amüsante Stunden schenkt: Es gibt den nachdenklichen Stefan Dietl, der sich zurückzieht, um Songs mit Tiefgang zu schreiben. Nach 13 CDs ist er davon abgekommen, neue Alben auf den Markt zu bringen. „Zu 15 Stücken gibt es 15 verschiedene Meinungen“, ist er sich sicher. In Zukunft hält er es wie der von ihm sehr verehrte Udo Lindenberg, der wohldosiert immer wieder einzelne Songs herausgibt.

In die Airplay-Charts geschafft

Und das hat sich für Dietl nun als Erfolgsmodell erwiesen. Zum ersten Mal ist er mit einem Lied in den deutschen Airplay-Charts. Mit „Des hab i net verdient“ stieg er auf Platz 92 ein und arbeitet sich bis Platz 56 vor. Seit Wochen hält er sich, und das ist für einen Sänger aus Niederbayern quasi eine Sensation: In den Airplay-Charts finden sich ansonsten Namen wie Roland Kaiser und Maite Kelly. Wie schafft man es dorthin? Indem die Nummer so oft wie möglich im Radio gespielt wird und man zahlreiche Fernsehauftritte hat. Bei dem Punkte-System, bei dem das Ranking ermittelt wird, zählen aber nur die großen Sender. Dietl freut sich riesig, dass sein neuer Hit zum Beispiel sogar auf Bayern1 läuft und auch im Radio Schlagerparadies rauf und runter gespielt wird und so gut ankommt. „Man muss sich einfach trauen und es versuchen.“

Seit elf Jahren ist er auch ein bekanntes Fernsehgesicht. Für den Sender „Melodie TV“ zeichnet er einmal im Monat seine Sendung „Herzlichst – Sie wünschen, wir spielen“ mit prominenten Gästen und Co-Moderatorin Romy Dadlhuber auf. Dabei sendet er natürlich nicht nur aus seinem Vier-Sterne-Hotel: Von Dubai über Mallorca tourt er durch die Welt, um den Zuschauern die schönsten Orte ins Wohnzimmer zu holen. Und natürlich interviewt er auch immer wieder bekannte Menschen, die auch regelmäßig bei ihm im Hotel sind.

Auch Politiker sind zu Gast

Wolfgang Schwalm von den Wildecker Herzbuben zählt zu den Stammgästen. Er servierte aber auch schon Polit-Schwergewichten wie dem ehemaligen Bundeskanzler Helmut Kohl, Bundespräsident Roman Herzog, Bundestagspräsident Norbert Lammert oder dem aktuelle CDU-Kanzlerkandidaten Friedrich Merz eine warme Mahlzeit. Für den Gastronomen aus Leidenschaft zählt aber nach eigenen Worten nicht der Promi-Status eines Gastes – genauso willkommen sind ihm die Gäste aus nah und fern, die bei ihm übernachten und schmausen, ohne jemals im Fernsehen gewesen zu sein.

Über 200.000 Wanderern hat er bei Touren von Elisabethszell auf die nahen Berge schon seine Region nahegebracht. Einmal in der Woche fährt er mit seinen Besuchern auch nach Regensburg, um im Dom Andacht und in der Historischen Wurstkuchl Station zu halten.

Dietl ist Botschafter Niederbayerns

Vor Jahren schon wurde Stefan Dietl am gleichen Tag wie Severin Freund zum Botschafter Niederbayerns ernannt. Er reiht sich dabei ein mit Namen wie Uschi Glas, Erich Kühnhackl oder Hans-Jürgen „Haindling“ Buchner. „Es ist mir eine Ehre, die Region zu vertreten“, sagt der Elisabethszeller, der auf seinem Hemd stets ein gesticktes Emblem des Bayerischen Waldes trägt.

Auch wenn beruflich und musikalisch enorm viel los ist, lässt er als Gemeinderat von Haibach kaum eine Sitzung aus und setzt sich ehrenamtlich für den gastronomischen Nachwuchs als IHK-Prüfer ein. Und immer wieder gibt es besondere Ereignisse im dem kleinen Ferienort. Dort landete schon der „Herzblatt“-Hubschrauber, die längte Weißwurst der Welt wurde geschaffen oder ein andermal das größte Weißbierglas.

Dietl organisiert große Veranstaltungen wie im Winter die große Rauhnacht mit den schauerlichen Perchten oder ein großes Kirchenkonzert mit Stars wie Michael Hirte für den guten Zweck. Ein freundliches Lächeln, ein offenes Ohr und ein fröhliches Lied am Abend – das hat der Singende Wirt für jeden Gast übrig, ob bekannt oder unbekannt.

Auch die Moderatorin Caro Matzko fühlt sich bei Dietl in Elisabethszell sehr wohl.
Rallye-Legende Walter Röhrl (Mitte) ist oft zu Gast bei Stefan Dietl und Sohn Julian.