Schon wieder ein Störfall bei Bayernoil in Neustadt - Ölfilm auf der Donau löst Großeinsatz aus

Wieder ist es zu einem Unfall bei der Bayernoil-Raffinerie in Neustadt an der Donau gekommen. Vermutlich aus einer Abwasser-Leitung ist am Montag Öl in die Donau geflossen. Der Ölfilm auf der Donau wurde nur durch Zufall entdeckt. Er löste einen Großeinsatz von Polizei, Feuerwehr und Wasserwacht im Landkreis Kelheim aus.
Der Ölfilm war am frühen Abend bei Neustadt im Rahmen einer Routineübung der Deutschen Lebensrettungs-Gesellschaft (DLRG) entdeckt worden. Sofort wurden Feuerwehr, Polizei und Wasserwirtschaftsamt informiert. Es folgte ein Großeinsatz mit rund 90 Kräften.
Ersten Ermittlungen zufolge stammt das Öl aus einer Abwasserleitung der Bayernoil-Raffinerie. Das bestätigte die Regensburger Wasserschutzpolizei auf Nachfrage. Aus dieser Leitung wird normalerweise nur vollständig gereinigtes Abwasser in die Donau entlassen. Die Leitung wurde daraufhin sofort geschlossen.
Wie das Öl trotz Reinigungsmechanismus in die Donau gelangte, ist Gegenstand der laufenden Ermittlungen. Ein Zusammenhang mit den teils starken Regenfällen in der Region gilt als unwahrscheinlich. Wie viel Öl in die Donau gelangt ist, lässt sich laut Polizei kaum mehr ermitteln. Im Laufe des Dienstags war die Polizei auch mit einem Hubschrauber im Einsatz, um das genaue Ausmaß der Verschmutzung festzustellen.
Immer wieder Brände
Anschließend konnte Simon Weinzierl, Leiter der Wasserschutzpolizei Regensburg, Entwarnung geben. „Wir haben die Donau mit dem Hubschrauber abgeflogen, wir haben keinen Eintrag mehr gefunden“, sagte er und ergänzte, das Wasserwirtschaftsamt habe dem Fluss Wasserproben entnommen.
Der Vorfall bei der Bayernoil-Raffinerie war der bisher letzte in einer Reihe von Störfällen in den letzten zwei Jahren. Begonnen hatte die Serie 2023. Da gab es gleich zwei Mal Großalarm in der Neustädter Raffinerie. Im Juli war ein undichter Flansch an einem Gasverdichter-Ventil die Ursache: Dort trat Wasserstoff aus, der sich entzündete, wie Bayernoil-Geschäftsführer Alexander Struck damals erklärte. Die Werksfeuerwehr löschte den Brand mit Wasser. Die Raffinerie wurde damals vorsorglich evakuiert; es kam aber niemand zu Schaden.
Anders beim zweiten Brand am 6. Oktober, der im Bereich einer Destillier-Anlage ausgebrochen war: Da erlitt ein 56-jähriger Arbeiter schwerste Verletzungen und musste per Rettungshubschrauber in eine Klinik gebracht werden. Neben der Werksfeuerwehr wurden vorsorglich auch die umliegenden Wehren alarmiert. Nach einer dreiviertel Stunde war das Feuer unter Kontrolle.
Das Feuer im Oktober zog umfangreiche Ermittlungen nach sich, mit denen die Kripo Landshut immer noch befasst ist; ferner sei ein Gutachter vom Landeskriminalamt eingebunden, teilte Kriminalhauptkommissar Günther Tomaschko vom Polizeipräsidium Niederbayern seinerzeit mit.
Der nächste Vorfall ereignete sich im Oktober vorigen Jahres: Bei einem Brand im Betriebsteil Neustadt wurde ein Mitarbeiter verletzt. Der Brand war mittags in einer Rohöldestillations-Anlage ausgebrochen. Der Arbeiter erlitt Verletzungen, als er die Gefahrenzone verlassen wollte. Ein Rettungsdienst brachte ihn in ein Krankenhaus. Die Werksfeuerwehr löschte laut Bayernoil das Feuer in wenigen Minuten.
Im Januar diesen Jahres kam es bei Reinigungsarbeiten zu einer Explosion. Die durch die Explosion ausgelöste Druckwelle und der Knall waren weit über die Stadt hinaus zu spüren. Der Explosion folgte ein Brand in einer Prozessanlage. Über 400 Feuerwehrleute waren anschließend stundenlang damit beschäftigt, das Feuer zu löschen. Nach Angaben des Unternehmens wurde zwei Personen verletzt.
Bayernoil verneint Serie
Seitens der Bayernoil wird unterdessen immer wieder der hohe Sicherheitsstandard im Unternehmen betont. Man unterhält an jedem der beiden Standorte Vohburg und Neustadt eine eigene Werkfeuerwehr. Regelmäßig üben die auch mit Freiwilligen Feuerwehren aus der Region, um im Ernstfall schnell reagieren zu können. Außerdem werden die beiden Standorte regelmäßig „auf Herz und Nieren“ geprüft. Die Prozessanlagen kommen dann zum Stillstand. Es finden TÜV-Revisionen sowie Überholungs- und Reinigungsarbeiten statt. Im Rahmen des Stillstandes sind regelmäßig rund 3000 zusätzliche Mitarbeiter von Partnerfirmen auf dem Raffineriegelände tätig.
Die Bayernoil bestreitet, dass am Standort Neustadt eine Serie von Störfällen gebe. Britta Heidemann-Schöberl, Leiterin der Unternehmenskommunikation, sagte, die Vorfälle seien zufälliger Natur. Was den Ölfilm betrifft, werde geprüft, ob es sich um Rückstände aus der Reinigung der Abwasserleitung handeln könne. „Wir sind in der Prüfung mit den Behörden, ob und wie sich möglicherweise kleinste Rückstände haben bilden können“, sagte Heidemann-Schöberl.