Hund im heißen Auto eingesperrt: Darf man die Scheibe einschlagen?

Von Etienne Nückel · 2. Juni 2025 um 13:51

Im Sommer können Autos für Hunde ganz schnell zur Hitzefalle werden. Trotz regelmäßiger Warnungen von Experten werden immer wieder Tiere in verschlossenen Autos zurückgelassen. Aber wie ist das, wenn man einen hechelnden Hund in einem Auto auf dem Supermarktparkplatz vorfindet – darf man einfach die Scheibe einschlagen? Wir haben bei den Polizeipräsidien Niederbayern und Oberpfalz nachgefragt.

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Rasend schnell können sich geparkte Autos in der Mittagssonne aufheizen. Das ist das Ergebnis einer ADAC-Untersuchung, die der Automobilclub auf seiner Homepage veröffentlicht hat. Die Innentemperatur kann binnen einer Stunde von unter 30 auf knapp 60 Grad Celsius steigen – während die Außentemperatur am Fahrzeug stets unter 30 Grad bleibt. Für Hunde kann das Auto so zur lebensgefährlichen Hitzefalle werden.

Die Scheibe sollte man dennoch nicht sofort einschlagen, wenn man ein geparktes Auto mit einem Hund darin findet, rät die Polizei. Denn das wäre eine Sachbeschädigung, auch wenn möglicherweise ein sogenannter rechtfertigender Notstand nach Paragraf 34 des Strafgesetzbuches vorliegen kann. In diesem Fall wäre die Tat laut Polizei straffrei: wenn das Einschlagen der Scheibe das einzig angemessene Mittel war. Vorher sollte man allerdings mildere Mittel wählen, rät die Polizei.

Hund im heißen Auto: überprüfen Sie die Umstände

Zunächst sollte man sich die Umstände genau ansehen. Lässt sich beispielsweise sagen, wie lange ein Hund schon in einem geparkten Auto sitzt? Zeigt der Hund Anzeichen von Stress oder Hitzschlag, wie beispielsweise starkes Hecheln oder einen erhitzten Körper?

Auch bei leichteren Anzeichen von Stress oder Unwohlsein sollte man nicht zögern, die Polizei zu verständigen. Tiere können in geschlossenen Fahrzeugen innerhalb weniger Minuten gefährlich überhitzen – selbst wenn es noch nicht stark sichtbar ist.

Corinna Wild, Polizeipräsidium Oberpfalz

Wichtig: Ein Hund muss nicht stark hecheln oder offensichtlich leiden, um ein Eingreifen zu rechtfertigen. „Auch bei leichteren Anzeichen von Stress oder Unwohlsein sollte man nicht zögern, die Polizei zu verständigen. Tiere können in geschlossenen Fahrzeugen innerhalb weniger Minuten gefährlich überhitzen – selbst wenn es noch nicht stark sichtbar ist“, sagt Corinna Wild vom Polizeipräsidium Oberpfalz. Und: Auch wenn ein Fenster einen Spalt geöffnet ist, bedeutet das laut Polizei nicht, dass automatisch alles in Ordnung wäre.

Suchen Sie den Fahrzeughalter

Wenn möglich, sollte man den Fahrer des Autos ausfindig machen, rät die Polizei. Beispielsweise kann man das Kennzeichen in einem Supermarkt ausrufen lassen. Lässt sich der Fahrzeughalter nicht auffinden und scheint das Tier in Gefahr zu sein, rät die Polizei, den Notruf zu wählen.

Rufen sie die Polizei

Bevor man die Autoscheibe einschlägt, sollte man auf jeden Fall die Polizei anrufen. Diese wird dann entscheiden, wie es weitergeht. Grundsätzlich rät die Polizei: „Handeln Sie also mit Augenmaß – und holen Sie sich immer professionelle Hilfe.“

Dokumentieren Sie die Situation

Die Polizei rät, die Situation immer zu dokumentieren. Beispielsweise, indem man mit dem Smartphone Fotos macht und festhält, wann man versucht hat, wen zu erreichen. Außerdem kann man Passanten bitten, die Situation zu bezeugen.

Problembewusstsein in der Bevölkerung ist gestiegen

Genaue Zahlen, wie oft Autoscheiben wegen Hunden eingeschlagen werden, liegen den Polizeipräsidien Niederbayern und Oberpfalz nicht vor. Jedoch seien solche Einsätze gerade in den Sommermonaten „keine Seltenheit“. In der Bevölkerung gebe es ein zunehmendes Problembewusstsein, schätzt das Polizeipräsidium Oberpfalz die Situation ein.

Weder Gleichgültigkeit noch Aktionismus sind der richtige Weg.

Polizei Oberpfalz

Es gebe jedoch weiterhin Aufklärungsbedarf, sowohl hinsichtlich der Gefahren für Tiere in geparkten Autos als auch des angemessenen Umgangs mit solchen Situationen. Daher setze die Polizei verstärkt auf Prävention und Öffentlichkeitsarbeit. Die Oberpfälzer Polizei appelliert an die Bevölkerung: „Weder Gleichgültigkeit noch Aktionismus sind der richtige Weg.“