Polizei warnt vor Aktientipps aus dem Internet: Dieser Betrug steckt oft dahinter

Von Christoph Eberle · 15. Mai 2025 um 12:30

Die Polizei in Bayern warnt aktuell vor Aktientipps aus dem Internet: Wenn kostenlose „Investmentgruppen“ auf Whatsapp oder in Chatforen exklusive Tipps für das schnelle Geld an der Börse versprechen, ist Vorsicht geboten. Denn dann stecke oft diese Betrugsmasche dahinter. Auch in der Region gab es schon Fälle. Der Schaden für Anleger geht in die Millionen.

Wie die Polizei in Schwaben kürzlich mitteilte, wurde ein 51-Jähriger zu Jahresbeginn über eine Social-Media-Plattform auf eine Chatgruppe aufmerksam. Hier wurden ihm hohe Renditen beim Kauf von Aktien versprochen. Er investierte daraufhin seit Jahresbeginn eine hohe fünfstellige Summe in die ihm empfohlenen Wertpapiere. Kurz nach dem Investment brach der Kurs aber ein und der Mann verlor durch den Absturz der Aktie 90 Prozent seines eingesetzten Kapitals. Die Kriminalpolizei in Kempten hat die Ermittlungen aufgenommen.

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Auch in Niederbayern wurde Nutzern entsprechende Werbung schon auf Facebook angezeigt. Über ein Formular soll man sich zu einer kostenlosen „Investmentgruppe“ auf Whatsapp oder in Chatforen anmelden. Dort erhalte man exklusive Anlagetipps für die Börse. Manchmal sogar garniert mit dem Zusatz: „Sollten Sie nach meinen Schritten und Methoden richtig investieren und dennoch Ihr Kapital verlieren, gleichen wir Ihre Verluste kostenfrei aus.“

Angebliche Traum-Rendite in nur 30 Tagen

Ein Beispiel eines solchen „Tipps“: Eine Top-Aktie stehe kurz vor dem rasanten Aufstieg. Welche erfährt man exklusiv in der Whatsapp-Gruppe. Der aktuelle Preis des Wertpapiers liege jedenfalls bei nur 0,32 Euro. Erwartet werde ein Kurs von 6 Euro innerhalb von nur 30 Tagen.

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Kurz nachgerechnet: In einem Monat wäre das Investment also das 18,75-fache des Einstiegspreises wert. Sprich: Mit 5000 Euro hätte man den Wert eines nagelneuen Nobel-Sportwagens und mit 50.000 Euro könnte man in kürzester Zeit sogar Millionär werden. Könnte - wenn es kein Betrug wäre.

Auch in der Region fielen Anleger auf den Betrug herein und haben viel Geld verloren

Wie das Polizeipräsidium Niederbayern mitteilt, ist Ende Dezember 2024 ein Mann aus dem Landkreis Dingolfing-Landau auf die Betrugsmasche hereingefallen. „Er investierte rund 30.000 Euro in Aktien, nachdem er zuvor über Instagram und WhatsApp auf eine spekulative Anlage aufmerksam gemacht wurde“, teilt Pressesprecher Günther Tomaschko mit. Nach Zahlung des Investments fiel der Kurs der angepriesenen Aktie von über 2 US-Dollar auf nur noch rund 0,30 US-Dollar. Statt einer Traumrendite also 85 Prozent Minus in kürzester Zeit. Die bekannten Kontaktdaten wie E-Mail-Adresse und Mobilfunknummer der Tippgeber seien zudem vermutlich Pseudonyme gewesen. „Zu einer Kapitalmehrung bzw. einer Rückzahlung des eingesetzten Kapitals ist es nicht gekommen“, so Tomaschko.

Im Bereich des Polizeipräsidiums Oberbayern Nord kam es im laufenden Jahr 2025 bisher insgesamt zu sieben polizeilich erfassten Fällen der entsprechenden Betrugsmasche. Der entstandene Sachschaden beläuft sich laut Pressestelle auf etwas mehr als eine Million Euro.

Auch im südlichen Oberbayern wurde die Betrugsmasche registriert. Die Pressestelle des dortigen Polizeipräsidiums spricht von einer „niedrigen einstelligen Zahl“ an angezeigten Fällen.

In der Oberpfalz registrierte die Polizei ebenfalls schon mehrere Fälle. In einem Fall habe ein 62-Jähriger über 80 Prozent seines eingesetzten Kapitals verloren - Schaden: mehr als 100.000 Euro.

Werbung mit Gesichtern wie dem „Investmentpunk“

Um dem Ganzen mehr Glaubwürdigkeit zu verleihen, stecken hinter den Whatsappgruppen und Chatforen angeblich bekannte Gesichter aus dem Investment-Bereich. So zum Beispiel der Wiener Gerald Hörhan alias „Investmentpunk“.

Mit diesem Inserat auf Facebook soll der Anschein erweckt werden, dass mit dem "Investmentpunk" Gerald Hörhan aus Wien ein bekanntes Gesicht aus dem Finanzbereich hinter der Whatsappgruppe steckt. Dessen Büro dementiert. - Foto: Facebook/Christoph Eberle (Screenshot)

Stutzig macht allerdings schon die Gestaltung der Anzeige - auf dem verwendeten Foto ist Hörhan einige Jahre jünger als in seinem angeblichen Facebook-Profil. Das Profil wiederum ist nicht offiziell verifiziert und ohne den „blauen Haken“ des sozialen Netzwerks. Und statt vom „Investmentpunk“ ist die Rede vom „Investopunk“.

Die Mediengruppe Bayern fragte daher direkt in Hörhans Büro nach, ob er dahintersteckt. „Das ist ein Scam. Gerald macht sowas nicht“, schrieb daraufhin eine Mitarbeiterin.

Polizei erklärt: So funktioniert die Masche „Pump and Dump“ mit Aktientipps - und wie die Betrüger profitieren

Laut Polizei handelt es sich dabei um sogenannte "Pump and Dump"-Strategien - auf deutsch übersetzt etwa „Aufpumpen und Wegwerfen“. Diese illegale Form der Marktmanipulation zielt darauf ab, den Kurs bestimmter Aktien oder anderer Finanzprodukte künstlich in die Höhe zu treiben (Pump), um sie anschließend mit Gewinn an ahnungslose Investoren zu verkaufen (Dump).

In den Chatforen und Whatsappgruppen werden dafür den Beamten zufolge gezielt Falschinformationen und übertriebene positive Darstellungen verbreitet, um eine große Anzahl von Kleinanlegern zum Kauf bestimmter Wertpapiere zu bewegen. Durch die erhöhte Nachfrage steigt der Kurs innerhalb kurzer Zeit stark an.

Die Initiatoren nutzen diese künstliche Kurssteigerung, um ihre eigenen Anteile mit hohem Gewinn zu verkaufen. Sobald sie ihre Positionen geschlossen haben, fällt der Kurs in der Regel rapide ab, und die übrigen Investoren erleiden erhebliche Verluste. Zivilrechtliche Ansprüche laufen laut Polizei in der Regel ins Leere, weil die Initiatoren im Ausland sitzen.

Die Masche an sich ist nicht neu und kommt sogar im Hollywood-Film „The Wolf of Wall Street“ vor. Leonardo DiCaprio spielt darin den dubiosen Pump-and-Dump-Jongleur Jordan Belfort, der in den 1980er Jahren in den USA auf ähnliche Weise zahlreiche ahnungslose Anlege prellte. Allerdings gab es die „exklusiven“ Aktientipps damals per Telefon. Dank der modernen sozialen Netzwerke können Betrüger aber nun deutlcich schneller eine viel größere Zahl an möglichen Opfern erreichen als durch einzelne Telefonate.

Diese „Geldanlage-Tipps“ gibt die Polizei

• Seien Sie skeptisch gegenüber "heißen Tipps" und unrealistischen Gewinnversprechen in Online-Foren oder sozialen Medien.

• Führen Sie Ihre eigenen gründlichen Recherchen durch, bevor Sie Anlageentscheidungen treffen. Verlassen Sie sich nicht auf unbestätigte Informationen aus unseriösen Quellen.

• Informieren Sie sich über die Risiken von Anlagen in spekulativen oder wenig liquiden Wertpapieren.

• Melden Sie verdächtige Aktivitäten den zuständigen Aufsichtsbehörden.

• Im Zweifelsfall verständigen Sie die Polizei!

Auch Betrug über Trading-Plattformen ist noch brandaktuell

Wie das Polizeipräsidium Niederbayern unterdessen betont, ist auch eine andere Betrugsmasche noch brandaktuell: Dubiose Trading-Plattformen im Internet. Erneut sind in der Region Fälle bekannt geworden, bei denen enorme Geldbeträge verloren gegangen sind.

Die Betrüger gehen dabei fast immer auf die selbe Weise vor. Professionell gestaltete Werbeanzeigen im Internet vermitteln zunächst eine gewisse Seriosität, es bestünde für die Anleger kaum ein Risiko, hohe Renditen seien „vorprogrammiert“ und würden bereits innerhalb kürzester Zeit realisiert. Durch die scheinbar hohen Gewinnaussichten lassen die späteren Opfer häufig zunächst zu kleineren Geldanlagen, in der Regel um die 250 Euro und später zu höheren Anlagen verleiten.

Die Kripo Landshut ermittelt seit Mitte Mai 2024 gegen eine betrügerische Fondgesellschaft wegen des Verdachts des Anlagebetruges. Ein Anleger aus dem Raum Landshut erstattete Anzeige, nachdem ihm kein Onlinezugriff auf sein Anlagekonto mehr möglich war und ihm deshalb Zweifel an der Seriosität des Plattformbetreibers kamen. Der Mann investierte rund 80.000 Euro.

Über 100.000 Euro überwies ein Anleger aus dem Raum Eggenfelden auf ein litauisches und spanisches Konto, nachdem er zunächst über eine Social-Media-Plattform auf eine Anlage aufmerksam geworden ist. Nach erfolgter Anmeldung bei der vermeintlichen Anlageplattform meldete sich ein sog. „Financial Advisor“ der ihn durch geschickte Kommunikation zur Einbezahlung der Anlagesumme überredete. Als die Geldanlage scheinbar bereits der dreifache an Wert erreicht haben soll, hätte der Anleger zur Ausbezahlung nochmals mehrere zehntausend Euro hinterlegen müssen. Mitte Mai 2024 entschloss sich der Mann schließlich zur Anzeigenerstattung bei der Polizei. Die Kripo Passau ermittelt nun wegen des Verdachts des Anlagebetruges.

Im Bereich Deggendorf investierte ein Anleger rund 50.000 Euro, nachdem er zuvor auf TikTok auf eine lukrative Investitionsmöglichkeit in Bitcoins aufmerksam geworden ist. Die Anlage von zunächst 7.000 Euro soll angeblich auf über 90.000 Euro im Wert gestiegen sein. Um diesen Gewinn ausbezahlt zu kommen, zahlte der Mann immer wieder Gebühren in Höhe der rund 50.000 Euro. Zu einer Auszahlung kam es jedoch nicht, letztendlich entschloss sich der Mann zur Anzeige. Die Kripo Deggendorf ermittelt auch in diesem Fall wegen des Verdachts des Anlagebetruges.

Geld ist hier komplett verloren - und landet direkt bei den Betrügern

Tatsächlich werden die überwiesenen Beträge aber nicht zur Geldanlage verwendet, sondern sind für die „Anleger“ vollumfänglich verloren. Auf den betrügerischen Internetplattformen werden von den Tätern unter anderem Anlageprodukte wie Aktien, Binäre Optionen, Devisen und Kryptowährungen zum Handel angeboten, die keinen realen Hintergrund haben. „Die Vorgehensweise der Betrüger ist vergleichbar mit sogenannten Fake-Shops, in denen nicht existente Waren angeboten werden“, heißt es beim Polizeipräsidium Niederbayern.

Die eingezahlten Gelder werden in Wahrheit nie angelegt. Die komplette Handelsplattform einschließlich des vermeintlichen Kundenkontos ist laut Polizei ein Fake. Die Aussichten für den Kunden, sein Geld wiederzuerlangen, sind sehr gering. Die Täter überweisen und verschieben Kundengelder auf Konten im Ausland, die Betreiberfirmen der Handelsplattformen wechseln häufig und bei den Firmensitzen handelt es sich um Offshore-Briefkastenadressen. Der Totalverlust des „investierten“ Kapitals ist vorprogrammiert.