Schwandorfer Volksfest startet besser als im Vorjahr: Trotzdem war woanders mehr los

Mit der Lasershow am Freitag und dem Festzug am Samstag hatte das Schwandorfer Volksfest am ersten Wochenende zwei große Highlights. Im Bierzelt blieb der Auftakt teilweise mau - war aber trotzdem besser als im Jahr zuvor. Was könnte dem Fest in Zukunft helfen?
Es ist Freitagabend, 21 Uhr. Die Band Kzwoa läuft im Schwandorfer Volksfestzelt langsam zur Hochform auf. Gerade am ersten Tag wäre jetzt der Zeitpunkt, auf die Bänke zu steigen und lauthals Partysongs mitzusingen – eigentlich. Doch vor den Musikern auf der Bühne bestimmt Leere das Bild, trotz des kleineren Zeltes in diesem Jahr. Nur rund 120 Besucher sind im Bierzelt, viele Bankreihen bleiben unbesetzt. Wieder einmal.
Ein ähnliches Bild bot sich zeitgleich im Zelt auf dem Teublitzer Volksfest. Nur in Neunburg, wo parallel die Wiesn stattfand, war das Zelt am Freitag voll mit Partyfans, die auf den Bierbänken feierten. Sie wollten sich den Auftritt von Waidler Power offenbar nicht entgehen lassen.
Zum Vergleich: So sah es am Freitag um 21 Uhr in Neunburg und Teublitz aus


Immerhin: Einen etwas besseren Start als im Vorjahr hat das Schwandorfer Volksfest am ersten Wochenende dann doch erwischt. Gerade die Fahrgeschäfte auf dem Vergnügungspark zogen die Besucher an. „Mit dem Angebot auf dem Festplatz waren wir schon immer zufrieden. Das wird jedes Jahr gut angenommen“, fand Festleiterin Ulrike Sachs.
Das gute Wetter tat sein Übriges. Und auch die Aktion zum 85. Volksfestjubiläum könnte Wirkung gezeigt haben: Von 18 bis 19 Uhr bot Festwirt Gerhard Böckl am Freitag die Maß Bier für 8,50 Euro anstatt 11,50 Euro an. „Das wurde gut angenommen“, befand Böckl. Voll war das Zelt dennoch nicht. Das lag womöglich auch an den warmen Temperaturen. Davon war 2. Bürgermeister Andreas Wopperer (CSU) überzeugt. „Da ist man lieber draußen.“ Aber ist das schon die ganze Wahrheit?

Zurück zum Freitagabend: Direkt vor der Bühne tanzen Sarah und Marie (beide 17) auf der Bierbank – als zwei von wenigen. Ihnen gefällt es am Schwandorfer Volksfest – „aber dass es sich mit dem Volksfest in Teublitz überschneidet, ist schade“, sagen die beiden. Ähnliche Stimmen gab es schon im Vorfeld. Draußen auf dem Freisitz war Peter Pfeifer der gleichen Meinung: „Das macht schon was aus.“
Wopperer hingegen sieht darin keine Ursache. „Als das Volksfest an Pfingsten stattfand, haben wir uns mit der Dult in Amberg überschnitten. Mit irgendwas kollidierst du immer“, sagt er. Trotzdem sieht auch er Handlungsbedarf. Wenn die Akzeptanz der Leute nicht gegeben sei, müssten grundsätzliche Überlegungen angestellt werden. „Zum Selbstzweck braucht man es nicht machen“, konstatiert der OB-Vize. Nur was könnte helfen?
Das Programm ist attraktiv genug, um einen Besuch zu rechtfertigen. Es liegt an den Leuten, das auch anzunehmen
Andreas Wopperer (CSU), 2. Bügermeister von Schwandorf
Wopperer nennt ein paar Ideen, etwa eine Modenschau der lokalen Geschäfte oder eine Wahl zur Miss Volksfest. Aber auch heuer findet er das Programm attraktiv genug, um einen Besuch zu rechtfertigen. „Es liegt an den Leuten, das auch anzunehmen.“ Die Höhepunkte gab es in der Tat, zum Beispiel mit der Lasershow am Freitagabend. Zwar war die Besucherzahl eher überschaubar, doch für einen Hauch Festivalstimmung sorgten die bunten Lichteffekte allemal.
Das neue Riesenrad wurde bislang gut angenommen:


Und auch der Festzug am späten Samstagnachmittag brachte 950 Teilnehmer auf die Straße – und danach, Freibier sei Dank, ins Festzelt. Ein komplett anderes Bild als am Freitag also. Und so war der Jubel natürlich groß, als Andreas Wopperer mit vier Schlägen – aber ohne Tracht – das erste Fass Bier anzapfte.
Festwirt Gerhard Böckl war nach dem Anstich demonstrativ gut gelaunt. „Es sind viele Vereine da und das Wetter ist bestens“, lautete sein Zwischenfazit. Für ihn ist es das Finale als Festwirt, nach 35 Jahren. Es schien, als wolle er sich die Stimmung vom überschaubaren Besuch am Freitag nicht verderben lassen. Dass er sich nicht mehr als Festwirt beworben hat, sei eine rein geschäftliche Entscheidung. „Das kann man interpretieren wie man will“, sagte er.
Zufrieden zeigten sich am Samstagabend auch die Schausteller. Christian Zettl ist mit seinem Riesenrad zum ersten Mal in Schwandorf. „Es läuft gut. Die Leute kommen“, sagte er. Auch Patrick Sachs, der zum dritten Mal den Autoscooter betreibt, sah keinen Grund, sich zu beschweren.

Und einer hatte auch am Freitagabend im Festzelt definitiv seinen Spaß: Alpha Bendu (24) aus Sierra Leone. „Die Stimmung ist eigentlich gut. Und das Bier schmeckt mir auch super. Aber mehr als eine Maß trinke ich nicht“, erzählte er mit einem Grinsen. Fürs Volksfest hat er sich extra ein traditionell afrikanisches Gewand angezogen. „Aber die bayerische Tracht ist sehr schön. Irgendwann kauf’ ich mir eine Lederhose.“