Brucks Bürgermeisterin wirft Markträten vor, den Willen der Bürger zu missachten

Sind die Pläne für die Ansiedlung eines Rewe-Marktes in Bruck tatsächlich gestorben? Nach aktueller Beschlusslage im Gemeinderat ja – doch Bürgermeisterin Heike Faltermeier (CSU) will einen Anlauf starten, um das Projekt wiederzubeleben. Ihre Botschaft an die Räte der Freien Wähler, der SPD und der Grünen: Diese hätten bei der jüngsten Sitzung eine Fehlentscheidung getroffen und den Willen der Mehrheit der Brucker ignoriert.
An der Marktratssitzung am 22. Mai hatte Faltermeier selbst nicht teilgenommen – sie war erst abends von einer Türkeireise nach Bruck zurückgekehrt. Deshalb konnte sie auch nicht persönlich mitverfolgen, wie das Gremium letztlich abstimmte: Nur die CSU-Fraktion und der parteilose Thomas Faltermeier votierten für die Änderung des Flächennutzungs- und Bebauungsplans für das rund 8000 Quadratmeter große Areal in Mögendorf.
Diese Änderung wäre aber nötig gewesen, damit der Investor dort die Ansiedlung des Rewe-Marktes vorantreiben kann. „Ich war wirklich geschockt“, kommentiert Faltermeier das Abstimmungsergebnis.
65,2 Prozent waren dafür
Doch was konkret bringt die Rathauschefin nun so auf die Palme? „Ich sage es klipp und klar – es gab einen Bürgerentscheid mit einem klaren Ergebnis. Und das schieben die Räte jetzt einfach so beiseite“, kritisiert sie. Hintergrund: Im März 2022 hatten die Brucker die Gelegenheit gehabt, darüber abzustimmen, ob ein neuer Lebensmittelvollsortimenter angesiedelt werden soll oder nicht. 65,2 Prozent waren damals dafür – für Faltermeier ein klarer Auftrag an den Marktrat. Es sei respektlos, diesen Willen nun zu ignorieren.
Doch warum war es jetzt überhaupt zu der neuen Abstimmung gekommen? Denn im Herbst 2021 hatten die Räte eigentlich bereits mit äußerst knapper Mehrheit grünes Licht gegeben. Damals hatte der ursprüngliche Investor aus dem Raum München seine Idee von der Rewe-Ansiedlung im Brucker Marktrat vorgestellt.
Er ist mittlerweile nicht mehr im Boot – und für den neuen Investor aus Niederbayern habe man nun den vorhabenbezogenen Bebauungsplan für das „Sondergebiet großflächiger Einzelhandel“ erneut auf die Tagesordnung gebracht, um alles hieb- und stichfest zu machen, so Faltermeier. Denn mittlerweile hat sich auch das Konzept etwas verändert: Neben dem Rewe samt Getränkemarkt sollen den aktuellen Plänen zufolge nun zusätzlich ein Tedi-Markt und ein Imbiss gebaut werden.
„Mir war vorher schon klar, dass es nicht ganz einfach sein würde, diesen Aufstellungsbeschluss neu zu fassen“, sagt Faltermeier. Dass die Räte nun aber tatsächlich mehrheitlich dagegen stimmten, ist für sie unbegreiflich. Zwar dürfe jeder seine persönliche Meinung zum Rewe-Markt in Bruck haben, findet sie. Doch letztlich müsse man sich als Marktrat an das Ergebnis des Bürgerentscheids halten – auch wenn dieser schon drei Jahre zurücklieg und deshalb rechtlich gesehen nicht mehr bindend sei.
Investor hat weiter Interesse
Gegenüber den Ratskollegen der FW und der SPD wird Faltermeier deutlich. Bei den Grünen habe sie noch Verständnis für deren Ablehnung – nicht aber bei den Freien Wählern und der SPD. Doch noch sei in Sachen Rewe nicht alles verloren. „Jeder kann einmal eine Fehlentscheidung treffen. Ich möchte allen Räten eine Chance geben, nochmals in sich zu gehen und sich zu fragen, ob sie den Rewe-Markt wirklich in die Tonne treten wollen“ , sagt die Bürgermeisterin.
Deshalb hat sie alle Räte für kommenden Montagabend zu einem Gesprächstermin geladen, um sie an den Bürgerwillen erinnern. „Die Markträte sind von den Bruckern gewählt und haben deshalb auch deren Interessen zu vertreten“, sagt sie. Faltermeier hofft deshalb darauf, die Fraktionen davon überzeugen zu können, sich den weiteren Planungen für eine Rewe-Ansiedlung nicht zu verschließen. Der Investor zumindest sei trotz des negativen Votum des Marktrats noch interessiert am Standort Bruck.