Tröte, Bierschaum und ein volles Weißbierkarussell: Ein Rundgang übers Chamer Frühlingsfest

Nach der Flaute beim Volksfest im vergangenen Jahr: Was ist los am Chamer Frühlingsfest? Und wie kommt das Bier bei den Chamern an, das zum ersten Mal überhaupt aus dem Landkreis stammt? Eine Reporterin wagt den Selbsttest - und spricht mit den Festbesuchern.
Es ist Freitagabend, 19 Uhr am Chamer Frühlingsfest. Eigentlich wollte ich einen gemütlichen Abend mit guten Freunden auf dem Fest verbringen. Die Zeitungsredaktion hatte jedoch anderes geplant. Ein paar Stimmen zum Festbier und einige Stimmungsfotos wären für die Montagsausgabe nicht schlecht. Na gut – ich hab‘ mich breitschlagen lassen und so schlendere ich durch die Festwiese.
Wow, da ist schon einiges los. Die Fahrgeschäfte sind im vollen Gange, bei den Schokoweintrauben muss man Schlange stehen und im Biergarten gibt es auch keine freie Bank mehr. Doch was wäre das Leben, hätte man da nicht eine gute Freundin, die bereits ein Plätzchen freihält. Etwas enttäuscht bin ich schon, dass sie nicht einen Tisch im Zelt ausgewählt hat. Hier draußen kann man die Band nur schwer hören, dafür wird man von der Musik der Schausteller üppig beschallt. „Tja, dann geh ins Zelt und schau, ob du einen Platz findest, du Schlaumeier“, sagt meine Freundin und lacht dabei.
Das Bier: süffig, loben Besucher
Ok, dann mache ich mich mal auf den Weg dorthin. Schon der Vorplatz des Zeltes ist proppenvoll, es reiht sich Maßkrug an Maßkrug. Da treffe ich meine Tochter und deren Ehemann mit Kollegen, die anscheinend nicht die erste Maß intus haben. Süffig und wirklich gut zu trinken, ist deren Meinung über das Hofmark-Festbier. Wie es jedoch mit Kopfweh am nächsten Tag ausschaue, tja, das wissen sie natürlich noch nicht, erklären sie mir und ein Gelächter entsteht am Tisch.

Kaum bin ich im Zelt angelangt, kommt mir eine Bedienung mit einer ganzen Handvoll Maßkrügen entgegen. Und bevor ich richtig ausweichen kann, schwappt auch schon ein Schwall Schaum über den Rand eines Kruges und ich kann mich gerade noch zur Seite retten, bevor das Festbier mein neues Dirndl erreicht. Puhh, noch einmal Glück gehabt. „Host du koa Augen im Kopf“, pöbelt mich ein älterer Mann an. „Des guade Bier. Des muas ma trinken. Zum Verschütteln is des viel zu teuer.“ Die Bedienung schaut mich an und rollt die Augen und ich murmle ein leises „Entschuldigung“.
Des Bier ist spitze, die Stimmung genial und das Zelt ist endlich auch wieder voll
Ein Besucher des Chamer Frühlingsfestes
Jetzt fällt mir erst auf, dass es tatsächlich keinen freien Tisch mehr im Zelt gibt. Plötzlich zieht mich jemand am Arm. Ein Bekannter mit seiner ganzen Familie hatte das Glück, einen Sitzplatz drinnen zu bekommen. Sieben Maßkrüge stehen am Tisch, das übriggebliebene Knochengerüst eines Gockerls und eine Tüte Mandeln liegen dazwischen.
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Er reicht mir einen Krug und will mit mir anstoßen. Ich ergreife die Chance, um endlich auch einen Schluck Hofmark-Bier zu probieren.

Ich bin zwar kein Bierkenner, aber das schmeckt sogar mir. Auch der Rest an diesem Tisch ist sich einig, dass es ziemlich gut im Geschmack ist.
Gute Stimmung mitder Band im Festzelt
„Es ist ja auch Zeit geworden, dass man eine ansässige Brauerei für unser Fest nimmt“, schreit die Frau am Ende des Tisches. Ja, schreien ist angesagt, denn die Band spielt gerade „Cordula Grün“ und gefühlsmäßig singen oder schreien alle mit. Es tobt am Freitagabend tatsächlich der Bär am Chamer Frühlingsfest. „Auch gestern war hier volles Haus und eine super tolle Stimmung“, bekomme ich immer wieder zu hören.
Niedrigere Preise locken die Besucher
Den Bedienungen steht der Schweiß auf der Stirn. Die etwas nach unten gegangenen Bier- und Essenspreise machen wohl tatsächlich etwas aus, könnte man meinen. Unterhält man sich jedoch mit dem einen und anderen am Frühlingsfest, gehen da die Meinungen auseinander. Das Wetter ist es, das die Besucher anzieht, heißt es. Viele wollen einfach die Neuerungen in diesem Jahr begutachten, sagen andere.
„Ach Schmarrn, des is des erste große Fest im Jahr und da gfreid me se draf und muss einfach hi“, ruft mir ein recht netter Chamer ins Ohr. „Du musst schreiben, dass das Bier einfach wirklich gut ist. Aber man muss oft zum Biseln gehen – nach vier Mass“, erzählt mir ein junger Bursche, der gerade noch im Freien seinen Hosenlatz der Lederhose zumacht.
Für einige Minuten betrachte ich das Treiben auf dem Weißbierkarussell. Es ist echt ein Wahnsinn. Dicht gedrängt stehen die jungen Leute dort, mit dem Weißbierglas in der Hand und haben eine Riesengaudi. Überhaupt ist es ein Augenschmaus, dieses ganze Treiben aus vom Biergarten aus zu betrachten. Da bin ich dann meiner Freundin doch sehr dankbar, dass sie diesen Platz ergattert hat.
Losen wie zu Kindertagen
Mein Gegenüber bestellt sich eine zweite Maß und will unbedingt eine Runde Boxauto fahren, was ich dankend ablehne. Nach der Fahrt im letzten Jahr konnte ich für einige Tage meinen Kopf nicht mehr richtig drehen. Ein richtig rabiater Rempler. Nachdem ich mir einige Stimmen eingeholt und viele Fotos aufs Handy gebannt, habe, gönne auch ich mir eine Maß – alkoholfreies Radler.
Zu guter Letzt wird noch gelost, wie zu meinen Kinderzeiten. Meine Freundin ist da gleich mit dabei. Eine Plüschavocado und eine Tröte sind unsere Gewinne. Am Tisch zurück stelle ich fest, dass die Tröte akustisch genau bis zum Ohr meines Gegenübers reicht und ich mache mir den Spaß, dies immer wieder auszuprobieren. „Es ist ja schön, dass du dir dein kindliches Gemüt so behalten hast“, meint dieser etwas genervt.

Beim Nachhausegehen hätte ich gerne noch eine Runde mit dem Riesenrad gedreht. Doch jeder hat eine andere Ausrede. Der einen wird kotzübel dabei, der andere muss unbedingt aufs Klo.
Das Fazit meiner Freunde und vieler Besucher an diesem Abend: Das ist mal ein Frühlingsfest, wie wir es schon lange nicht mehr hatten. „Des Bier ist spitze, die Stimmung genial und das Zelt ist endlich auch wieder mal voll“.