Watschen, Randale und eine Wasserleiche: Auf Streife beim Frühlingsfest in Cham

Von Nils Mayer · 31. Mai 2025 um 05:00

Watschen, Randale im Festzelt, Beziehungsstress und eine Wasserleiche: Für zwei Polizisten auf Streife beim Frühlingsfest-Auftakt der ganz normale Wahnsinn. Die Beamten sorgen für Recht und Ordnung auf dem Volksfestplatz und haben dabei kaum Zeit zum Durchschnaufen.

Die Frühlingsfest-Schicht startet für Polizeihauptkommissar Marco Müller und seinen Kollegen Andreas Horch, wie für viele andere, am Mittwochabend am Marktplatz. Dort, wo die Festzeit offiziell eröffnet wird, haben sie ein wachsames Auge auf die Besucher. „Die aktuelle Weltlage und eine abstrakt hohe Gefahr machen das leider notwendig“, stellt Müller fest. Aus diesem Grund habe sich die Chamer Polizeiinspektion auch Verstärkung aus Regensburg geholt und natürlich seien auch Zivilpolizisten den ganzen Abend über im Einsatz.

Und dann gibt es einen kurzen Moment, der zwar nur wenige Sekunden dauert und doch sinnbildlich für den ganzen Abend stehen könnte: Während der Polizeihauptkommissar über die Gefahr von Terror spricht, lächelt ein kleiner Junge seinem Kollegen Horch entgegen und winkt ihm zu. Der gerade noch fokussierte und streng in die Menge blickende Polizist winkt zurück und sorgt für ein breites Grinsen bei dem Jungen.

Festzug absichern

Der Gegensatz von Leichtigkeit und Gefahr ist auch für die Polizisten nichts Neues. „In unserem Job können nur wenige Sekunden zwischen Mittagessen und Schusswechsel liegen“, sagt Horch dazu. Ganz so gefährlich wird die nächste Aufgabe der beiden Beamten aber nicht: In ihrem Polizeiauto fahren sie vor dem Festzug her und sichern den Weg ab.

Kurz vor dem Festgelände geht es dann vorbei an den Böllerschützen aus Loifling. Und ja, auch Polizisten können sich erschrecken, wenn es plötzlich laut knallt. Als die Schussgeräusche dann irgendwann einfach nicht mehr aufzuhören scheinen, werden die Beamten sichtlich nervös. Handelt es sich ganz sicher nur um die Festschützen? Polizist Horch steigt aus und geht ein paar Meter zurück Richtung Festzug. Dann gibt es Entwarnung. Es waren ganz sicher nur die Festschützen.

Danach geht es für die zwei Polizisten zu Fuß weiter. Streife gehen auf dem Festgelände steht von nun an auf dem Programm. Der erste Einsatz lässt nicht lange auf sich warten. Eine Frau meldet sich bei den Beamten. Mit Tränen in den Augen berichtet sie, dass sie von einer anderen Frau im Festzelt eine Watschen bekommen habe. „Die Schlägerin ist wohl abgehauen“, berichtet Polizeihauptkommissar Müller. Deshalb heißt es fürs Erste: Personalien aufnehmen und den Fall dokumentieren. „Wir gehen dem natürlich nach.“ Die Frau braucht übrigens keine ärztliche Betreuung, nicht die Watschen habe sie zum Weinen gebracht, sie ist nach eigenen Worten „einfach nur stinksauer gerade“.

Doch viel Zeit zum Trösten bleibt den beiden Polizisten nicht. Plötzlich meldet sich der Polizeifunk: „Wasserleiche in Cham gefunden.“ Den beiden Beamten ist anzusehen, dass eine solche Meldung sie überrascht. „Ich will ungern meine Leute vom Frühlingsfest abziehen“, erklärt Müller. Deshalb werde laut ihm eine andere Chamer Streife zum Fundort der Leiche geschickt. Was genau es mit der toten Person im Wasser auf sich hat, bleibt ein Rätsel, zumindest für den heutigen Abend. „Wir wissen noch nichts Genaueres und müssen jetzt die weiteren Ermittlungen abwarten“, sagt Müller.

Und auf dem Festgelände muss es ja trotzdem weitergehen. Diesmal steht kein Einsatz an, sondern die Flucht vor dem Unwetter. Inzwischen ist es dunkel geworden und es schüttet wie aus Kübeln.

Während die Festbesucher in Scharen ins Zelt strömen, geht es für die Beamten in die provisorische Einsatzzentrale in einer gemütlichen kleinen Stube im 1. Stock des Betriebsgebäudes. „Von hier oben haben wir halt einfach einen super Ausblick“, begründet Horch die Wahl. Und noch einen Vorteil hat die Stube: Ein trockenes Plätzchen, wenn die Straßen wegen des Unwetters leergefegt sind. Leere Straßen bedeuten natürlich auch weniger Einsätze für die Polizei. Gibt Schlimmeres, als mal frei zu haben, oder? „Naja, wir wünschen uns ja auch tolles Wetter, viele Leute, gute Stimmung und vor allem ein friedliches Miteinander“, so Horch.

Ganz so friedlich geht es dann aber nicht weiter. Ein neuer Funkspruch kommt herein: Ein junger Mann soll im Festzelt randaliert haben. Als die beiden Polizisten ankommen, ist der Randalierer schon gefesselt. Die Festzelt-Security war schneller. Die Polizisten sprechen dem jungen Mann, der übrigens stark alkoholisiert daherkommt, ein Platzverbot aus. Der Randalierer wirft den Polizisten bei seinem Weg nach draußen noch ein paar Komplimente entgegen und verschwindet dann in der Dunkelheit. Ob er sich wirklich an das Platzverbot halten wird? Von nun an geht es Schlag auf Schlag.

Streit beim Männerklo

Diesmal ist das Männerklo der Schauplatz. Polizeihauptkommissar Müller spricht von einer „verbalen Auseinandersetzung“ zwischen einer Frau und einem Mann. Später verrät er: „Beziehungskrise halt.“ Und während die Polizisten die beiden Streithähne trennen und einzeln befragen, steht nur wenige Meter entfernt in einer Ecke ein anderes Liebespaar und knutscht wild herum.

Gegen Ende des Abends, es ist schon fast Zeltschluss, gibt es ein Wiedersehen mit einem alten Bekannten: Der Randalierer mit Platzverbot traut sich wieder auf den Volksfestplatz. Seine Rückkehr endet aber jäh, als er von acht Polizisten begrüßt wird. „Wenn er es noch einmal versucht, nehmen wir ihn mit auf die Wache“, erklärt Müller.

Zum Abschluss gibt es dann noch ein recht versöhnliches Ende. Ein nervös wirkender Bub kommt auf Polizist Horch zu und erkundigt sich nach seinen Karrierechancen bei der Polizei. Der Haken bei der Sache? „Ich hab mir schon ein paar Kleinigkeiten zu Schulden kommen lassen“, erzählt der Junge. Horch gibt ihm zumindest ein wenig Hoffnung: „Frag doch einfach mal bei meinen Kollegen in der Personalabteilung nach, vielleicht klappt es ja trotzdem.“ Der Junge, sichtlich begeistert, bedankt sich und geht wieder. Für Polizist Horch keine große Sache: „Wir sind ja nicht nur da, wenn es mal Ärger gibt, sondern auch Freund und Helfer.“

Und auch, wenn für die meisten Festbesucher der Abend bald vorbei ist, geht es für die Polizei noch ein paar Stunden weiter. Vor drei Uhr wird er, genauso wie sein Kollege, wahrscheinlich nicht ins Bett kommen, schätzt Horch. Und alles in allem sei der Eröffnungstag sowieso bisher „sehr ruhig“ gewesen. „Schlimmer geht immer“, ergänzt Kollege Müller.