Gefundene Skelette in Schwandorf sind gut 1200 Jahre alt - Ist die Stadt älter als gedacht?

Die in der Breite Straße in Schwandorf bei Bauarbeiten gefundenen Skelette sorgen weiterhin für Spannung. Erste Untersuchungen der archäologischen Funde zeigen, dass die Knochen weit mehr als 1000 Jahre alt sein könnten. Damit könnte auch Schwandorf älter sein als bislang gedacht.
Die erste urkundliche Erwähnung von Schwandorf stammt aus dem Jahr 1006. Dementsprechend feierte die Große Kreisstadt 2006 ihr 1000-jähriges Bestehen. Die in den vergangenen Tagen in der Breite Straße entdeckten Gräber samt Knochen sollen deutlich älter als die Ersterwähnung sein. Das legen Untersuchungen im Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege nahe.
Eiserne Pfeilspitze unter den gefundenen Objekten
In der Breite Straße werden derzeit eigentlich alte Wasserrohre erneuert und Fernwärmeleitungen verlegt. Wie üblich bei Grabungen in der Schwandorfer Innenstadt wird die Maßnahme archäologisch begleitet. Dabei wurden mehrere Skelette und Metallteile entdeckt.

Die ebenfalls ans Tageslicht gekommenen Bronze- und Eisenfunde wurden am Dienstag in der Restaurierungswerkstatt der Landesbehörde geröntgt, wie Oberkonservator Christoph Steinmann informierte. Zu den ersten Annahmen hätten sich nun Gewissheiten gesellt, so der Experte. Einige Objekte seien so stark korrodiert, dass sich erst mit einer restauratorischen Freilegung Bestimmbares sagen lasse, teilte der Denkmalpfleger mit. „Sicher ist aber, dass unter den Objekten eine eiserne Pfeilspitze und eine eiserne Nadel sind.“
Eines der bemerkenswertesten Fundstücke sei laut dem Oberkonservator ein sogenannter S-Schläfenring von circa sieben Zentimeter Durchmesser. „Schmuckstücke wie diese wurden in der Regel auf Stoff fixiert, zum Beispiel auf einer Haube oder eine Art Stirnband – also nicht als Ohrring getragen“, erklärte Steinmann. Die Bezeichnung ergebe sich aus den Endstücken dieser Schläfenringe, die S-förmig gebogen sind.

Steinmann geht davon aus, dass die Freilegung des Schläfenringes weitere Informationen zum Material und der Herstellung liefern werde. Dies könnte im Laufe der kommenden Woche abgeschlossen werden, prognostizierte der Oberkonservator.
Anhand der bislang gewonnen Informationen könnten die entdeckten Gräber im 8. und frühen 9. Jahrhundert entstanden sein. Für diese Zeit waren laut Steinmann sogenannte Reihengräberfelder typisch – also in Reihen dicht nebeneinander, teils auch übereinander liegende Bestattungen. „Vergleichbares kennen wir entlang der Naab aus Pfreimd und Kallmünz“, so Steinmann. Die Größe solcher Gräberfelder könne zwischen 20 und weit über 50 Meter Durchmesser liegen.

„Da bislang aus dieser Zeit keine Funde und Befunde aus dem Umfeld bekannt waren, ist es schwierig, sichere Prognosen für das Gräberfeld der Breite Straße zu treffen“, betonte der Oberkonservator.
Wurzeln einer früheren Besiedlung werden greifbar
Die zeitliche Einordnung der Bestattungen in das 8. und frühe 9. Jahrhundert machen die Skelettfunde umso spannender: Die Gräber wären damit 200 Jahre älter als die urkundliche Erstnennung von Schwandorf im Jahr 1006.
Seinerzeit schenkte der nobilis Warmunt dem Kloster St. Emmeram einen Hof (hube) in „villa Suainicondorf“ an der Naab mit Fischrechten, Mühlen und einer Schiffsanlagestelle. Der Name könnte vom slawischen suhai (Bursche) und nica (Dorf) stammen. „Um das Jahr 1000 muss es also schon eine etablierte Siedlung gegeben haben, aber nun werden erstmals deren Wurzeln greifbar, sowohl in Zeit als auch in Lokalisierung“, erklärte Steinmann. „Ich denke, das ist für die Ortsgeschichte ein wirklicher Gewinn.“