Grabungen in Schwandorf: Neue Details zum Skelett – Weiterer Schädel tauchte auf

Von Philipp Breu, Johannes Hartl · 20. Mai 2025 um 19:00

Die jüngsten archäologischen Funde in der Breite Straße halten die Stadt Schwandorf auf Trab. Im Zuge der Erneuerung der Wasserleitung kamen Mauerreste und ein Skelett zum Vorschein. Am Dienstag trafen sich Vertreter der Stadt, der Grabungsfirma und des Landesamts für Denkmalpflege vor Ort, um das weitere Vorgehen zu besprechen. Währenddessen wurde der nächste Schädel freigelegt.

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Was schlummert noch alles im Untergrund der Breite Straße? Diese Frage beschäftigt Archäologen derzeit gleichermaßen wie die Stadt Schwandorf. Denn eigentlich sollten hier bis Ende November, Anfang Dezember die Wasserleitungen ausgetauscht und in diesem Zug auch neue Fernwärmeanschlüsse gesetzt werden. Die Arbeiten werden, wie im Innenstadtbereich üblich, archäologisch begleitet.

Ende vergangener Woche stießen die Mitarbeiter der Grabungsfirma ArchDienst auf Mauerreste, auch ein Skelett wurde freigelegt. Der Fund überraschte selbst die Archäologen. Denn eine Grabstätte in diesem Bereich war bisher nicht bekannt, wie Dr. Christoph Steinmann, Gebietsreferent für die praktische Bodendenkmalpflege am Landesamt für Denkmalpflege, vor Ort erklärte. Er war von Regensburg aus für eine Besprechung an die Baustelle in der Breite Straße gereist. Bei dem Skelett, so legen es erste Untersuchungen nahe, handelt es sich wohl um einen jungen Mann im Alter von 18 bis 25 Jahren. Außerdem kamen Bronze- und Eisenteile ans Tageslicht.

Dieses Skelett wurde am vergangenen Donnerstag in der Breite Straße entdeckt. - Foto: Philipp Breu

So spannend die jüngsten Funde aus archäologischer Sicht sind – den Verantwortlichen der Stadt Schwandorf und anliegenden Geschäftsleuten dürften sie eher Sorgenfalten auf die Stirn treiben. Schließlich ist der Zeitplan für die eigentlichen Bauarbeiten eng getaktet. Bis zum Start des Weihnachtsgeschäfts sollten die neuen Leitungen im Boden verlegt sein.

Stadt Schwandorf will am Zeitplan für die Arbeiten in der Breite Straße festhalten

Daher betonte Stefan Trettenbach, Leiter der Städtischen Wasser- und Fernwärmeversorgung (SWFS), dass die nötigen Maßnahmen in der Breite Straße möglichst nicht übermäßig ausgebremst werden sollten. Es wurde klar: Die Stadt will trotz der archäologischen Funde an ihrem Zeitplan, so gut es geht, festhalten. Eine längere Beeinträchtigung für die Geschäftsleute sollte, vor allem in Hinblick auf die wichtige Weihnachtszeit, vermieden werden. Auch für Schwandorfs Oberbürgermeister Andreas Feller (CSU) war das ein wichtiges Anliegen: „Das mit den Geschäften ist eine heikle Sache“, so der Rathauschef.

Das mit den Geschäften ist eine heikle Sache.

Andreas Feller, Oberbürgermeister der Stadt Schwandorf

Gebietsreferent Dr. Christoph Steinmann hatte natürlich Verständnis für die Sorgen und Einwände seitens der Stadt. „Wir werden unsere Arbeiten so schnell und fachgerecht wie möglich durchführen“, kündigte er an. Natürlich sei man im stetigen Austausch mit den Verantwortlichen für die Baumaßnahme.

Doch schon jetzt kristallisiert sich heraus, dass es bei einem historischen Fund nicht bleiben wird. Denn während das Pressegespräch noch lief, legte ein Mitarbeiter der Grabungsfirma weitere Knochenteile frei. Filigran arbeitete er die Überreste mit einem Pinsel heraus. Auch Dr. Steinmann – selbst studierter Archäologe – ließ es sich nicht nehmen, selbst Hand an zu legen. Nach einer ersten Einschätzung des Fachmanns handelt es sich wohl um einen menschlichen Schädel. Die Größe deutet auf ein Kind hin. Unklar ist bisher noch, aus welcher Zeit die Knochenfunde stammen. Weil diese aber in einem sehr schlechten Zustand sind, rechnet Steinmann mit einem Alter jenseits von 500 Jahren.

Schwandorfer Bürgerfest soll wie geplant stattfinden

Und auch die gefundenen Mauerreste aus Sandstein geben bisher Rätsel auf. Dass diese von einer ehemaligen Stadtmauer stammen, ist nicht sehr wahrscheinlich. Denn diese verlief, so verrät es das Urkataster der Stadt, nicht durch die Breite Straße, sondern weiter südlich. Außerdem sei die gefundene Mauer schmäler, als es für Stadtbefestigungen üblich sei. Vielmehr hält es Steinmann für möglich, das die Gesteinsreste seinerzeit als Fundament für Schlachtbänke gedient haben könnten. Denn die Breite Straße hieß früher Saugasse, weil hier Schweine durchgetrieben wurden.

Vorsichtig legte ein Mitarbeiter der Grabungsfirma Archdienst weitere Knochenteile frei. - Foto: Johannes Hartl
Im Zuge der Arbeiten an den Wasserleitungen kamen auch alte Mauerreste zum Vorschein. - Foto: Johannes Hartl
Er erklärte den aktuellen Sachstand zu den archäologischen Funden in der Breite Straße: Dr. Christoph Steinmann vom Landesamt für Denkmalpflege in Regensburg (Mitte). - Foto: Johannes Hartl

Weitere Erkenntnisse zu den jüngsten Funden erhoffen sich die Archäologen durch Laboranalysen. Die Ergebnisse werden aber erst in einigen Tagen erwartet. Ungeachtet dessen laufen die Baumaßnahmen in der Breite Straße weiter und werden natürlich bis zum Ende der Maßnahme archäologisch begleitet. Man setze alles daran, den Zeitplan einzuhalten, so Trettenbach. Auch das Bürgerfest soll von den Maßnahmen unberührt bleiben. Der Plan, die Arbeiten eine Woche vor und eine Woche nach der Großveranstaltung ruhen zu lassen, soll laut dem SWFS-Leiter bestehen bleiben.