Schwaighauser Forst: Stechen Windräder den Wasserschutz aus?

Auch nach der Überarbeitung überwiegt in Regenstauf der Unmut beim Blick auf die Karte an Windkraft-Vorrangflächen des Regionalen Planungsverbands. Bislang war vor allem das Regental ein Zentrum des Widerstands gegen das geplante Windrad-Areal. Nun formiert sich auch rund um die zweite verbliebene Vorrangfläche auf Regenstaufer Gebiet Protest: im Schwaighauser Forst.
Dort überschneiden sich potenzielle Standorte für Windräder mit einem Wasserschutzgebiet. Die Bürgerinitiative (BI) Steinsberg, Eitlbrunn, Loch zeigt sich alarmiert: „Der Bau von Windkraftanlagen in diesem Gebiet birgt erhebliche Risiken für die empfindlichen Wassersysteme.“
Regenstauf will vehementer auf Wasserschutz hinweisen
Regenstaufs Bürgermeister Josef Schindler verdeutlicht die brisante Lage: „Das ist das einzige Wasserschutzgebiet in der Planungsregion, über das eine Windvorrangfläche gelegt wird.“ In der Verwaltung wisse man um die Problematik im Schwaighauser Forst. In einer ersten Stellungnahme im Frühjahr habe man sich allerdings auf das eigene Gemeindegebiet konzentriert. Der Brunnen Mesnergraben, dem das Wasserschutzgebiet dient, liegt auf Fläche des Markts Lappersdorf.
„Jetzt werden wir zumindest darauf hinweisen“, kündigt Schindler an. Vor allem wolle er darauf pochen, dass eine angedachte Versuchsbohrung zur eigenen Brunnenerschließung nicht von der Windkraftvorrangfläche beeinträchtigt wird.
Bürger befürchten Trinkwasser-Verseuchung
Die BI treibt die Sorge um, dass beim Bau von Windrädern verschmutztes Oberflächenwasser in eine der Dolinen in dem Gebiet eintreten könnte. Das Trinkwasser würde kontaminiert, die Brunnen unbrauchbar. Auch wenn es hohe emissionsrechtliche Hürden gebe, könne bei solch massiven Bauarbeiten immer etwas passieren, befürchtet BI-Sprecher und Marktrat Christian Engl.
„Wir wollen Windräder nicht verhindern“, beteuert er, „aber wir wollen sie nicht in Wasserschutzgebieten“. Er richtet den vergleichenden Blick in den Osten des Landkreises: „Wenn der Sichtschutz an der Walhalla mehr wert ist als der Wasserschutz, habe ich meine Bedenken.“
„Wir kommen auf keinen grünen Zweig mehr, wenn wir alles gegeneinander ausspielen.“
Eduard Obermeier, Vorsitzender des Wasserzweckverbands Naab-Donau-Regen
Vorsitzender des Wasserzweckverbands Naab-Donau-Regen ist der Pettendorfer Bürgermeister Eduard Obermeier. Er bestätigt auf MZ-Anfrage, dass die nach wie vor eingeplante Windvorrangfläche das Wasserschutzgebiet tangiert. Allerdings befinde man sich im entsprechenden Bereich in der weiteren Schutzzone, größtenteils in Zone IIIB mit niedrigerem Schutzstatus. „Wir kommen auf keinen grünen Zweig mehr, wenn wir alles gegeneinander ausspielen“, mahnt Obermeier zu Besonnenheit bei der Standortsuche für Windräder.
Bis 6. Juni läuft nun die neuerliche öffentliche Auslegung des Regionalplans. „Sicherlich müssen wir uns dazu äußern“, sagt Zweckverbandsvorsitzender Obermeier. Wie man Stellung beziehe, gelte es in aller Ruhe abzuwägen. „Wir können ja nur hinweisen auf die Schutzzone IIIB. Und da sind Ausnahmen möglich.“ Hinzu komme das überragende öffentliche Interesse, das dem Bau von Windrädern zugunsten der Energiewende zugemessen wird. „Man muss abwägen, was wo geht“, sagt Obermeier.
Flächenplaner erläutert Grundlage der Windkraft-Entscheidungen
Christoph Hüttl, Regionsbeauftragter im Planungsverband, berichtet von einer allgemeinen Handlungsanleitung der wasserwirtschaftlichen Fachstelle für die Regionalplaner: Wasserschutzzonen I und II seien komplett ausgeschlossen, in Zone IIIA könne es Ausnahmen geben, wenn nach Einzelfallprüfung von der Wasserwirtschaft zugestimmt wird, Zone IIIB stehe für die Regionalplanung grundsätzlich offen.
Im Schwaighauser Forst überschneide sich die geplante Windvorrangfläche marginal mit Schutzzone IIIA – diese sehr kleine Fläche könnte laut Hüttl noch aus der Planung fallen –, vor allem betroffen sei aber Schutzzone IIIB. In diesem Zusammenhang erinnert Hüttl an die Maxime der Regionalplaner, nur Gebiete auszuweisen, in denen der Bau von Windrädern tatsächlich realistisch ist. „Eine Alibiplanung, nur um das Flächenziel zu erreichen, wäre angreifbar“, sagt er.
Kommen 20 Windräder rund um Regenstauf?
„Ich rechne – was man so hört – mit 20 Windrädern“, sagt Schindler mit Blick auf Regenstauf und angrenzende Flächen in Nachbargemeinden. Zwölf im Regental mit Nittenau und Maxhütte, drei oder vier im Westen der Gemeinde Bernhardswald und eben „eine gute Handvoll“ im Schwaighauser Forst zählt Schindler auf.
„Ich hoffe, dass wenigstens der Bereich berücksichtigt wird, in dem wir den Brunnen bauen wollen.“
Josef Schindler, Bürgermeister von Regenstauf
Am Dienstag diskutiert der Regenstaufer Marktgemeinderat die Windkraftvorrangflächen erneut in öffentlicher Sitzung. Die findet im Kulturhaus statt, schließlich ist mit großem Interesse vonseiten der Bürger zu rechnen.
Bürgermeister Schindler hat wenig Hoffnung
Schindler erwartet zum einen, dass die Haltung des Gremiums ablehnend bleibt. Zum anderen prognostiziert er aber, dass ein Regenstaufer Veto in der Vorrangflächenplanung wenig Veränderung bewirken werde. Das Bayerische Wirtschaftsministerium habe das Flächenziel von 1,8 Prozent jüngst erst bekräftigt, der Regionale Planungsverband habe kaum Spielraum, um Vorranggebiete zu streichen. Es werde höchstens noch zu kleineren Anpassungen kommen, erwartet Schindler. „Ich hoffe, dass wenigstens der Bereich berücksichtigt wird, in dem wir den Brunnen bauen wollen.“