Regensburger Bayern-Museum: Vorzeige-Energiezentrale fällt Monate lang aus

Wie warm oder kalt es sein darf, dass die Ausstellungsstücke nicht leiden, ist in Museen wie dem Haus der Bayerischen Geschichte in Regensburg streng geregelt: Dort soll es im Winter 19 Grad haben, im Sommer 26, so besagen es die konservatorischen Vorgaben. Je weiter die Außentemperatur davon abweicht, um so mehr Wärme beziehungsweise Kälte wird benötigt. Nun allerdings ist die Hauptklima- beziehungsweise Wärmeanlage seit „Anfang des Jahres nicht mehr betriebsfähig“.
Das berichtete jetzt die Stadtverwaltung den Stadträten des Finanzausschusses. Auch die Reserveanlage falle häufig aus. Die Stadtverwaltung bat die Stadträte um 178 000 Euro extra – für Ersatzkälte, Reparaturen an einem Motor sowie der Kältemaschine und Wartungen; die stimmten dafür. Dabei ist die Hauptanlage erst wenige Jahre alt. Im Juli 2023 lobte die Stadt auf ihrer Internetseite die Wärme- und Kälteversorgung als „beispielgebend für andere historische Städte“, deshalb wurde sie mit 500 000 Euro aus dem Sonderinvestitionsprogramm „Nationale Unesco-Welterbestätten“ gefördert.
Stadt sieht Energie aus Abwasser als Chance für die Altstadt
Es hieß, der relativ neue Einsatz der Energie aus Abwasser berge vor allem „interessante Chancen für den Einsatz erneuerbarer Energien im historischen Altstadtbereich“, so der damalige Hochbauamtschef. Da er in einen bestehenden Kanal integriert werden könne, sei er absolut „absolut denkmalverträglich“.
Die Energie kommt aus dem Kanal, in dem das ganze Jahr über mindestens zwölf Grad warmes Abwasser fließt. Um sie nutzbar zu machen, verband die Stadt die Energiezentrale des Museums mit dem Hauptsammler am Donaumarkt. Das Abwasser wird vom Schacht zum Wärmetauscher und dann wieder zurück in den Kanal gepumpt, Wärme und Kälte werden in Pufferspeichern gesammelt.
Andrea Rüth, Sprecherin des Bayern-Museums, erklärt: „Die raumlufttechnischen Anlagen des Hauses der Bayerischen Geschichte greifen auf Wärme- und Kältespeicher zurück, die Temperaturen von 0 Grad, 6 Grad, 13 Grad und 50 Grad vorhalten. Dieses vortemperierte Wasser heizt unsere drei Gebäude im Winter und kühlt sie im Sommer.“ Zusätzlich würden die Ausstellungsräume dadurch entfeuchtet.
Der Motor der Antriebswelle war korrodiert
Stadtsprecherin Katrin Butz sagt, seit 2017 sei die Anlage störungsfrei gelaufen – bis 27. Februar. Da sei Kältemittel ausgetreten, außerdem war der Motor der Antriebswelle für den Abwasserwärmetauscher „korrodiert“. Sie erklärt: „In chemisch aggressiver Umgebung wie einem großen Sammelkanal sind Korrosionen nie auszuschließen.“ Warum die Kältemaschine ausgefallen sei, könne nicht nachvollzogen werden, was bei komplexen technischen Anlagen aber nichts Ungewöhnliches sei.
Die Stadt stellte eine mobile Kältemaschine bereit. Rüth berichtet: „Um das Klima entsprechend unseren Anforderungen zu gewährleisten, haben die Ingenieure der Stadt Regensburg ein Notkälteaggregat vor dem Museum in Betrieb genommen.“ Sie versichert auch: „Wir arbeiten mit den Fachleuten der Stadt in diesen Dingen bestens zusammen und sind mittlerweile so gut eingespielt, dass Schäden jeglicher Art vorgebeugt werden konnte.“ Die Energiezentrale sei voraussichtlich im Juni wieder voll einsatzbereit.
Die Energieversorgung im Bayern-Museum
Konzept: Das Haus nennt sich „Energiesparmuseum“. In dem Passivhaus mit besonders dichter Gebäudehülle könnten bis zu 80 Prozent des regulären Verbrauchs eingespart werden.
Praxis: Wärmepumpen stellen die Wärmeenergie bereit. Die Klimatechnik wandelt sie in geheizte, gekühlte oder befeuchtete Luft um. Die Parameter werden täglich an Nutzung und Wetter angepasst.