Neues Heim für die Verschenkbörse - Künftig weniger Altkleidercontainer?

Was alt ist und nicht mehr benötigt wird, wird oft weggeworfen. Weil das weder nachhaltig noch sonst sinnvoll ist, denn andere können die Sachen ja vielleicht noch gebrauchen, gibt es die Verschenkbörse im Wertstoffzentrum. Sie hat endlich ein Domizil gefunden, dass auch eine Wertschätzung der Stadt für alte Dinge ist.
Gebrauchtes ist aus der Schmuddelecke heraus, in der es sich über Jahre befunden hat, bestätigen die Mitarbeiter des Wertstoffzentrums. Berührungsängste gibt es anscheinend nicht mehr. Im Gegenteil. „Die Leute sehen sich gezielt in unserer Verschenkbörse um“, sagt einer der Mitarbeiter. Und sie kommen nicht nur aus Neustadt a.d. Donau, sagt der Mann, der sich ständig um den Bestand in der Verschenkbörse kümmert. „Es kommen auch Abensberger und Sandharlandener zu uns“, erklärt er.
Besonders Deko-Artikel stehen bei den Besuchern hoch im Kurs. Aber auch Porzellan, Kinderspielzeug, Gläser und Kleinmöbel werden gesucht. Allen Artikeln gemeinsam ist, dass sie ihr „erstes Leben“ bereits hinter sich haben, aber zu schade sind, um sie wegzuwerfen. Was also in der Verschenkebörse landet, ist kein Müll, sondern Gegenstände, die gerade noch in Verwendung waren.
Invest in Nachhaltigkeit
Das hat sich herumgesprochen. Mittlerweile ist auch bekannt, dass die Dinge in der Verschenkebörse gratis mitgenommen werden dürfen. Nicht wenige Bürgerinnen und Bürger steuern das Wertstoffzentrum deshalb gezielt an, weil sie nach einem Schnäppchen suchen oder auch, um Dinge in der Verschenkebörse abzugeben, weil sie überzeugt sind, dass die Sachen für die Mülltonne zu schade sind. Zahlen über die Kunden gibt es nicht. Es wird aber gesagt, jeder zweite Besucher des Wertstoffzentrums schaue auch in die Verschenkebörse.

Diese Nachfrage machte es jedoch erforderlich, das bisherige Provisorium zu beenden. Bisher war die Verschenkebörse nämlich in einem Zelt untergebracht, das ist jetzt einem festen Gebäude gewichen. „Wir investieren in Nachhaltigkeit“, meinte denn auch Bürgermeister Thomas Memmel am Donnerstag bei der offiziellen Vorstellung der neuen Verschenkebörse. Sie befindet sich an der Stelle ihrer Vorgängerin, ist aber wie ein benachbarter Schuppen ganz aus Holz von einer örtlichen Schreinerei gebaut worden.
„Wir wollen Dingen ein zweites Leben geben“, bekannte der Bürgermeister. Michaela Kilic von der kommunalen Abfallwirtschaft des Landkreises Kelheim, ergänzte, die Börse spare Ressourcen und schone damit die Umwelt. Michaela Kilic lobte das Neustädter Engagement und stellte fest, derzeit gebe sechs Verschenkebörsen im Landkreis Kelheim. Zum Teil würden dafür noch alte Container verwendet.
Probleme bei alter Kleidung
Allerdings, sagen Memmel und Kilic auch, sei nicht alles so gut geregelt wie die Verschenkebörse. Zunehmend fällt ihnen die Unordnung auf, die vielerorts an Altkleidercontainern herrscht. Bisweilen wird gebrauchte Kleidung nicht in die Container gesteckt, sondern nur daneben gekippt. Bisweilen werden die Container auch von Unbekannten durchsucht. Was dann nicht gebraucht wird, landet ebenfalls regelmäßig neben den Behältern. „Das ist ein Übel“, sagte der Bürgermeister beim Ortstermin im Wertstoffzentrum.
Michaela Kilic weiß um das Problem, das sei „überall so“, bestätigte sie. Allerdings sagte sie auch, dass es noch einen weiteren Grund für die Situation an den Containern gebe. „Die Lager der Altkleiderhändler sind voll“ und die Preise für gebrauchte Kleidung seien historisch niedrig. Damit, so Kilic weiter, hält sie die vollen Altkleiderbehälter auch für eine taktische Maßnahme der Aufsteller. Solange die Lager voll sind, werden die Container nicht ausgeleert.
Bürgermeister Memmel denkt unterdessen über Lösungen nach. Er möchte die Zahl der Altkleidercontainer in Neustadt reduzieren. Engpässe bei den Bürgern, wo sich dann möglicherweise abgelegte Kleidung staut, dürfte es deshalb nicht geben. Im Wertstoffzentrum bleiben die Behälter stehen.