Bub (4) kopfüber aus dem Wasser gezogen – So haben die Lebensretter das Drama erlebt

Von Jochen Dannenberg · 20. Mai 2025 um 14:05

Was als unbeschwerter Ausflug mit der Familie begann, endete als Drama – mit Happy End. Zwei Männer, die einem vierjährigen Buben, am Stadtweiher in Neustadt (Landkreis Kelheim) das Leben gerettet haben, wurden jetzt ausgezeichnet. Der Mediengruppe Bayern erzählten sie, wie sie das Geschehen erlebt haben.

„Ich war mit meiner Frau und unseren Kindern im Wasser“, erinnert sich Matthias Waldhier an jenen Samstagabend im August vorigen Jahres. Es herrschte Hochbetrieb am Badestrand des Stadtweihers. Hunderte Menschen genossen das Sommerwetter, badeten und sonnten sich und genossen die fröhliche und ausgelassene Stimmung. „Wir haben Ball gespielt“, sagt der 43-jährige Familienvater aus Hienheim.

Da fiel ihm plötzlich der kleine Junge auf. „Das kam uns komisch vor. Meine Frau meinte: Schau‘ mal hin!“ Der Bub trieb bewusstlos im Wasser. Wie lange schon, wusste keiner. Doch Matthias Waldhier reagierte sofort. Er packte den Buben an den Füßen und trug ihn – den Kopf nach unten – aus dem Wasser, „damit das Wasser rausläuft“. Augenblicklich schrie der 43-Jährige auch um Hilfe. „Ich stand unter Schock“, sagte Matthias Waldhier später im Gespräch mit dieser Zeitung.

Auch andere Badegäste waren aufmerksam geworden. Zu ihnen gehörte auch Stefan Schedl (34) aus Mühlhausen, er hatte mit seiner Frau auf der Wiese am Badestrand gelegen. „Da sagt meine Frau plötzlich: Du, schau‘ mal. Ich glaub‘, die brauchen Hilfe.“

„Übernehme Kommando“

Der Ehefrau war die Menschentraube aufgefallen, die sich um Matthias Waldhier und den Buben gebildet hatte. Stefan Schedl lief hin. „Ich habe den Bub regungslos am Boden gesehen und sofort gesagt: Ich übernehme das Kommando.“ Der 34-Jährige begann, das Kind zu reanimieren, forderte Umstehende auf, das Rote Kreuz und einen Rettungswagen zu alarmieren.

Und der Bub hatte Glück. Riesenglück. Nach nur zwei Minuten schlug er wieder die Augen auf. Er lebte.

Erster Bürgermeister Thomas Memmel (links) und sein Stellvertreter Günter Schweiger (rechts) zeichneten Matthias Waldhier und Stefan Schedl (von links) aus. - Foto: Jochen Dannenberg

Die beiden Lebensretter wurden vor wenigen Tagen in einer Stadtratssitzung von der Stadt ausgezeichnet. Bürgermeister Thomas Memmel lobte die Männer und sagte: „Sie haben dem kleinen Jungen das Leben gerettet.“ Während „um sie herum Party“ herrschte, hätten sie gezeigt, „dass Menschlichkeit keine leere Floskel ist“. Darum stellte der Bürgermeister fest: „Sie haben sich unseren großen Respekt und unsere Wertschätzung verdient. Sie sind ein Vorbild für unsere Gesellschaft.“

Stadtrat Stefan Wagner, der beim BRK hauptberuflich als Rettungssanitäter im Einsatz ist, ergänzte: „Wir brauchen mehr Menschen mit Zivilcourage.“ Im vorigen Jahr seien mehr als 400 Menschen in Deutschland ertrunken. Jede Minute, in der nicht geschehe, verschlimmere die Situation bei Badeunfällen deutlich. „Bei Kindern können ein paar Sekunden über Leben und Tod entscheiden.“

Bei allem Lob, dass es damit in der Stadtratssitzung gab, war auch klar, dass es wohl nicht allein Matthias Waldhier und Stefan Schedl waren, die dem Vierjährigen das Leben gerettet haben. Darauf wiesen nicht nur die beiden „Schutzengel“ vom Stadtweiher hin, sondern auch der Bürgermeister hin. Er erklärte, es sei gar nicht so einfach gewesen, die beiden zu finden. Bei der Polizei sei man schließlich fündig geworden und da habe es nur die Personalien von Matthias Waldhier und Stefan Schedl gegeben.

Bloß keine Angst

Im Nachhinein sind die Beiden noch immer überwältigt von dem Geschehen im August am Stadtweiher. Es gab keine Zeit zum Überlegen, sagen sie. Konnte man denn was verkehrt machen – vielleicht bei der Ersten Hilfe? Seit dem beim Führerschein ist doch im Normalfall viel Zeit vergangen. „Man kann in dem Moment nichts verkehrt machen“, ist Stefan Schedl überzeugt. Nichts tun, nur das wäre ein Fehler.

Und Matthias Waldhier gesteht, dass ihn die Ereignisse am See lange nicht zur Ruhe kommen ließen: „Es war nicht einfach. Ich habe gescheit daran geknabbert, obwohl es gut ausgegangen ist.“