Wegen Streit beim Skatepark: Regensburger Schule bangt um Leuchtturmprojekt

Seit Wochen schwelt der Konflikt zwischen einem Anwohner und den Nutzern des Skate- und Dirtparks sowie des Bauspielplatzes beim Jugendzentrum Arena. Der Anwalt des Beschwerdeführers sprach von illegalem Wildwuchs und von einem möglichen Verfahren vor Gericht. Dabei nutzen die Anlagen nicht nur Jugendliche in ihrer Freizeit, eine davon ist auch fester Bestandteil des Stundenplans von Schülern.
Diese Schüler gehen auf die Pestalozzi-Mittelschule, wo seit vier Jahren zwei sogenannte Draußenklassen unterrichtet werden. Das Konzept – es war bei seiner Einführung das erste in ganz Bayern für den Mittelschulbereich – sieht vor, dass ein Teil des Unterrichts an außerschulischen Standorten stattfindet. Diese sind das Walderlebniszentrum in Sinzing und der Bauspielplatz, auf dem Kinder und Jugendliche unter anderem lernen, mit Werkzeug umzugehen. „Die fünfte Klasse verbringt dort zwei Tage pro Woche und die sechste Klasse einen Tag“, erklärt Schulleiterin Karin Alkofer. Zudem nutzen sieben weitere Klassen der Pestalozzi-Mittelschule, jeweils mit einer Stärke von bis zu 25 Schülern, den Bauspielplatz regelmäßig während des Unterrichts.
Der Bauspielplatz ist für die Kinder im Osten ein elemantarer Ort, um sich in ihrer Freizeit zu beschäftigen
Karin Alkofer, Leiterin der Pestalozzi-Mittelschule
Dort gehe es etwa um die Vermittlung von Längen oder Flächen. Wie haben die Ägypter eine Pyramide gebaut, habe die Leitfrage einer anderen Unterrichtsstunde gelautet. Beim Fächermix aus Geometrie und Geschichte haben die Schüler diese auf dem praktischen Weg beantwortet. Aber auch Unterricht zu sozialen Themen oder Theater lässt sich laut Alkofer gut auf den Bauspielplatz umsetzen. Die Schule und die Betreuer der Einrichtung betreiben einigen Aufwand mit dem Konzept: „Das Programm muss dem Lehrplan angepasst werden“, erklärt Alkofer. Dafür brauche es regelmäßige Treffen, um praktische Aufgaben zu den vorgegebenen Inhalten zu finden.
Das ist genau die Art von Unterricht, die das Kultusministerium wünscht“
Karin Alkofer, Leiterin der Pestalozzi-Mittelschule
Aber es lohnt sich: „Die Kinder gehen gerne auf dem Bauspielplatz und sagen auch, dass sie sich die Dinge, die sie dort gelernt haben, besser merken können“, berichtet die Schulleiterin. Kein Wunder also, dass dieses Konzept als Leuchtturmprojekt gilt. „Das ist genau die Art von Unterricht, die das Kultusministerium wünscht“, verdeutlicht Alkofer und vergisst nicht zu erwähnen, dass zum Start der Draußenklassen auch Kultusministerin Anna Stolz (FW) gekommen war – damals noch in ihrer Funktion als Staatssekretärin.

Was aber würde es für die Schüler in den Draußenklassen bedeuten, wenn der Konflikt um den Lärm bei den Freizeitanlagen nun derart eskaliert, dass dem Bauspielplatz die Genehmigung entzogen werden muss? „Wir würden einen außerordentlich wichtigen Lernpartner verlieren“, sagt Alkofer. Für den Bauspielplatz gebe es in Regensburg keinen Ersatz. Zudem sei er für die Kinder im Osten ein elementarer Ort, um sich in ihrer Freizeit zu beschäftigen, macht Alkofer den Stellenwert deutlich, den die Einrichtung für die Kinder an ihrer Schule hat.
Stadt prüft Anwaltsschreiben
Auf die Frage, ob die Freizeitanlagen und das Jugendzentrum in Gefahr wären, wenn der Beschwerdeführer vor Gericht zieht, antwortet Katrin Butz von der städtischen Pressestelle: „Der Bebauungsplan 102 (neu) und sämtliche in diesem Zusammenhang stehende Unterlagen sind nach Auffassung der Verwaltung rechtskräftig beziehungsweise nicht zu beanstanden.“ Nach dem Eingang eines Anwaltsschreibens Ende März herrsche bei der Stadt in der Sache allerdings „deutlich erhöhter Prüfaufwand“. Der Brief stammt aus der Feder von Dr. Thomas Troidl, dem Anwalt des Beschwerdeführers, und enthält laut Butz eine umfassende Auseinandersetzung mit zuvor übergebenen Unterlagen sowie bauplanungs- und immissionsschutzrechtliche Vorhaltungen. Die Prüfung dauere noch an und das sei der Kanzlei Anfang April auch mitgeteilt worden. Zu Troidls Vorwurf, dass die Nachbarn des Areals gesundheitsgefährdendem Lärm ausgesetzt seien, sagt Butz: „Dies kann vonseiten des Stadtplanungsamtes nicht bestätigt werden. Die dem Bebauungsplan zugrunde liegenden Schallgutachten haben ein verträgliches Miteinander der Nutzungen ermittelt.“In diesem Punkt macht Troidl aber unzutreffende Tatsachengrundlagen geltend.
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Warten auf den Vertrag
Derweil wird auch deutlich: Die Übergangslösung für den Skatepark, die Bürgermeisterin Astrid Freudenstein (CSU) vergangene Woche angekündigt hatte, ist noch nicht in trockenen Tüchern. Es soll eine Nutzungsvereinbarung zwischen der Stadt und dem Verein Spot abgeschlossen werden, die es erst einmal bis Mitte September ermöglichen könnte, bis 22 Uhr auf dem Platz zu skaten. Unterschrieben ist diese laut Butz aber noch nicht. „Die Vereinbarung ist gerade im Entwurf“, sagt sie. Tobias Kraus, Sprecher von Spot, hofft, dass der Vertrag Ende der Woche unterzeichnet werden kann. Einen ersten Entwurf des Vertrags habe er schon sehen können. Dabei seien ihm keine Zweifel gekommen. Seit der Sitzung bei der Stadt, bei der an der Übergangslösung geschraubt wurde, habe es am Skatepark auch keine Platzverweise mehr gegeben.