Zeugen sagen im Further Pfleger-Mordprozess aus: Pflaster und Fußballturnier im Fokus

Ein blauer Sack voller Medikamente, der anscheinend vor der Polizei versteckt werden soll, und ein Zeuge, der sich einem Polizisten bei einem Fußballturnier anvertraut: An Tag zehn im Prozess um drei Todesfälle in Pflegeeinrichtungen im Landkreis Cham sagten drei weitere Zeugen vor Gericht aus.
Seit drei Wochen läuft der Prozess am Landgericht Regensburg. Die Staatsanwaltschaft wirft drei Pflegekräften und dem Betreiber von zwei Pflegeeinrichtungen im Landkreis unter anderem gemeinschaftlichen versuchten Mord vor. Laut Anklage sollen Fentanylpflaster ohne ärztliche Genehmigung in den Einrichtungen verwendet worden sein.
Arbeit war nie Thema
Eine Zeugin, die für rund zwei Jahre für den angeklagten Leiter einer der Pflegeeinrichtungen arbeitete, sagte zuerst aus. Sie schilderte eine „freundschaftliche Beziehung“ zu dem angeklagten Heimleiter und dessen Frau. Die Kinder der beiden Familien würden zusammen zur Schule gehen, und auch in der Freizeit sei ein stetiger Kontakt vorhanden gewesen. „Dabei wurde aber nicht über die Arbeit geredet“, erklärte sie.
Auch mit den Vorgängen in der im Prozess unter die Lupe genommenen Pflegeeinrichtung habe sie kaum Berührungspunkte gehabt. „Ich habe die Patienten daheim besucht, in der Einrichtung war ich eigentlich nie.“ Von den Todesfällen, die sich dort ereigneten, habe sie erst aus der Zeitung erfahren.
Dann kam die Zeugin auf ein Gespräch mit der Frau des angeklagten Heimleiters zu sprechen: „Sie kam zu mir und war total aufgewühlt.“ Die beiden Frauen seien dann auf den Balkon gegangen, um in Ruhe zu reden. Kurz darauf habe der Mann, der Leiter der Pflegeeinrichtung, seine Frau angerufen.
Es war die Rede von einem blauen Sack mit Medikamenten. Und anscheinend sollte der versteckt werden vor der Polizei.
Zeugin
Viel habe die Zeugin nach eigener Aussage von dem Telefonat nicht mitbekommen, aber ein Detail sei ihr aufgefallen: „Es war die Rede von einem blauen Sack mit Medikamenten. Und anscheinend sollte der versteckt werden vor der Polizei.“ Daraufhin habe sie nach eigener Schilderung direkt klargestellt, dass sie trotz des freundschaftlichen Verhältnisses zu der Familie nichts bei sich zuhause verstecken werde. „Ich wollte mich nicht irgendwo mit reinziehen lassen.“ Der Vorsitzende Richter Thomas Polnik bohrte nach und wollte unter anderem wissen, um welche Art von Medikamenten es sich gehandelt haben könnte. Doch weder die Zeugin noch ihr Mann, der ebenfalls vor Gericht als Zeuge aussagte, konnten mehr zu dem blauen Sack mit Medikamenten sagen.
Das Telefonat und Gespräch der beiden Frauen habe er sowieso nur flüchtig mitbekommen. „Da war halt eine Balkontür dazwischen“, erklärte der Mann. Auch bei der anschließenden Hausdurchsuchung durch die Polizei bei der Familie zuhause sei nichts gefunden worden.
„Unter keinen Umständen hätte ich zugelassen, dass wir irgendetwas bei uns verstecken lassen, da war ich der gleichen Meinung wie meine Frau“, sagte er. Den so oft zur Sprache gekommenen blauen Sack voller Medikamente habe weder er noch seine Frau jemals mit eigenen Augen gesehen.
Zum Schluss des Prozesstages kam dann noch ein Polizeibeamter zu Wort, der als Zeuge vor Gericht aussagte. Er erzählte von einem Fußballturnier, bei dem er als Schiedsrichter außerdienstlich vor Ort war. Dort vertraute sich ihm ein Schiedsrichterkollege an, der in einer der Pflegeeinrichtungen als Pfleger arbeitete.
„Er wusste, dass ich Polizist bin und war der Meinung, dass es in dem Pflegeheim nicht mit rechten Dingen zugeht“, erzählte der Polizist. Der Pfleger habe ihm berichtet, dass in der Einrichtung Pflaster oftmals ohne ärztliche Genehmigung benutzt würden, um Patienten ruhigzustellen. „Ich war anfangs skeptisch, weil der Sachverhalt schon kurios war“, meinte der Polizist und ergänzte mit Blick auf den Pfleger: „Außerdem war er im Ort bekannt dafür, dass er schon ab und zu übertreibt oder Sachen nicht richtig einordnet.“
Polizist wurde hellhörig
Als der Polizist dann aber Chat-Verläufe zwischen dem Pfleger und einer mitangeklagten Pflegerin sah, änderte er nach eigenen Worten seine Meinung: „In den Chats war die Rede davon, dass die Polizei auf keinen Fall von den Pflastern Wind bekommen darf. Das machte mich als Polizist natürlich hellhörig.“
Dass es sich bei den Pflastern um die im Prozess erwähnten Fentanylpflaster handeln könnte, habe er erst später durch die Ermittlungen seiner Kollegen erfahren, sagte der Polizist. Im Anschluss erklärte er sich dazu bereit, die Chat-Verläufe für weitere Ermittlungen an das Gericht zu schicken. Ob und wann die neuen Hinweise in den laufenden Prozess eingebracht werden könnten, steht noch nicht fest.
Der Prozess am Landgericht Regensburg soll am Donnerstag fortgesetzt werden. Mit einem Urteil ist erst im Juni zu rechnen.