Noch ein Pfarrer geht: Stühlerücken in der evangelischen Kirche in Regensburg

Von Rainer Wendl · 16. Mai 2025 um 18:00

Innerhalb kurzer Zeit kündigen zwei prominente Vertreter der evangelischen Kirche ihren Abschied aus Regensburg an. Sind interne Querelen der Grund dafür?

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Nur zwei Wochen nach Bekanntwerden des Abschieds von Citykirchen-Pfarrerin Gabriele Kainz zum 1. August kündigt ein weiterer prominenter Aktivposten der evangelischen Kirche in Regensburg seinen Weggang an: Magnus Löfflmann, dritter Pfarrer der frisch fusionierten Gemeinde Neupfarr- und Dreieinigkeitskirche, wechselt im September nach Mittelfranken. Er übernimmt die Pfarrei der Erlöserkirche in Fürth.

Löfflmann: „Ich konnte nicht mehr wollen.“

Im demnächst erscheinenden Pfarrbrief schildert er diesen Schritt ebenfalls als eine Art Erlösung. „Natürlich ist es mehr so Wahnsinn, mit drei kleinen Kindern die sorgsam aufgebauten Zelte von A wie Abenteuerspielplatz bis Z wie Zahnarzt an völlig neuem Ort komplett von vorne wieder zu errichten. Aber es ging für mich nicht mehr und ich konnte nicht mehr wollen“, heißt es in seinen Abschiedsworten.

Der über Vorgänge in der Kirche naturgemäß gut informierte Evangelische Pressedienst (epd) hat diese jüngsten Entwicklungen am Freitag unter der Überschrift „Im evangelischen Regensburg brodelt es – personeller Aderlass folgt“ zusammengefasst. Gegenüber der MZ führt Löfflmann eher nüchtern aus, nach einer neuen Perspektive gesucht zu haben. In Regensburg habe er diese nicht mehr gesehen.

Pfarrerin Marjaana Marttunen ist zugleich Geschäftsführerin der fusionierten Kirchengemeinde. - Foto: Eckl

Das nährt dennoch die schon seit längerer Zeit bestehenden Gerüchte, wonach Löfflmann nicht gut mit Marjaana Marttunen, Inhaberin der ersten Pfarrstelle und zugleich Geschäftsführerin der Gemeinde, zurechtgekommen sein soll. Auch der epd greift dies auf.

Der für Personalfragen zuständige Dekan Jörg Breu spielt mögliche Konflikte im Team zunächst herunter und verweist stattdessen auf die erst im Januar vollzogene Zusammenlegung der Pfarreien: „Aus zwei mach eins – so etwas ist immer spannend.“

Die Pfarrerin muss doch nicht wissen, wie der Schaltkasten vom Glockenturm funktioniert.

Joachim Roller, ehemaliger Kirchenpfleger

Die beiden Pfarrer-Abgänge betrachtet er differenziert. Bei der organisatorisch ans Dekanat angebundenen Kainz habe sich nach fast eineinhalb Jahrzehnten in Regensburg eine attraktive Job-Option in der Schweiz ergeben. „Wir sollen ja sowieso alle zehn Jahre wechseln“, merkt Breu hierzu an. Im anderen Fall räumt er hingegen ein: „Pfarrer Löfflmann braucht mehr Beinfreiheit.“

Den Schilderungen des epd zufolge ist diese im Pfarrbüro nicht gegeben, für keinen Mitarbeiter. Sogar von einem „Klima der Angst“ spricht die Presseagentur. „Das ist aus meiner Sicht eine Übertreibung“, sagt Breu und führt weiter aus: „Es gibt Menschen, die sehr hoch organisiert sind und daher davon ausgehen, dass auch von den anderen alles so gemacht wird, wie sie es wollen.“

Dekan Jörg Breu ist für Personalfragen zuständig. - Foto: Raab

Dies hat offenbar Mitarbeiter zermürbt. So sagt beispielsweise Joachim Roller, der bis Ende 2023 sechs Jahre lang als „Mädchen für alles“ in der Dreieinigkeitskirche gearbeitet und dann gekündigt hat: „Auch ich konnte nicht mehr wollen.“ Die Pfarrerin habe sich in alle Bereiche eingemischt – dabei müsse sie doch gar nicht wissen, wie der Schaltkasten vom Glockenturm funktioniert.

Sitzung am kommenden Montag

Marjaana Marttunen selbst war am Freitag bis Redaktionsschluss nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Breu betont, dass sich die Pfarrerin in disziplinarischer Hinsicht nichts zu Schulden kommen lassen habe. Gleichwohl habe auch er gehört, dass die Zusammenarbeit mit ihr mitunter als kompliziert gesehen werde. Für Montag ist eine Sitzung der Vertrauensleute des Kirchenvorstands mit den Pfarrern anberaumt, dabei wird über das weitere Vorgehen beraten.

Mögliche Veränderungen kämen für Löfflmann zu spät. In seinen Abschiedsworten spricht er davon, dass das kirchliche Potenzial der Altstadt „längst nicht gehoben sei“ und dass Weggefährten gegangen seien, „bevor wir so richtig gemeinsam was hätten bewirken können“. Roller denkt daran mit Wehmut: „Dieser Weggang ist ein Verlust für Regensburg.“