Wie Jürgen Meißner aus Neunburg plötzlich zum Hotelbesitzer auf Sansibar wurde

Quasi über Nacht hat Jürgen Meißner aus Neunburg (Landkreis Schwandorf) ein Hotel auf Sansibar gebaut. Dabei war das gar nicht sein Plan. Was die Bürokratie auf der ostafrikanischen Insel damit zu tun hat und warum er sich unsterblich in Sansibar verliebt hat, erzählt Meißner im MZ-Interview.
Eigentlich wollte sich Jürgen Meißner nur einen Altersruhesitz auf Sansibar bauen. Ein kleiner Bungalow hätte es werden sollen, nur für ihn. Dann wollte der 61-Jährige aber für Verwandtenbesuche gewappnet sein. Er plante ein paar weitere Bungalows und einen Pool. Dass er am Ende ein komplettes Hotel auf der ostafrikanischen Insel bauen wird, war eigentlich nicht Jürgen Meißners Plan. „Aber dann kam eines zum anderen“, sagt er, schmunzelt und zuckt mit den Schultern. „Und bis du schaust, hast du plötzlich ein Hotel.“
Im vergangenen Dezember öffnete das Resort M&M Villas Zanzibar schließlich seine Pforten, nach einem Jahr und vier Monaten Bauzeit. Der Neunburger ist zwar gelernter Restaurantfachmann, hat langjährige Gastro-Erfahrung und vermietet Immobilien – aber plötzlich Hoteleigentümer zu sein, hätte er sich trotzdem nicht träumen lassen.

Die Landschaft, die Leute, das Wetter: Hier ist einfach alles top. Du kannst das ganze Jahr auf Sansibar Urlaub machen
Jürgen Meißner, Hotelbesitzer auf Sansibar
Bei Sansibar, das vor der Küste Tansanias liegt, konnte Meißner aber kaum anders. Er hat sich in die Insel verliebt. „Die Landschaft, die Leute, das Wetter: Hier ist einfach alles top. Du kannst das ganze Jahr auf Sansibar Urlaub machen.“ Vor allem für Rentner, die auswandern wollen, sei die Insel ein ideales Ziel. Die Temperatur liegt konstant zwischen 28 und 30 Grad. „Große Schwankungen halten ja viele nicht aus. Dieses Problem gibt es auf Sansibar nicht“, sagt Meißner.
Nur eine Sache ist am Anfang gewöhnungsbedürftig. Das ganze Jahr über wird es jeden Tag um 6.30 Uhr hell und um 18.30 Uhr dunkel. „Das liegt an der Nähe zum Äquator“, erklärt der 61-Jährige.
So konstant wie das Wetter ist auch die freundliche Mentalität der Sansibaris. „Es gibt kaum Kriminalität. Die Leute sind richtig gemütlich.“ Vielleicht hat Meißner diese Einstellung auch geholfen, dass er quasi nebenbei ein Hotel bauen konnte. „Ich hatte innerhalb von vierzehn Tagen die Baugenehmigung. In Deutschland dauert das drei Jahre!“, sagt er und lacht.
Als er eines von mehreren Grundstücken für das Hotel kaufte, lagen zwischen Vermessung und Unterschrift gerade einmal fünf Stunden. „Ja, es gibt auch auf Sansibar Bürokratie. Aber das geht viel schneller“, so der 61-Jährige. Vergleichsweise einfach hat er also ein Hotel mit Pool, Bar, Restaurant, zwölf Zimmern und einem Penthouse gebaut. Für alle Zimmer gibt es eine private Terrasse oder Veranda und die Möbel sind lauter Unikate. „Die wurden aus alten Booten hergestellt. Kein Stück gleicht dem anderen“, erzählt Meißner.
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Und selbst für Stromausfälle hat Jürgen Meißner sein Hotel gerüstet. Solche kommen an der Westküste Sansibars fast jeden Abend vor und dauern bis zu drei Stunden. „Darum haben wir auf dem Dach eine Solaranlage, die das Hotel tagsüber mit Strom versorgt. Abends können wir dann das Notstromaggregat nutzen.“ Diese Taktik sorgt dafür, dass Klimaanlagen, Boiler und Lichter im Hotel nicht ausgehen. Zum Gießen und für die Toilettenspülung nutzt das Hotel außerdem Wasser aus einem Regenrückhaltebecken. „Wir sind also sehr ökologisch unterwegs“, bemerkt Meißner.
Gute Anbindung zu schönen Stränden
Das Hotel M&M Villas Zanzibar liegt an der Seite von Sansibar, die dem afrikanischen Festland zugewandt ist. Das hat einen entscheidenden Vorteil: Es weht dort kein starker Wind wie an der Ostküste. „Und hier gibt es mit Kendwa und Nungwi auch die schönsten Strände der Insel“, berichtet Meißner. Die Strände sind innerhalb von zwölf Minuten mit einem Shuttleservice des Hotels erreichbar. Das M&M Villas Zanzibar selbst liegt 150 Meter vom Meer entfernt. Der Flughafen ist in einer Stunde zu erreichen.
Sansibar eignet sich aber nicht nur zum Baden und Entspannen, wie Meißner weiter erzählt. In Stone Town, einem Stadtteil der Hauptstadt Sansibar City gibt es zum Beispiel ein Museum über den wohl berühmtesten Sansibari: Queen-Frontmann Freddie Mercury.
Aber auch Überbleibsel aus der Kolonialzeit oder Dörfer der Massai-Ureinwohner locken die Touristen an. Massai arbeiten übrigens auch im Hotel, etwa als Sicherheitsdienst. „Insgesamt haben wir 25 Mitarbeiter, die hochqualifiziert sind und schon in namhaften Hotels gearbeitet haben. Bei ihnen ist der Gast König“, sagt Meißner. Das schätzen auch seine beiden Töchter, die gerne regelmäßig nach Sansibar kommen.
Er selbst verbringt die meiste Zeit in Neunburg, fliegt aber etwa vier- bis fünfmal pro Jahr nach Sansibar. Das Hotel dort leitet sein Bruder Burkhard, der komplett auf die Insel ausgewandert ist. Das hat Jürgen Meißner dann doch nicht vor. „Es ist zwar richtig schön dort, aber auch Deutschland hat seine Vorteile“, sagt er und schmunzelt.