Der Biber war‘s – aber nicht nur er: Wasser fehlt in Waldmünchener Kneippanlage

Der Kneippverein hat sein Fest in Waldmünchen (Landkreis Cham) am Wochenende absagen müssen, weil es an der Kneippanlage im Triebwerkskanal kaum mehr Wasser gibt. Das dort vorhandene Rinnsal reicht vermutlich gerade, um die Füße zu benetzen. Der berühmte Storchengang durch knietiefes Wasser wäre nicht möglich.
Aber was ist Schuld am Wassermangel? Im Nachgang des Berichts über die Absage wurde über mehrere Ursachen spekuliert. Von einem zu starken Abfluss in den Bach war die Rede, von einem möglichen Biberdamm und von einem viel zu früh eingetretenen Niedrigwasser. Wir haben uns die Situation vor Ort angesehen und recherchiert.
Die Kneippanlage liegt an einem ehemaligen Triebwerkskanal der einstigen Zachensäge. Auch dort steht das 2017 als touristische Attraktion und in Erinnerung an die Säge aufgebaute Wasserrad still, weil zu wenig Wasser ankommt. Etwas bachaufwärts ist die Kneippanlage zu finden. Folgt man dem Lauf des alten Kanals, der in den 1850er Jahren entstanden ist, gibt es mehrere kleine Zuläufe aus den Auwiesen, die aber zur Zeit kaum mehr Wasser führen und deswegen kaum zu einer besseren Wasserversorgung des Kanals führen.

Anders ist das aber, wenn wir zur Schwarzach selbst auf Höhe von Schmadererhammer kommen. Dort fließt ein munterer Bach. Allerdings zeigt ein Blick auf die Pegelstellen etwas bachaufwärts in den Wiesen, dass die Böhmische Schwarzach schon einmal munterer war. Derzeit steht der Pegel in etwa bei 32 Zentimetern. Der mittlere Wert läge etwas unter 40 Zentimeter. Bei absoluter Trockenheit läge der durchschnittliche Pegelstand um die 22 Zentimeter. Die Daten sind alle im Internet beim Gewässerkundlichen Dienst Bayern für den Pegel der Schwarzach bei Höll nachlesbar.
Die Frage aller Fragen
Aber warum kommt an der Kneippanlage kein Wasser an? An der Gabelung, an der ein Teil des Wassers für den Kanal abgeleitet wird, ist noch alles in Ordnung. Im Gegenteil: Es fließt viel Wasser in den Bach ab, und auch der Triebwerkskanal ist ordentlich mit Wasser gefüllt. Ein paar Meter bachabwärts in Richtung Perlsee kommt wieder einer die Entwässerungsgräben der Wiesen zum Triebwerkkanal. An dieser Stelle befindet sich eine kleine Brücke über den Bach. Bereits hier ist nur mehr wenig Wasser vorhanden. Blickt man bach-aufwärts, ist ein typischer Biberdamm zu sehen. Der Verbau aus Zweigen, Ästen und anderem Material staut das Wasser an.
Wahrscheinlich wird der Damm bei einem höheren Wasserstand überspült und die Stauwirkung reicht dem Biber aus. Jetzt aber wirkt der Damm fast wie eine kleine Staumauer, in deren Rückstau das Wasser an der Gabelung in den Bach abfließt.
Das durch den Damm dringende Wasser ist gering. Selbst wenn es im weiteren Verlauf des Kanals weitere Versickerungsstellen geben sollte – für eine Kneippanlage würde der Zufluss nicht reichen.
Auf unsere Anfrage, wie in einem solchen Fall mit einem Biberdamm umgegangen wird, antwortet uns die Untere Naturschutzbehörde am Landratsamt folgendermaßen: „Wenn ein Biberdamm zur Vernässung von angrenzenden Flächen führt oder sonstige Probleme auftauchen, muss sich der Betroffene bei der unteren Naturschutzbehörde melden. Die Naturschutzbehörde prüft dann, ob eine Beseitigung des Biberdamms erforderlich und zulässig ist.“
Allerdings könnte das schwer werden, gibt das Amt zu verstehen. Im weiteren Text heißt es: „Da der Biber als Art streng geschützt ist, steht auch seine Lebensstätte grundsätzlich unter Schutz. Die Biberdämme spielen für seine Burg oft eine essenzielle Rolle, da er damit den Wasserstand reguliert und dafür sorgt, dass der Eingang seiner Burg sich unter dem Wasserspiegel befindet. Biberdämme sind niemals zu 100 Prozent wasserdicht, sondern lassen immer eine gewisse Restwassermenge durch. Üblicherweise fließt der normale Zufluss nach der Anstauphase auch wieder über den Biberdamm ab, sonst würde der Wasserspiegel ja konstant ansteigen.“

Gerade bei Niedrigwasser seien die Biberdamme wichtig, erklärt die Naturschutzbehörde. „Die Niederschlagsmenge für die letzten acht Monate (Oktober 24 bis jetzt) ist außerordentlich gering und liegt deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt. Wenn aufgrund von ausgeprägter Trockenheit von Haus aus viel zu wenig Wasser im Bach ist, sind Biberdämme aus ökologischer Sicht als sehr wertvoll zu bewerten. Sie halten das wenige Restwasser noch etwas zurück und verhindern ein Absinken des Grundwasserspiegels. Außerdem können in dem angestauten Bereich vor dem Biberdamm auch noch seltene und besonders geschützte Tiere und Pflanzen (Libellenlarven, Frösche und Kröten, Molche) leben, die sonst aufgrund des Wassermangels nicht mehr überleben könnten.“
Und wie reagiert der Kneippverein auf das Thema: gelassen. Die Vorsitzende Andrea Pawelka macht deutlich, dass man das Thema Niedrigwasser aus den Sommermonaten schon kenne. Diesmal allerdings käme es sehr früh im Jahr. Wie man damit umgeht, wolle man erst besprechen, aber gegen einen geschützten Biber könne man nur wenig ausrichten. Man sei nicht auf der Suche nach einem neuen Standort, wie bereits kolportiert werde. „Eine Naturanlage ist immer nicht einfach“, sagte Pawelka. Man würde gerne bleiben, weil die Anlage ideal am Wanderweg gelegen sei und auch gerne von Urlaubern genutzt werde. Sollte aber der jetzige Zustand öfter auftreten, mache das keinen Sinn mehr.
Den Kanal nutzbar gemacht
Für den Unterhalt des Kanals ist laut Auskunft des Wasserwirtschaftsamtes die Stadt Waldmünchen zuständig, teilte Helmut Holzer auf Anfrage mit. Der Kanal liege zwar auf dem Grund des Wasserwirtschaftsamtes, sei aber der Stadt im Rahmen eines Gestattungsvertrages zur Nutzung überlassen worden. Sie habe den Kanal auch nutzbar gemacht. In diesem Zusammenhang sei die Kneippanlage und das Wasserrad am ehemalige Standort der Mühle entstanden. Den Biber gebe es aber schon lange im Triebwerkskanal. Das sei nichts Neues.
Bürgermeister Markus Ackermann betonte die gute Zusammenarbeit mit dem Kneippverein. „Die Stadt wird versuchen, den Wasserzulauf wieder herzustellen.“